Interview mit Carmen Rohrbach - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Suche nach dem Authentischen Carmen Rohrbach über Abenteuer, Einsamkeit und Glück

Sie ist Deutschlands produktivste Reisebuchautorin und seit 35 Jahren alleine unterwegs. Schon in ihrer Kindheit in der DDR will Carmen Rohrbach nur eins: entdecken. So wie die Bloggerinnen von heute - und doch ganz anders.
1 / 8

Frau Rohrbach, warum reisen Sie alleine?
Wenn ich allein unterwegs bin, komme ich an Menschen und Natur näher heran. Auch kann ich Unannehmlichkeiten wie Hunger, Kälte und Anstrengung leichter ertragen, wenn keiner dabei ist. Ich merke außerdem, dass ich dann vorsichtiger bin - meine Sinne sind wacher.

Foto: Carmen Rohrbach
2 / 8

Wie bereiten Sie sich auf Ihre monatelangen Wander- oder Radtouren vor?
Bisher habe ich nicht bemerkt, dass sich meine Kondition verändert, auch wenn ich lange an einem Buch geschrieben habe und deshalb nicht viel Bewegung hatte. Vor meiner Donau-Reise hatte ich noch nie eine Radtour gemacht – dafür aber habe ich weite Wanderungen unternommen und war viel in den Bergen.

Foto: Carmen Rohrbach
3 / 8

Reisen alleine als Frau - haben Sie nicht manchmal Angst?
Angst gehört dazu - sie ist hilfreich und ein wichtiges Warnsignal. Vor jeder Reise überlege ich, welche Risiken bestehen und wie ich Gefahren vorbeugen kann. In Kroatien zum Beispiel soll es noch Minen aus dem Bürgerkrieg geben. Dort bin ich dann nicht wie sonst querfeldein gegangen. Aber: Passieren kann dennoch immer etwas, aber die Konsequenz wäre, sich gar nicht erst auf den Weg zu machen.

Foto: Carmen Rohrbach
4 / 8

Fühlen Sie sich nicht manchmal einsam?
Nein, schon als Kind war ich im Wald am glücklichsten, wenn keiner da war - so später auch in der Wüste. Sonnenuntergänge in der Natur oder die Weite der Wüste will ich für mich allein haben. Aber allein in einer fremden Stadt, da hat mich mitunter schon öfters ein Gefühl von Einsamkeit überfallen.

Foto: Carmen Rohrbach
5 / 8

Bloggerinnen lassen sich sponsorn - wie finanzieren Sie Ihr Reiseleben?
Nach Sponsoren zu suchen, das wäre nicht meins. Ich will meine Aktivitäten selbst steuern und mich frei entscheiden können. Allerdings hat es zehn Jahre gedauert, bis ich nach dem einjährigen Aufenthalt auf Galapagos, einen Verlag für das Buch "Inseln aus Feuer und Meer" gefunden hatte. Heute kann ich von meinen Büchern und Vorträgen leben und meine Reisen finanzieren.

Foto: Carmen Rohrbach
6 / 8

Was ist Abenteuer für Sie?
Ich suche auf Reisen das Ursprüngliche, das Authentische - das ist es, was ich unter Abenteuer verstehe, nicht Lebensgefahr. Ich denke, in mir ist ein Entdecker-Gen, ich will suchen, finden, entdecken und beobachten: Tiere und Menschen, die noch natürlich leben, Flüsse, die noch natürlich fließen. Dafür nehme ich auch gern Entbehrungen in Kauf.

Foto: Carmen Rohrbach
7 / 8

Suchen Sie unterwegs nach Glück?
Glück passt nicht zum Leben, denn Leben ist Veränderung, jede Sekunde ist anders - Glück dagegen ist Stillstand, ist Ruhe. Glück - dann hat man alles, was soll man sich noch erträumen? Ich habe mir nie das Glück gewünscht, allerdings habe ich glückliche Momente - zum Beispiel als ich nach der fünfmonatigen Radtour am Schwarzen Meer angekommen war und es genießen konnte, etwas geschafft zu haben. Ich wollte nie ein leichtes Leben haben, sondern Herausforderungen, Widerstände, die sind für mich wichtig.

Foto: Carmen Rohrbach
8 / 8

Wie lässt sich Reisen mit Beziehung und Familie vereinbaren?
Eine Familie, das geht nicht bei meinem Lebensstil. Eine Beziehung hätte ich aber gerne. Früher habe ich mir das als Arbeitsgemeinschaft vorgestellt, einer schreibt, einer fotografiert oder filmt. Aber das hat sich bisher nicht ergeben.

Foto: Carmen Rohrbach
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?