Die zehn Gewinner Sauriergleiche Hühner, schmerzvolle Insektenstiche
Der Preis in Biologie ging an folgende Beobachtung: "Beschwert man ein Huhn an seinem Hinterteil, läuft es in etwa so, wie man es von Dinosauriern annimmt" - zu sehen in diesem Video. Als Gewicht hatten die Forscher den Hühnern einen Holzstab mittels Knetmasse am Beckengürtel befestigt, was letztlich aussieht wie ein Pömpel am Hintern. Unser Autor lag mit seiner Einschätzung richtig: Diese Leistung ist Ig-Nobelpreiswürdig. Erhalten haben ihn die chilenischen Forscher Bruno Grossi, Omar Larach, Mauricio Canals, Rodrigo A. Vásquez und José Iriarte-Díaz.
Der Preis für Physiologie und Entomologie (Insektenkunde) hatte gleich zwei Gewinner: Ein Teil geht an Justin Schmidt aus den USA, "für seine peinlich genaue Erstellung des Schmidt-Stichschmerz-Index, welche den Schmerz in Relation setzt, den Menschen beim Stich verschiedener Insekten spüren". Schmidt beschrieb auch den Schmerz einzelner Insektenstiche. Am schlimmsten sei die 24-Stunden-Ameise: "Fühlt sich an wie ein Gang über brennende Kohlen mit einem acht Zentimeter großen rostigen Nagel in deiner Ferse." Der zweite Preisträger ist Michael L. Smith (linkes Foto) aus den USA "für seine sorgfältige Versuchsanordnung, in der Honigbienen ihn wiederholt an 25 verschiedenen Stellen seines Körper stachen, um herauszufinden, wo es am wenigsten schmerzt (Schädel, Spitze des mittleren Zehs, Oberarm) und wo es am meisten schmerzt (Nasenloch, Oberlippe, Penisschaft)."
Der Ig-Nobelpreis für Chemie geht an "das chemische Verfahren, um Eier teilweise wieder zu entkochen". Die Forscher hatten hartgekochte Eier teilweise wieder roh bekommen. Eiweiß besteht zu 10 Prozent aus Proteinen, die wohlgeordnet sind. Unter Hitze brechen die Strukturen auf, die Proteine verknoten, das Ei wird hart. Den Forschern gelang es, dass die Proteine teilweise wieder ihre frühere Struktur annahmen. Dabei ging es nicht darum, zu harte Frühstückseier weicher zu machen: Das Verfahren könnte helfen, Proteine billiger herzustellen, indem man Bakterien nutzt und ihre Proteinknäuel entwirrt. Der Preis ging an die Forscher Callum Ormonde und Colin Raston aus Australien sowie Tom Yuan, Stephan Kudlacek, Sameeran Kunche, Joshua N. Smith, William A. Brown, Kaitlin Pugliese, Tivoli Olsen, Mariam Iftikhar, Gregory Weiss aus den USA.
Der Literatur-Ig-Nobelpreis geht an Mark Dingemanse, Francisco Torreira und Nick J. Enfield für ihre Entdeckung, "dass das Wort 'Huh?' (oder ein Äquivalent) in anscheinend jeder menschlichen Sprache existiert - und sie nicht wirklich sicher sind, warum".
Erfolgreiche Forschung entscheidet sich zumeist an der richtigen Fragestellung. Für den Ig-Nobelpreis für Physik lautete diese: Brauchen große Tiere länger beim Wasserlassen als kleine Tiere? Zur Überraschung der Forscher hieß das Ergebnis: Ob Elefant oder Katze - um ihre Blase zu entleeren, brauchen fast alle Säugetiere etwa 21 Sekunden (plus minus 13 Sekunden). Über den Preis dürfen sich Patricia Yang und David Hu aus den USA und Thailand sowie Jonathan Pham und Jerome Choo aus den USA freuen.
Die Gewinner in der Sparte Diagnostische Medizin gingen ungewöhnliche Wege - beziehungsweise fuhren. Denn die Forscher konnten zeigen: Eine akute Blinddarmentzündung lässt sich zuverlässig an dem Schmerz diagnostizieren, den der Patient empfindet, wenn man mit ihm über eine Bremsschwelle fährt. Die Methode erwies sich sogar als aussagekräftiger als andere Diagnosemethoden. Den Preis erhielt eine Forschergruppe aus Großbritannien, bestehend aus Diallah Karim, Anthony Hamden, Nigel Souza, Andrew Huang, Abdel Kader Allouni, Helen Ashdown, Richard J. Stevens und Simon Kreckler.
Der Preis für Ökonomie geht an die Polizei von Bangkok (Thailand): Sie bot ihren Polizisten zusätzliches Geld an, wenn diese im Gegenzug keine Bestechungsgelder mehr annehmen.
Der Management-Preis würdigt die Erklärung, warum viele Wirtschaftsführer in ihrer Kindheit eine Vorliebe entwickelten, Risiken einzugehen: Sie hatten eine Naturkatastrophe erlebt (etwa ein Erdbeben, einen Vulkanausbruch, Tsunami oder einen Flächenbrand), der für sie keine schrecklichen Konsequenzen hatte. Der Titel der Veröffentlichung von Gennaro Bernile, Vineet Bhagwat und P. Raghavendra Rau lautet: "Was dich nicht tötet, macht dich risikofreudiger".
Den Preis in Medizin erhielten Wissenschaftler "für ihre Experimente zur Untersuchung des biomedizinischen Nutzens und der biomedizinischen Konsequenzen von intensivem Küssen (und anderen intimen, zwischenmenschlichen Handlungen)". Küssen hilft beispielsweise gegen Allergien: Wurden Paare intim, schütteten sie weniger Immunglobin E aus, ein körpereigenes Eiweiß, dass an allergischen Reaktionen beteiligt ist. Die Preisträger sind Hajime Kimata aus Japan sowie Jaroslava Durdiaková, Peter Celec, Natália Kamodyová, Tatiana Sedlácková, Gabriela Repiská, Barbara Sviezená und Gabriel Minárik aus der Slowakei.