Interview mit Autodesigner Chris Bangle Mister 7er spricht
Chris Bangle: Der Autodesigner wurde 1956 im US-Staat Ohio geboren und kam - nach einem Kunststudium und dem Abschluss des Art Center College of Design in Pasadena - mit 25 Jahren nach Europa. Hier arbeitete er für Opel, Fiat und - von 1992 bis 2009 - als Chefdesigner für BMW. Heute betreibt er eine eigene Designagentur. Über die Ästhetik aktueller Autos sagt er: "Wir müssen die Autos für morgen wirklich wieder aufregend machen. Ich sehe allerdings nicht, dass das passiert."
Neue Firma: Nach seinem Ausscheiden bei BMW Ende Februar 2009 zog sich Chris Bangle nach Norditalien zurück und gründete dort das Designstudio "Chris Bangle Associates". Das Foto zeigt einen der Arbeitsräume der Agentur, die unter anderem für Samsung und Hennessy arbeitet.
Kraulen ins Nichts: Ein Blick auf den Pool vor Chris Bangles Haus. Am vorderen Ende des T-förmigen Beckens ist eine Glasscheibe installiert - als Badegast scheint man direkt auf einen Abgrund zuzuschwimmen. Der Designer hat das Schwimmbecken selbst entworfen - es ist allerdings noch nicht ganz fertiggebaut.
Bunter Schattenspender: Das Anwesen Borgata Gorrea im piemontesischen Ort Clavesana ist die neue Heimat von Chris Bangle und zugleich ein riesiges architektonisches Experiment. Gleich an der Einfahrt werden Besucher von diesem überdimensionalen Buntglaspilz begrüßt.
Typisch Bangle: Schon an diesem kompakten Sportwagen lässt sich ablesen, dass Chris Bangle stets für Überraschungen gut war. Ein derart schlichtes und dennoch keineswegs langweiliges Heck beispielsweise hatte es zuvor noch nicht gegeben.
BMW 7er: "Das Ding hat mein komplettes Leben beeinflusst", sagt Chris Bangle über den BMW 7er, der 2001 auf den Markt kam und vor allem in Deutschland ungewöhnlich scharf wegen des Designs kritisiert wurde. Vor allem das Heck wurde als "Bangle-butt" geschmäht. Der Designer sagt heute: "Zeitweise habe ich mich damals gefühlt, als sei ich der Blitzableiter des gesamten Unternehmens. Andererseits ist die Aussicht von dort oben perfekt."
BMW Z9 Gran Turismo: 1999 stellten die Münchner Autobauer die Studie Z9 Gran Turismo vor. Sie mündete fünf Jahre später in den voluminösen Sportwagen BMW 6er, dessen Design allgemein gelobt wurde.
BMW Z4: Im Jahr 2003 erschien der Sportwagen BMW Z4 mit den für Bangle typischen "flaming surfaces", also stark modellierten und scharf voneinander abgegrenzten Karosserieflächen. Der Z4 setzte sich deutlich von allen anderen Typen dieser Klasse ab. Bangle sagt, wenn sich Autos zu ähnlich sehen, gehe deren Seele verloren.
BMW 6er: Im Jahr 2004 stellte BMW den komplett neuen 6er vor. Es war das erste Auto mit der neuen, von Bangle kreierten Designsprache, das überwiegend auf Zustimmung stieß. Erstmals, so schien es, war der radikale Ansatz in eine harmonisch-ausgewogene Form geflossen.
BMW X6: 2008 kam der BMW X6 auf den Markt, ein bulliges SUV mit flach abfallendem Heck, eine Art höhergelegtes Coupé. Bangle fuhr zeitweise einen solchen Wagen. Es sei bis heute das einzige seiner Autos gewesen, sagt er, dem er einen Namen gegeben habe. Nämlich: Big Dog.
BMW Gina Light Visionary Concept: Vielleicht ist die BMW-Studie Gina aus dem Jahr 2008 das wichtigste Auto, das unter der Leitung von Bangle entstand. Der Clou des Wagens besteht darin, dass es keine feste, aus Blech gepresste Karosserie gibt, sondern die Form von einem Gittergerüst gebildet wird, über den ein metallisch schimmernder Textilüberzug gespannt ist.
Fiat Coupé: Von 1985 bis 1992 arbeitete Chris Bangle im Centro Stile von Fiat. Dort entwarf er unter anderem das Exterieurdesign des Fiat Coupés, das Anfang 1994 auf den Markt kam.
Opel Junior: Das Konzeptauto Opel Junior wurde 1983 vorgestellt. Das Interieur dieser Studie war die erste Arbeit von Chris Bangle als Automobildesigner. Bangle war zwischen 1981 und 1985 bei Opel beschäftigt.