Interview mit Comic-Zeichner Robert Crumb - DER SPIEGEL
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Robert Crumb Die Entwicklung eines depressiven 17-Jährigen

Als Rassist und Frauenhasser verpönt, als Genie gefeiert: In den sechziger Jahren wurde Robert Crumb mit derben und politischen Zeichnungen zum Wegbereiter der Underground-Comix. Mit einestages sprach er über Depressionen, LSD - und verriet, warum er seine Bilder früher im Klo runterspülte.
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Sexismusvorwürfe: In den Comics von Robert Crumb sind Frauen nicht selten kurvige, tumbe Figuren, die dem Mann mit ihren Reizen Angst einflößen. Oft ist dem Zeichner daher Frauenhass vorgeworfen worden. Nach eigener Aussage sind die Darstellungen für Crumb jedoch nur Abbilder seiner eigenen sexuellen Phantasien und deren Unerreichbarkeit. Lange Jahre, so Crumb, habe er sich als Sklave seiner Begierden gefühlt.

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Reprodukt/ Robert Crumb

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Wunschgedanke: Ein Hippie im Drogenrausch hypnotisiert ein dralles Mädel aus gutbürgerlichem Haus - heute gibt Crumb zu: "LSD hatte einen großen Einfluss auf mich und meine Arbeit."

Foto: Chris Jackson/ Getty Images
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Vielseitiger Künstler: Crumb, hier 1985 in Winters (Kalifornien), verdingte sich zunächst als Zeichner für Glückwunschkarten sowie für psychedelisch anmutende Poster in Headshops. Nachdem er in den Sechzigern mit seinen Anti-Establishment-Comics berühmt geworden war, illustriert er heute auch Bücher und bringt Graphic Novels heraus.

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Comic-Künstler mit Komplexen: Der Zeichner Robert Crumb war in den Sechzigern einer der Wegbereiter der Underground-Comix-Bewegung, deren Geschichten sich gegen das Establishment richteten und oft mit sexuellen Tabus brachen.

Crumb thematisierte immer wieder die Ablehnung seiner Person als Teenager durch das weibliche Geschlecht. Bis heute durchzieht dieses Thema seine Arbeit - wie dieses Cover seines 2013 erschienenen Werks "Mein Ärger mit den Frauen" verdeutlicht.

Foto: Reprodukt/Robert Crumb
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"Artsy Fartsy": Der Held dieser Crumbschen Comic-Serie ist ein beliebter, gutaussehender Hippie-Student mit Erfolg bei den Frauen - wenn da nur nicht dieses Problem wäre, dem er seinem Spitznamen gemäß ständig Luft machen muss... Crumb nimmt den Begriff "artsy fartsy", zu Deutsch "pseudokünstlerisch", wörtlich für aufgeblähtes Getue - und übersetzt ihn in seinen derben Comicstil.

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Der Künstler als 17-Jähriger: Crumb war als Teenager depressiv, fühlte sich tölpelhaft und unattraktiv. Entsprechend selbstkritisch fallen bis heute die Selbstbildnisse des Zeichners als junger Mann aus. Hier etwa stellt Crumb sich als schwitzenden, ängstlichen Außenseiter mit gebückter Haltung und verlorenen Vorderzähnen dar.

Foto: Robert Crumb
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Bittere Satire: In diesem Comic aus Crumbs Skizzenbuch aus der Zeit von Oktober 1990 bis Oktober 1991 thematisiert der Illustrator sein problematisches Elternhaus. "Mein Zuhause war ein Irrenhaus, im wahrsten Sinne des Wortes", so Crumb über die Situation daheim.

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Geburtsstunde des Independent-Comics: Das 1968 gegründete Comic-Magazin war das wichtigste Organ der Underground-Comix-Bewegung. Crumb war von Anfang an dabei und brachte weitere Künstler zu dem Magazin. Hier ist Crumbs Cover der dritten Ausgabe zu sehen.

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Cartoonist des Volkes: In seinen Comics nimmt Crumb die US-amerikanische Gesellschaft auf die Schippe. In diesem "Motor City Comic" geht es etwa um das Aufbegehren der konformen Arbeiter von "The Great United Shitworks Inc." gegen ihre Unterdrücker.

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Sprücheklopfer: Den langbärtigen Mr. Natural, ein Yogi, der unentwegt pseudophilosophische Sinnsprüche von sich gibt, schuf Crumb um 1967. Die gottähnliche Vaterfigur ist nicht nur ein Sinnbild des Generationenkonflikts in der Anti-Establishment-Bewegung der sechziger Jahre, sondern auch ein satirischer Gegenentwurf zu den damals populären Comic-Superhelden.

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Familienidyll: Dieses Comic von 1985 zeigt Crumb als Familienvater, der seiner kleinen Tochter lieber das Zeichnen beibringt, als zusammen mit seiner Frau in der Natur wandern geht. Im wahren Leben begab Crumb sich auf Betreiben seiner Frau auf eine viel weitere Reise - und zog mitsamt der Familie nach Frankreich um.

Foto: Reprodukt/Robert Crumb
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Das wahre Selbst: Auf diesem Selbstporträt stellt sich der Comic-Zeichner Robert Crumb als einen Kopfmenschen mit vor Angst zu Berge stehenden Haaren dar. Der Zeichner sagt von sich selbst, er sei vor allem als junger Mann "ein Außenseiter" und "extrem schüchtern" gewesen.

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Sexualsatire: Dieses Comic von 1985 ist eine Hommage an den Psychiater Richard von Krafft-Ebing und dessen Hauptwerk "Psychopathia sexualis" von 1886. In dem Werk werden abnorme sexuelle Verhaltensweisen beschrieben, die die Comic-Serie in ihren einzelnen Folgen aufgreift.

Foto: Reprodukt/Robert Crumb
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Comic-Kulturkritik: Crumb gilt als kritischer Kommentator der amerikanischen Kultur. In seinen Comics hat er stets sowohl seine eigenen Ängste und Neurosen als auch die seiner Landsleute verarbeitet.

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Gelassenheit im Alter: Inzwischen hat der mitlerweile 70-jährige Crumb jedoch ein versöhnlicheres Bild von sich selbst entwickelt - wie dieses Selbstportrait verdeutlicht. Der Zeichner sagt, dem 17-jährige Robert würde bei dem Anblick des heutigen Robert vor ungläubiger Begeisterung das Herz bis in den Hals springen.

Foto: Robert Crumb
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Vom Bleistift gerettet: Der Comic-Autor und Illustrator, hier am 24. März 2011 in New York, war als Jugendlicher unbeholfen, das Verhältnis zu seinen Eltern war von Gewalt geprägt. Mitte der sechziger Jahre wurde Crumb mit seinen Zeichnungen bekannt.

Das Zeichnen betrachtet er heute als "Weg aus der Nichtexistenz". Die Comics hätten ihm geholfen, Kontakt zu Menschen zu bekommen, die ihm dabei halfen, sein Leben zu meistern.

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Literaturumsetzung: Der Schriftsteller David Zane Mairowitz und Robert Crumb veröffentlichten ihr Buch über Franz Kafka erstmals 1993. Das 2013 neu aufgelegte Sach-Comic illustriert mit zahlreichen Crumb-Zeichnungen nicht nur wichtige Stationen in Kafkas Leben, sondern auch seine wichtigsten Werke.

Foto: Reprodukt/Robert Crumb
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?