Motorradmesse Intermot Der Zug ist noch nicht abgefahren
Seit der Übernahme der amerikanischen Altmarke Indian durch den Polaris-Konzern sind die Traditionsbikes eine ernst zu nehmende Konkurrenz für den Platzhirschen Harley-Davidson. Jetzt zielt Indian auch auf andere Jagdgebiete: Die brandneue FTR 1200 S ist eine Kampfansage an die europäischen und japanischen Hersteller von modernen Naked Bikes, speziell den Marken mit Zweizylinder-V-Motoren. Die FTR 1200 S steht optisch wie ein aktueller Sandbahn-Flat Track-Racer da; der V-Twin-Motor hat 1203 Kubik, 120 PS und 115 Nm Drehmoment. Technisch und elektronisch ist die FTR 1200 S auf Höhe der Zeit: ABS, drei Riding Modes, Traktionskontrolle, LED-Leuchten und ein digitales Cockpit. Die Amis haben an alles gedacht.
Der Prototyp wurde vor einem Jahr in Italien gezeigt, jetzt ist die Suzuki-Legende wieder da: Die Katana war mit ihrer schwertartigen Form 1981 eine Motorrad-Sensation und hat in der Folge das Zweirad-Design über Jahre entscheidend mitgeprägt. Jetzt kann sich beweisen, ob Suzuki nach der gerade auslaufenden Retro-Heritage-Mode wieder den Nerv getroffen hat. Der Motor der neuen Katana stammt direkt vom GSX-R1000-Aggregat ab, das Suzuki bereits in den Jahren 2005 bis 2008 gebaut hat. Er hat 999 Kubik, schiebt 108 Nm und leistet bei 10.000 U/min 150 PS. Die elektronische Grundausrüstung ist mit ABS und dreistufiger Traktionskontrolle vorhanden. Hinzu kommt ein Multifunktions-Cockpit und rundum LED-Beleuchtung.
Die Piaggio-Tochter Aprilia verkauft Motorräder inzwischen fast nur noch in homöopathischen Dosen; eine echte Weiterentwicklung ist nicht in Sicht. Nichts desto trotz sind die Supersportler der Marke echte Fahrmaschinen und unter Experten besonders auf der Rennstrecke beliebt. Beispiel: Die Aprilia RSV4 RR, Modelljahr 2019. Das Renngerät ist vollgepackt mit Elektronik, die zur Fahrsicherheit beitragen. Das ist auch dringend erforderlich: Der Vierzylindermotor leistet satte 201 PS.
Der Star auf dem BMW-Messestand und die neue Benchmark auf dem Großenduro-Markt ist die 1250er GS: Das seit Jahren meistverkaufte Motorrad in Deutschland hat außer optischen Korrekturen und einem exzellenten 6,5 Zoll großen Vollfarb-Display vor allem einen komplett neuen Motor bekommen. Beim aktuellen Modellsprung von der 1200 auf die 1250 GS hat BMW den Hubraum von 1170 auf 1254 Kubik deutlich erhöht. Das schlägt sich in mehr Leistung und Drehmoment nieder, die GS hat jetzt 136 PS und ein maximales Drehmoment von 143 Nm.
Im Fokus der Entwicklung steht aber die neue ShiftCam-Technology, heißt: Jeder 1250 Boxer-Zylinder hat nun eine bewegliche Einlassnockenwelle, auf der für jedes der beiden Ventile zwei verschieden gestaltete Nocken sitzen. Je nach der variablen Nutzung einer der beiden Nocken über einen Stellmotor verändern sich Ventilhub und Steuerzeiten und damit die Charakteristik des Motors.
BMW Motorrad verbaut den neuen 1250 Kubik-Boxermotor auch in einer Neuauflage des erfolgreichen Reisetourers R 1250 RT. Ein Argument aus München für den erhöhten Hubraum und die neue ShiftCam-Technik mit variabler Einlassnockenwelle: Das neue Aggregat soll mehr Laufruhe bringen und gerade im unteren Drehzahlbereich - also der Heimat der Reisetourer - mehr Drehmoment produzieren. Für das neue 6,5 Zoll große Vollfarb-Display und LED-Scheinwerfer verlangt BMW bei der neuen 1250 RT anders als bei der GS einen Aufpreis. Der Reisetourer ist in drei Modellvarianten Basis, Sport und Elegance und in insgesamt fünf Farben zu haben.
Ducati hat dem Scrambler-Bestseller pünktlich zur Kölner Messe eine umfassende Modellpflege verpasst. Wichtigste Neuerungen bei der Scrambler Icon sind das serienmäßige Kurven-ABS von Bosch und das auffällige Tagfahrlicht in LED-Ausführung. Das runde LCD-Display ist ab sofort wesentlich auskunftsfreudiger und zeigt jetzt auch den eingelegten Gang und den Tankstand an. Den bewährten 803-ccm-Motor mit 73 PS hat Ducati nicht angetastet, aber das Fahrwerk hat eine komplette Überarbeitung erfahren. Die neuerdings maschinell bearbeiteten Gussräder messen vorn 18 Zoll, hinten sind es 17 Zoll. Auf Wunsch können Speichenfelgen aufgezogen werden.
Der italienische Kleinserien-Hersteller Energica hat seine Fahrzeuge als "Premium E-Bikes" etabliert: Im kommenden Jahr wird der neue FIM Enel MotoE World Cup, die Motorrad-E-Weltmeisterschaft, ausschließlich auf Energica-Maschinen ausgefahren. Der MotoE World Cup-Rennmotor wird 120 kW Leistung und Höchstgeschwindigkeiten um die 270 km/h bringen. Die neue Ego Sport Black für die Straßenzulassung ist dagegen auf knapp 200 km/h gedrosselt, aber hat eine Reichweite von rund 140 Kilometern. Neu ist ab 2019 auch eine Traktionskontrolle mit sechs Stufen und eine weiter verbesserte Software fürs schnelle Aufladen. Bereits im vergangenen Jahr hat die Energica-Technik das Fahrzeug innerhalb von 20 Minuten von 10 auf 85 Prozent Ladung gebracht.
Die lange vergessene Italo-Marke Fratelli Boselli - kurz F. B Mondial - hat ein Comeback: Nach einigen 125er Modellen wird nun die HPS 300i vorgestellt, eine gelungene Mischung aus Kleinscrambler und Café Racer mit 250 Kubik Viertaktmotor, 23 PS, Sechsgang-Getriebe und einer modernen Upside-Down-Gabel. Technisch mag die F. B Mondial HPS 300i kein besonderer Bringer sein, aber die Anmutung mit der klassischen Rennsportsitzbank, den Auspuffstummeln, dem Rundscheinwerfer und dem aufwendigen Tank mit zwei verschiedenen Schwarztönen hebt die italienische Maschine aus der Masse hervor.
Seit 2017 werden unter dem Traditionsnamen Horex wieder Motorräder in Serie produziert - als einziger Hersteller weltweit setzt Horex dabei bei allen bisherigen Modellen auf einen wassergekühlten Sechszylinder-VR-Motor mit 163 PS, bei dem die sechs Zylinder um 15 Grad versetzt und ineinander verschränkt sind. Das ermöglicht die schmale Aggregatbreite auch bei sechs Zylindern. Das 2019er Modell VR6 Raw ist puristisch gestaltet, ganz in schwarz gehalten, und wird wie alle Horex-Modelle jetzt mit einem 7-Zoll-LED-Display ausgeliefert. Was man nicht auf den ersten Blick sieht: Horex bietet eine neue Fahrwerksabstimmung mit zwei individuell wählbaren Sportpaketen.
Die kleine 125er-Klasse ist nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit ein umkämpfter Markt, auf dem sich neben KTM vor allem die japanischen Hersteller tummeln - wie Kawasaki mit der Ninja 125. Der kleine Schwertkämpfer ist optisch ziemlich nah dran an dem massiven Kawasaki ZX-10RR-Superbike. Die Ninja 125 hat einen wassergekühlten Einzylindermotor mit 15 PS und 11,7 Nm Drehmoment, ABS und ein kleines digitales Cockpit. Sie läuft auf 17 Zoll Rädern. Unter der Verkleidung verbirgt sich ein klassischer Trellis-Rohrrahmen.
Der taiwanesische Hersteller Kymco macht Ernst und bringt mit dem Nice 100 EV und New Like 110 EV die ersten beiden Elektroroller auf den deutschen Markt. Insgesamt sollen in den kommenden drei Jahren noch acht weitere Modelle folgen. Das "Premiummodell" 110 EV hat das eigene Noodoe Navigations- und Connectivity-Paket, eine Leistung von 3000 Watt, ein maximales Drehmoment von 124 Nm und wiegt mit zwei leicht entnehmbaren Akkus an Bord 120 Kilogramm. Praktisch: Verbaut ist auch eine Kernbatterie. Damit kann man auch weiterfahren, wenn die beiden jeweils fünf Kilo schweren Lithium-Ionen-Akkus gerade am Netz hängen. In Taiwan besitzt Kymco bereits ein eigenes Netz mit Wechselakkus und Ladestationen.
Darauf haben viele Enthusiasten lange gewartet: eine klassische Enduro aus dem Hause Moto Guzzi, wo die Tradition von ersten Geländefahrten und Dakar-Einsätzen in den Achtzigerjahren bis heute gerne hochgehalten wird. Die V85 TT, in Köln zum ersten Mal in der fertigen Serienversion gezeigt, kommt mit viel eigenem Charakter, einem eigens entwickelten Zweizylinder-V-Motor mit 850 Kubik, 80 PS und enormen Drehmoment. Zur klassischen Guzzi-Anmutung und -Motorisierung gesellen sich LED-Doppelscheinwerfer und digitales Cockpit. Die V85 TT soll ab Februar 2019 verfügbar sein.
Die russische Traditionsmarke Ural zeigt in Köln das Sondermodell Transsib in Eisenbahnwaggon-Grün. Die Ural sieht zwar anachronistisch aus, aber wird seit dem Jahr 2014 mit Einspritzanlage und Abgasnorm Euro 4 geliefert. Das Gespann hat Scheibenbremsen an allen drei Rädern, einen hydraulischen Lenkungsdämpfer und eine moderne Marzocchi-Gabel. Die Leistung der Transsib ist nicht überragend: Der Boxermotor mit 745 Kubik leistet 41 PS und hat 52 Nm Drehmoment. Aber dafür wird das Fahrzeug ab Werk in Irbit östlich vom Ural serienmäßig mit einem Fellsack im Seitenwagen, beheizbaren Handschuhen und einem Samowar ausgestattet. Europaweit werden nur zwanzig Exemplare der Transsib ausgeliefert.
Auch 2019 hat Yamaha etwas für den Nachwuchs im Angebot: die neu aufgebaute YZF-R125. Optisch orientiert sich der Kleinracer an dem Supersport-Topmodell R1; wie dort wird in der Front ein LED-Doppelscheinwerfer verbaut. Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder-Vierventil-Motor mit neuem Zylinderkopf und variabler Ventilsteuerung soll im Vergleich zum Vorläufermodell mehr Drehmoment und ein gleichmäßigeres Leistungsband haben. Die Spitzenleistung bleibt unverändert bei 15 PS. Yamaha kündigt auch an, dass das Fahrzeug mit einer 41er Upside-Down-Gabel und einer neuen, kürzeren Alugussschwinge handlingfreundlicher sei. Verbaut wird auch eine überarbeitete Kupplung, die sich leichter ziehen lassen soll.
Yamaha baut die Modellpalette, die auf dem extrem erfolgreichen Zweizylinder-Motor mit 689 Kubik und knapp 75 PS basiert, mit der Reise-Version Tracer 700GT weiter aus. Der kleine Tourer punktet mit einer für zwei Personen ausreichend dimensionierten Sitzbank und farblich abgestimmten 20 Liter-Seitenkoffern. Für die Tourentauglichkeit und das Langstreckenpotenzial sorgen auch der 17-Liter-Tank, der verstellbare hohe Windschild und das digitale Cockpit mit komplettem LED-Display. Die Farben: Phantom Blue, Tech Black und wie hier im Bild Nimbus Grey mit Rot als Zweitfarbtupfer.
Die kleine Street Scrambler - die große 1200er Scrambler wird wohl in vier Wochen in Mailand vorgestellt - war immer schon wunderbar zu fahren, aber hatte bisher ein Manko: eine etwas schwache Leistung. Das ist jetzt behoben. Die 2019er Version des 900er Bonneville-Twin-Motors leistet jetzt 65 PS, 18 Prozent mehr als bisher, und hat damit wohl entscheidend mehr Drehmoment und Durchzug. Hinzu kommen feine Detailverbesserungen wie die neu abgestimmten Fahrmodi Road und Rain, eine komplett abschaltbare Traktionskontrolle und abschaltbares ABS. Auffallend ist auch das lange Serviceintervall von 16.000 Kilometern.
Für Triumph war die Street Twin bisher das meistverkaufte Modell aus der Modern Classics-Linie. Grund genug zu einer Überarbeitung schon nach zwei Jahren: Wie bei der Street Scrambler bekommt auch der Bonneville-Motor mit 900 Kubik ein saftiges Performance-Plus von 18 Prozent. Die Street Twin dreht etwas höher, hat mehr Klang, und jetzt ebenfalls 65 PS sowie mehr Durchzug. Geändert wurde auch die Bremsanlage mit einem jetzt hochwertigeren Brembo-Bremssattel. Auch die Gabel wurde überarbeitet. Optisch fällt auf, dass die neuen Mehrspeichen-Gussräder mit gefrästen Details wesentlich filigraner wirken.
Zero Motorcycles zeigt in Köln das Touringfahrzeug DSR Black Forest Edition ZERO. Das Schwarzwald-Modell ist eine mit Topcase, Koffern und hoher Scheibe aufgerüstete ZERO DS. Das Fahrzeug hat mit einem optionalen Zusatzakku von allen Modellen des amerikanischen Elektro-Herstellers die größere Reichweite: ZERO gibt 328 Kilometer in der Stadt, 156 Kilometer auf der Autobahn und 212 Kilometer im Kombibetrieb an. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 158 km/h. Die Ladezeit an einer haushaltsüblichen Steckdose liegt für eine ZERO DSR allerdings immer noch bei zwölf Stunden.