Im Sowjetlager Das Kind der Regierung
Kinderfoto: Alex Latotzky, ein Jahr nach seiner Überführung nach West-Berlin 1958.
Meine Mutter: Es ist das Foto der Haftkarteikarte meiner Mutter. Es entstand vermutlich 1950 nach der Übergabe an die DDR.
Im Kinderheim Naunhof: Eines von fünf Fotos, die meiner Mutter von mir in sieben Jahren DDR-Haft in das Gefängnis geschickt wurden. Auf der Rückseite war ich neben dem Genehmigungsstempel der Anstaltsleitung mit der gleichen Häftlingsnummer registriert wie meine Mutter.
Meine Mutter und Großmutter: Diese Aufnahme, entstanden etwa 1928, ist eines von nur zwei Fotos, die ich von meiner Großmutter habe.
Ursula Hoffmann: Das ist das erste Foto meiner Mutter nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis, aufgenommen 1956 in Westberlin.
Meine Rehabilitierung aus Moskau: Übersetzt lautet das Schreiben von der Militärhauptstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation:
"Der deutsche Staatsangehörige Alexander Latotzki wurde am 18. April 1948 im Sonderlager Nr. 1 des Ministeriums für Staatssicherheit der UdSSR in Bautzen, Deutschland, geboren und ist deutscher Nationalität.
Die Mutter von Alexander Latotzki, die deutsche Staatsangehörige Ursula Susanna Hofmann, war am 11. April 1946 durch das sowjetische Militärtribunal der 9. Mechanisierten Division gem. Art. 58-6 Abs. 1 StGB der RSFSR (Spionage) zu 15 Jahren Freiheitsentzug im Besserungs- und Arbeitslager und Einziehung des Vermögens verurteilt worden.
Am 7. April 1995 wurde Ursula Susanna Hofmann von der Militärhauptstaatsanwaltschaft rehabilitiert.
Während der Strafverbüßung hat Ursula Susanna Hofmann ihren Sohn Alexander Latotzki zur Welt gebracht, der sich bis zum 11. Februar 1950 gemeinsam mit der Mutter in der Haftanstalt aufhielt.
Da Alexander Latotzki gemeinsam mit seiner aus politischen Motiven verfolgten Mutter in Gewahrsam und als Minderjähriger ohne deren Fürsorge war, wurde er auf der Grundlage des Art. 1 -1 des Gesetzes der Russischen Föderation vom 18.10.91 über die Rehabilitierung der Opfer politischer Repressionen als politisch Verfolgter anerkannt und rehabilitiert."
Kinder im Heim Klinga: Im Kinderheim von Klinga bei Leipzig wuchsen in den fünfziger Jahren mehrere Mädchen und Jungen auf, deren Eltern als politische Häftlinge interniert waren.
Wiedersehen: 1997 trafen sich im ehemaligen sowjetischen Speziallager von Sachsenhausen zum ersten Mal mehrere Mütter, die ihre Kinder hinter Stacheldraht hatten zur Welt bringen müssen. Auch einige der in Haft Geborenen waren dabei.
Vor dem Tor: Kinder, die im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen geboren wurden oder aus anderen Lagern dorthin verlegt worden waren, versammelten sich 50 Jahre später mit einigen Müttern am Lagertor von Sachsenhausen.
Die Frauen von Hoheneck: Viele von ihnen waren zusammen mit meiner Mutter inhaftiert und kennen mich noch aus Sachsenhausen oder Hoheneck. Noch heute nennen mich viele von ihnen auch immer noch "Sascha", so wie ich auch damals genannt wurde. Die Frauen treffen sich seit vielen Jahren im September und seit dem Ende der DDR am alten Gefängnis in der Stadt Stolberg. Der Frauenkreis hat auch eine eigene Website unter www.frauenkreis-hoheneckerinnen.de .
Entschädigung gefordert: Drei von uns auf einer Demonstration in Berlin für eine gerechte Opferrente. Inzwischen erhalten die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft eine Rente von 250 Euro im Monat, wenn sie mindestens sechs Monate inhaftiert waren und als Ledige nicht mehr als 1075 Euro im Monat verdienen. Wir Kinder erhalten diese Rente dann auch.