"Inside WikiLeaks" Charismatisch, cholerisch, visionär
"Inside WikiLeaks - Die fünfte Gewalt" soll hinter die Kulissen der Enthüllungsplattform führen - doch dem Film misslingt, das Potential des Stoffes auszuschöpfen.
Nur einer wusste von Anfang an, dass die Buchverfilmung ein schlechter Film werden würde: Protagonist Julian Assange, gespielt von Benedict Cumberbatch.
Szene aus "Inside WikiLeaks": Assanges Mitstreiter im Film sind allesamt zu konturlos, als dass sie ihm sowohl im Streit als auch in der Kooperation interessante Reibungsfläche bieten könnten.
Allen voran gilt das für Daniel Brühl als Daniel Domscheit-Berg: Er wird zu voreilig als Sympathieträger und Identifikationsfigur gezeichnet, um an Statur und Komplexität zu gewinnen.
Stattdessen konzentriert sich der Film auf Assanges vermeintliche Gegenwart, die nur aus Laptops, Club-Mate und überraschend viel Zeit im Berliner Tacheles zu bestehen scheint.
Im Film ist Benedict Cumberbatch fast auf sich allein gestellt, um die unzähligen Facetten von Assange zum Schillern zu bringen.
Charismatisch, aber auch cholerisch, visionär, paranoid - um Assanges widersprüchliche Charakterzüge plausibel zu machen, hätte es mehr als die 128 Minuten von "Inside WikiLeaks" gebraucht.
Scheinbar wahllos stoßen Assanges andere Mitstreiter zum Team, so auch der Guardian-Kolumnist Ian Katz, der von Dan Stevens gespielt wird.
Katz soll Assange bei seinen ersten Veröffentlichungen unterstützen. Am Ende von "Inside WikiLeaks" kann man nur enttäuscht in seinem Kinosessel zurückbleiben.