Inceptionism: Google und Neuronale Netzwerke - DER SPIEGEL
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Inceptionism Psychedelische Bilder aus Computern

Neuronale Netzwerke sind einer der Gründe für den Boom, den künstliche Intelligenz gerade erlebt. Jetzt haben Google-Forscher gezeigt, dass solche Systeme nicht nur sehen lernen können - sie können auch halluzinieren. Die Resultate sind verblüffend.
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Lassen sich in diesem Foto mehr Dinge erkennen als ein Fluss und ein Himmel, Berge und Bäume? Entwickler von Google haben ein neuronales Netzwerk angewiesen, nicht mit dem Rechnen aufzuhören, bis es mehr erkennt - was auch immer es sein mag.

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Und das sieht das neuronale Netzwerk in der Seelandschaft, wenn es mit der Deutung beauftragt wird: Am Himmel fliegen Mischwesen mit Augen am ganzen Körper. Am Ufer lassen sich pagodenartige Gebäude und so etwas wie Fahrzeuge ausmachen.

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Nachbildung eines neuronalen Netzwerks im Gehirn: Nervenzellen sind mit Nervenfasern verbunden, Erregung pflanzt sich von Zelle zu Zelle fort, die Gewichtung der Verbindungen verändert sich im Lauf der Zeit. Nach einem ähnlichen Modell lernen auch künstliche neuronale Netze.

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Die Ergebnisse des Experiments sind ein Lehrstück über die Errechenbarkeit von Fantastischem: Aus Blättern werden Vögel, aus Hügeln malerische Dachkuppeln. Die Fotos erinnern nun an Bilder von Künstlern wie beispielsweise Max Ernst oder Salvador Dalí.

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Ein altes Kinderspiel: Figuren in Wolken erkennen.

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Dieses Spiel beherrschen auch neuronale Netze: Sie sehen dann Vögel, Füchse, Hasen, bizarre Mischwesen - psychedelische Motive.

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Aus dem normalen Wolkenbild links wird ein seltsames psychedelisches Kunstwerk, wenn man das Netzwerk nur lange genug rechnen lässt.

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Die entstandenen Mischwesen erinnern an Kreaturen aus Gemälden von Hieronymus Bosch oder Max Ernst. Ernst verwendete sogar eine Technik, die der hier eingesetzten entfernt verwandt ist: Er schraffierte beispielsweise die Struktur eines Holzfußbodens auf ein Blatt Papier durch, versuchte, in dem entstandenen Muster dann Lebewesen zu erkennen, und verstärkte diese dann so, dass sie auch andere sehen konnten.

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Landschaftsbild von Gebirgszug: Was sieht das Netzwerk hier?

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Nach der Bearbeitung: Seltsame Architektur in den Bergflanken, pagodenartige Gebäude am Boden, menschlich erscheinende Gestalten und merkwürdige Mischwesen.

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Gebirgsbach: Was sehen die höheren Schichten eines Bilderkennungsnetzwerks in diesem Bild?

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Hundewesen, Bäume mit Schnauzen und Augen, überall Augen. Selbst in dem, was es sieht, ähnelt die Wahrnehmung des Netzwerks dem eines Menschen. Auch wir haben die Tendenz, in unstrukturierten visuellen Reizen als erstes Gesichter wahrzunehmen.

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Interpretation eines Kunstfotos von einem Baum mit rotem Laub: Chimärenwesen im Himmel, Geisterautos am Feldrand.

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Andere Deutung der gleichen Vorlage: Hunde, Vogelwesen, menschliche Gestalten am Himmel.

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Ritter mit Hundekopf: Das Original ist hier tatsächlich kein klassisches Ölgemälde, sondern ein Foto von einem Mittelalter-Festival. Darauf hat der Ritter weder einen Hundekopf auf dem Sattel noch einen Handschuh in Tierform.

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Pagodenlandschaft: Dieses Bild kam, genauso wie das nachfolgende, auf andere Weise zustande. Dem Netzwerk wurde ein Bild voller Pixelrauschen präsentiert, alles, was hier zu sehen ist, ist die ungeleitete Deutung des Netzwerks.

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Auch hier war der Ausgangspunkt zufälliges Bildrauschen. Das Netzwerk macht daraus eine irrwitzige Architektur mit romanischen Bögen.

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Ein weiteres Bild aus dem Chaos: Aus Pixelrauschen wurde hier eine magisch anmutende Eislandschaft. Zur Interpretation des Netzwerks gesellt sich in Wahrheit eine weitere - die des Betrachters, der aus der Schöpfung des Computers seinerseits Bedeutung extrahiert.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?