Hunde-Kosmonauten - DER SPIEGEL
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Kosmonauten mit Schlappohren Die ersten vier Pfoten im Weltall

Sitz! Gib Pfötchen! Erobere den Kosmos! Um den Weg für den Menschen zu bereiten, schoss die Sowjetunion in den fünfziger Jahren Dutzende Hunde ins All. Russlands erste Kosmonauten wurden auf den Straßen Moskaus eingefangen - und versetzten, mit Raumanzügen ausgestattet, die USA in Schrecken.
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Die Pionierin: Das erste Lebewesen - abgesehen von einigen Mikroben -, das in die Erdumlaufbahn geschossen wurde, war die Hündin Laika. An Bord der "Sputnik 2"-Rakete flog sie am 3. November 1957 zu ihrer Mission ohne Rückkehr, denn die war technisch noch nicht möglich. Über Jahre wurde dann behauptet, sie sei friedlich gestorben, als der Sauerstoff in der Kapsel zu Ende ging. Erst im Oktober 2002 kam heraus, dass das Weltraumabenteuer für Laika etwa fünf bis sieben Stunden nach dem Start endete, als sie an Stress und Überhitzung starb.

Foto: Anonymous/ AP
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Mission ohne Rückkehr: Um im Westen den "Sputnik-Schock" noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, wollte Chruschtschow zum Jahrestag der Oktoberrevolution 1957 noch schnell einen weiteren Erfolg vorweisen. Laika sollte beweisen, dass ein Säugetier einen Flug in die Erdumlaufbahn überleben könne. Da die Techniker weniger als vier Wochen Zeit für die Vorbereitungen hatten, konnten sie keinen Thermoschutz für die Kapsel mehr konstruieren, die sich deshalb aufgrund ihrer großen Oberfläche schnell aufheizte. Wie Laika sterben würde, war demnach bereits während der Planung klar.

Foto: Getty Images
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Ausgewählt: Die etwa dreijährige Mischlingshündin Laika hatte als Straßenhund in Moskau gelebt, bevor sie eingefangen und in ein Trainingscenter gebracht wurde. Sie und einige andere Hunde wurden dort verschiedenen Belastungstestes unterzogen, bis man sich für Laika entschied.

Foto: Getty Images
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Gedenken an Laika: Die Hündin, die bewiesen hatte, dass ein Lebewesen einen Flug in die Erdumlaufbahn und die Schwerelosigkeit überleben kann, wurde erst 2008 mit einem Denkmal in Moskau gewürdigt. Ab 1958 konnte man "Laika" auf ungesunde Weise huldigen und die gleichnamige Zigarette rauchen.

Foto: Getty Images
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Kosmonautin Laika: In einer Raumfahrtausstellung in Moskau steht eine Nachbildung der Raumfahrtkapsel der "Sputnik 2", mit der Laika ins All flog. Die echte Kapsel lieferte noch sieben Tage nach dem Start Daten wissenschaftlicher Experimente an Bord. Die Kapsel verglühte später beim Eintritt in die Atmosphäre.

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Laika im Raumanzug: Für ihren großen Flug hatten die sowjetischen Techniker der pelzigen Kosmonautin einen Raumanzug konstruiert. Über Messgeräte konnten so ihre Vitalzeichen während des Experiments überwacht werden. Allerdings brach die Übertragung bereits kurz nach dem Start ab. Auch über ihren Tod gibt es keine Aufzeichnungen. Bekannt ist nur, dass nach fünf Stunden keine Lebenszeichen mehr registriert wurden.

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Belka und Strelka: Auch der Flug dieser beiden Hunde war für die Raumfahrt epochal. Belka und Strelka wurden am 19. August 1960 an Bord von "Sputnik 5" ins All geschossen - und kamen einen Tag später als erste Lebewesen überhaupt wohlbehalten zur Erde zurück.

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Pelzige Helden: Belka und Strelka (hier am 22. August 1960 auf einer Pressekonferenz nach ihrer Rückkehr aus dem All in Moskau) waren außerordentlich beliebt. Ihre Reise war ein Test für den Flug Juri Gagarins, des ersten Menschen im All. Ein Jahr lang waren die Hunde von sowjetischen Wissenschaftlern trainiert worden.

Belka und Strelka hatten zuvor ein strenges Auswahlprogramm durchlaufen. Bis zu sechs Kilogramm schwer und 35 Zentimeter groß durften die Vierbeiner sein und dabei nicht älter als sechs Jahre. Sie sollten außerdem ein helles Fell haben, das man auf den Bildschirmen gut erkennen könnte - und besonders niedlich aussehen. Letzteres hatte schon damals PR-Gründe.

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Die letzte Station: Belka und Strelka wurden nach ihrer erfolgreichen Mission zu Superstars in der Sowjetunion. Es wurden Bücher und Filme über sie veröffentlicht und Briefmarken mit ihren Bildern gedruckt. Nach ihrem Tod wurden beide (im Bild Strelka) ausgestopft und im Kosmonautenmuseum in Moskau ausgestellt.

Foto: REUTERS
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Kleiner Hund auf großer Mission: Einige Zeit nach ihrem Weltraumflug bekam Weltraumhündin Strelka sechs gesunde Welpen. Eine davon, die kleine Pushinka, flog zwar nie ins All, brach dafür aber im Alter von acht Monaten zu einer besonderen diplomatischen Mission auf. Das sowjetische Staatsoberhaupt, Nikita Chruschtschow schickte sie in einem vergoldeten Käfig als Geschenk an die Präsidentingattin Jacqueline Kennedy, deren Tochter Caroline begeistert mit dem Hund spielte.

Foto: AP
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Liebe in Zeiten des Kalten Krieges: Pushinka posiert am 20. Juni 1961 gemeinsam mit dem Terrier Charlie, der schon vor ihr im Weißen Haus gelebt hatte. Die Tochter von Strelka und der Amerikaner hatten in ihrem gemeinsamen Zuhause eine Romanze begonnen, aus der vier Welpen hervorgingen, Butterfly, White Tips, Blackie und Streaker. Präsident Kennedy nannte diese im Spaß gern "Pupniks" (von Puppy, englisch für Welpe und Sputnik, dem sowjetischen Satelliten).

Foto: AP
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Nach Hause telefonieren: Es sollte ein Zeichen der Versöhnung nach der Kuba-Krise sein, als Chruschtschow den Kennedys Pushinka schenkte. Von der Presse wurde die wuschelige Diplomatin dann auch dankbar in Szene gesetzt. So durfte sie etwa am 17. November 1961 im Presseraum des Weißen Hauses in die Sowjetunion telefonieren.

Trotz der großzügigen Geste des sowjetischen Staatsoberhaupts herrschte jedoch weiter Kalter Krieg. Pushinka musste sich daher bei ihrer Ankunft erst einmal von Spezialisten auf versteckte Mikrofone und ähnliche Spionagevorrichtungen durchsuchen lassen.

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Hunde im Weltraum: In einer Raumfahrtausstellung in Moskau steht 1959 auch diese Nachbildung einer Raumkapsel für zwei Hunde. Insgesamt schickte die Sowjetunion in den fünfziger und sechziger Jahren mindestens 57-mal Vierbeiner ins All. Einige von ihnen flogen sogar mehrmals.

Foto: Getty Images
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Rekordhalter: Am 22. Februar 1966 wurden diese beiden Hunde mit den Namen Veterok und Ugolyok von der Sowjetunion ins All geschickt. Sie blieben dort für 22 Tage, bevor sie wohlbehalten zur Erde zurückkehrten. Es ist bis heute der längste Flug von Hunden in den Weltraum. Von Menschen wurde der Rekord erst 1973 mit dem "Skylab 2"-Flug gebrochen.

Foto: Getty Images
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Vierbeiniger Kosmonaut: Alle Hunde wurden vor ihren Flügen mit speziell für sie angefertigten Weltraumanzügen und Sauerstoffmasken ausgestattet. Hier bereitet sich einer von ihnen am 19. Oktober 1959 auf einer sowjetischen Weltraumbasis auf seinen Flug ins All vor.

Die allermeisten Hunde im Raumfahrtprogramm waren weiblich. Die Wissenschaftler bevorzugten Hündinnen wegen ihres freundlicheren Temperaments.

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Gegen Hunde als Versuchskaninchen: Laikas Weltraumflug 1957 löste nicht nur Begeisterung aus. Weltweit gab es auch großes Mitgefühl mit dem "wuscheligsten, einsamsten und unglücklichsten Hund in der Welt" ("New York Times").

Der Kreml wurde mit Briefen von Tierschützern überhäuft, von denen viele lieber Chruschtschow in der Raumkapsel gesehen hätten. Vor dem Uno-Gebäude in New York demonstrierte eine Hundedelegation. In Großbritannien rief die Tierschutzorganisation NCDL Hundebesitzer noch Jahre später regelmäßig zu Schweigeminuten auf.

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Fertig zum Start: Hündin Malyshka posiert mit ihrem Raumanzug und ihrem Helm in Moskau. Sie war eine der ersten pelzigen Kosmonautinnen.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?