Hyperinflation 1923 - DER SPIEGEL
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Hyperinflation 1923 Kiloweise Geld

Zwei Kaffee für 14.000 Mark, eine Theaterkarte für eine Milliarde: Während der Hyperinflation 1923 trugen die Leute die Millionenscheine in Waschkübeln zum Lebensmitteleinkauf. Der Wert des Geldes fiel schneller, als nachgedruckt werden konnte. Bis heute prägt das Ereignis die deutsche Geldpolitik. Von Alexander Jung
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Drei Kilo Geld: Geld zählen war viel zu zeitaufwendig geworden - mit einer Waage ermittelte man 1923 schneller den stetig verfallenden Wert. Geldscheine waren zur Zeit der großen Inflation von 1919 bis 1923 am Ende kaum mehr Wert als Papier. Ein Liter Milch kostete 26 Milliarden Mark, für Brot mussten die Menschen 105 Milliarden Mark zusammentragen.

Foto: dpa
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Praxisgebühr Briketts: Aufgrund der Kohlenknappheit im Jahr 1923 wurden die Patienten gebeten, bei ihrem Arztbesuch ein Brikett mitzubringen, um das Wartezimmer zu heizen. Viele Ärzte akzeptierten wegen des rasenden Wertverfalls der Mark nur noch Naturalien als Honorar - Wurst, Eier oder eben Briketts.

Foto: dpa
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Lebensmittelversorgung: Je schneller sich die Inflationsspirale drehte, desto schwieriger wurde die Grundversorgung mit Lebensmitteln. Stundenlang standen die Menschen Schlange, um das Nötigste zu ergattern. Wer seinen Lohn ausbezahlt bekam, setzte ihn zumeist auch gleich in Waren um - einige Stunden später konnte alles schon wesentlich teurer sein.

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Wertloses Papier: Im Inflationsjahr 1923 fiel der Wert der Scheine schneller, als sie gedruckt werden konnten. Der Schein unten rechts wurde noch von fünf Milliarden auf hundert Milliarden Mark aufgewertet - per Stempel.

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Monetentapeten: Das Geld war im Inflationsjahr 1923 am Ende so wenig wert, dass es günstiger war, die Wände mit Scheinen zu tapezieren, als Tapete zu kaufen.

Foto: Hulton Archive / Getty Images
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Monopoly: Das Geld wurde im Inflationsjahr 1923 zu Spielgeld im wörtlichen Sinn. Mit Geldbündeln statt Bauklötzen spielten diese Kinder auf den Straßen.

Foto: Getty Images
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Peanuts: Mit einem 200-Milliarden-Mark-Schein in der Tasche konnte man sich auf dem Höhepunkt der Hyperinflation 1923 noch nicht einmal eine Taxifahrt leisten.

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Aus alt mach neu: Um der rasenden Inflation nachzukommen, setzte man 1923 auf Geldschein-Recycling. Hier hatte die Sparkasse Eggenfelden eine reguläre Banknote der Reichsbank vom Juli 1923 entwertet, die "nur" 500.000 Mark wert war. Die Rückseite nutzte sie für ihre eigene Ausgabe und hängte zeitgemäß einige Nullen an. 50.000.000.000 Mark erschienen vier Monate später als realistischerer Betrag für einen Geldschein. Etwa zur gleichen Zeit gab eine süddeutsche Industriegesellschaft einen 500.000-Mark-Schein heraus mit dem sinnigen Aufdruck "Sollt' ein Brikett noch teurer sein, steck' ruhig mich in' Ofen rein."

Foto: www.das-deutsche-notgeld.de
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Inflationsgewinner: Alle, die hoch verschuldet waren - allen voran der Staat, profitierten von der Inflation. Auch einige Industrielle waren Gewinner der Zeit. So etwa Hugo Stinnes (l., hier mit dem Industriellen Carl Duisberg 1923 in Berlin), der sich ein gewaltiges Firmenimperium zusammenkaufte - Schwerindustrie, Zeitungen, Schiffe, Hotels -, aufgebaut auf immensen Schulden.

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Putschisten auf dem Marienplatz: Der Nationalsozislist Adolf Hitler nutzte die Hyperinflation 1923 und die einhergehende Verunsicherung der Deutschen geschickt die Gelegenheit um die Menge aufzustacheln und Anhänger für seine Bewegung zu gewinnen. Im November zettelte er dann im Münchner Bürgerbräukeller den sogenannten Bierhallen-Putsch an. Hier erreichen Uniformierte Hitler-Anhänger auf einem Bierlaster stehend, gerade das Münchner Rathaus, während im Hintegrund ein Agitator versucht, die Menge für den Putsch zu gewinnen.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 119-1486

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Sturm auf die Bank: Am 15. November führte die Regierung die Rentenmark ein, um dem Wertverfall der Mark ein Ende zu setzen. Für eine Billion Mark erhielten die Menschen nun eine Rentenmark. In Scharen strömten sie in die Banken (das Foto zeigt die Berliner Reichsbank), um ihre Scheine einzutauschen.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?