Indonesischer Vulkan: Leben am Fuße des Merapi - DER SPIEGEL
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Indonesischer Vulkan Leben am Fuße des Merapi

Mehr als 300 Menschen starben, Zehntausende verloren ihre Häuser: Vor einem Jahr erlebte Indonesien die schwerste Eruption des Merapi seit Jahrzehnten. Wo einst fruchtbare Felder lagen, erstreckt sich heute graue Ödnis. Doch die Anwohner fühlen sich dem Vulkan verbunden, der ihnen alles nahm.
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Blick auf den Südhang des Merapi: Das Dorf Kinahrejo wurde beim Ausbruch des Vulkans am 28. Oktober 2010 völlig ausgelöscht. Wo früher fruchtbares Ackerland war, liegt heute eine graue Einöde.

Foto: Simone Utler
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Auch der Friedhof wurde verschüttet, von den meisten alten Grabsteinen schaut nur noch die Spitze heraus. Einige Dorfbewohner haben neue Steine auf die Gräber ihrer Verstorbenen gestellt.

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Nur noch wenige der Ruinen erinnern an die verheerendste Eruption des Merapi seit rund 100 Jahren. In diesem Haus kann man...

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...an den Stühlen und dem Tisch erkennen, wie hoch Asche und Lavagestein, die Häuser und alles, was darin war, bedeckt haben.

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Ibu Parto zeigt, wo sie vor dem Ausbruch des Merapi lebte. Auf der Anhöhe am Hang stand ihr Haus. Sie hatte zwei Kühe und verkaufte deren Milch.

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Ein reicher Mann aus der Region hat Ibu Parto Geld geschenkt, damit sie sich einen kleinen Stand aus hellen Holzbrettern und Lebensmittel kaufen konnte. Seit kurzem hat sie einfache Rattan-Möbel, die sie von ihrem Ersparten bezahlt hat.

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In ihrem Shop verkauft die 71-Jährige warme und kalte Getränke, Kekse, Cracker und Pop Mie, die indonesische Form der "Fünf-Minuten-Terrine".

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Viele Männer verdingen sich heute als Moped-Fahrer. Sie bringen vor allem indonesische Touristen den Berg hoch. Früher lebten die meisten Männer in Kinahrejo von der Landwirtschaft oder dem Verkauf von Lavasand.

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Ein Blick ins Tal zeigt die Schneise, die die Glutwolken im Oktober 2010 in den Südhang des Merapi gerissen haben.

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Mursami Asih vor einem Bild seines Vaters Mbah Marijan, dem früheren Hüter des Merapi. Das rote Ziegeldach markiert das ehemalige Haus Marijans, der bei dem Ausbruch ums Leben kam.

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Immer für ein Gespräch zu haben: Mursami Asih (re.) unterhält sich mit einem Mann aus Jakarta und einer Frau aus Yogyakarta. Viele einheimische Touristen kommen, um von ihm alles über den verhängnisvollen Abend zu erfahren.

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Mursami Asih posiert auch gern für Fotos mit Touristen.

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Seine Frau kümmert sich um den Laden der Familie. Sie verkauft Fotos vom Ausbruch des Merapi und T-Shirts mit Bildern oder zur Katastrophe passenden Sprüchen. Vor allem indonesische Touristen reißen ihr die Souvenirs regelrecht aus der Hand.

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Marijan ist immer noch eine Berühmtheit im ganzen Land. Noch heute hängen seine Werbeplakate im Ort.

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Seine Witwe sitzt auf einer Bank gegenüber der Stelle, an der ihr ehemaliges Haus stand, in dem ihr Mann gestorben ist.

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Mit diesem Kleinbus haben zwei Männer mehrere Menschen am Abend der Eruption gerettet. Sie warteten vor dem Haus des Hüters des Merapi, dass dieser sein Gebet beendete, um ihn und seine Helfer auch in Sicherheit zu bringen. Doch sie starben ebenso wie die Menschen im Haus in einer sengenden Gaswolke.

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Einige Gegenstände wurden aufgehoben, bevor die zerstörten Häuser abgerissen wurden. Sie sind nun an einer Stelle in Kinahrejo ausgestellt.

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Ibu Parmi, 40, ist seit dem Vulkanausbruch traumatisiert: "Ich habe alles verloren." Ihr Sohn, damals 17 Jahre alt und im Ort unterwegs, konnte nicht rechtzeitig entkommen, seine Leiche wurde einige Tage später auf halbem Weg aus dem Dorf beim Friedhof gefunden.

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Ibu Parmi hat einen Laden eröffnet, unmittelbar neben der Stelle, an der sie früher lebte und arbeitete. Erst seit einem Monat ist der Laden fertig, alles von ihrem gesparten Geld gekauft. Für Läden wie diesen gibt es Genehmigungen, aber die Menschen dürfen hier nicht mehr leben.

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Hier stand früher ihr Warung, ein kleiner Laden, in dem vor allem Einheimische einkauften.

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Hier standen früher haushohe Bäume. Vita aus Yogyakarta war als Studentin öfter in der Gegend zum Bergsteigen und Wandern und erinnert sich noch sehr gut an die dichte Vegetation, die den Weg damals fast wie ein Dach überspannte.

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Zur Zeit leben die Menschen von Kinahrejo rund zehn Kilometer von ihrer alten Heimat entfernt in Notunterkünften. Die Häuser sind relativ groß und komfortabel.

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Hier standen früher Bäume und Häuser. Das Schild verrät, was die Regierung mit dem Gelände plant: Sie will einen Nationalpark aus dem Gebiet machen.

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An der Stelle, an der früher die Moschee stand, haben die Menschen wieder eine Moschee errichtet - auch wenn es nur eine temporäre Konstruktion ist, könnte man meinen, die Bewohner von Kinarehjo möchten damit Fakten schaffen.

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Junge Künstler haben einige der Ruinen mit Bildern verziert.

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