Interviews der JFK-Witwe - DER SPIEGEL
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Interviews der JFK-Witwe Also sprach Jackie

Eine vornehme Stilikone - so sah die Welt Jackie Kennedy. Der Journalist Arthur Schlesinger lernte sie 1964 von einer anderen Seite kennen. In persönlichen Interviews mit ihm ließ die ehemalige Präsidentengattin alle Zurückhaltung fahren, gewährte tiefe Einblicke in ihr Privatleben und teilte kräftig aus. Nun werden die Gespräche veröffentlicht.
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Jackie 1962: Über ihren geliebten Mann JFK verlor sie in dem Interview nie ein schlechtes Wort.

Foto: SPIEGEL TV
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"Ich glaube nicht, dass Jack ihn für einen wirklich großen Mann hielt. Er hielt ihn eher für ... Scharlatan ist ein zu hartes Wort, aber ich glaube, er dachte oft, er sei eine Art Blender, ein recht geschickter Blender, nicht wahr, weil er sehr vieles um des Effekts willen tat."

Über Franklin D. Roosevelt, 32. Präsident der USA.

Anders als seine Parteifreunde hielt JFK Roosevelt offenbar nicht für den Säulenheiligen der amerikanischen Demokraten.

Foto: Getty Images
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"Ich kann kein Bild von Martin Luther King mehr anschauen, ohne zu denken: Was für ein furchtbarer Mensch!"

Über Martin Luther King, bekanntester Führer der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Im August 1963 hielt er auf dem Marsch auf Washington seine berühmte "Ich habe einen Traum"-Rede (Foto). Nach Ende der Veranstaltung zogen sich King und seine Mitstreiter ins Hotel zurück, wurden aber vom FBI abgehört und dabei belauscht, wie sie eine Party im Hotel organisierten, die Jackie Kennedy als Orgie titulierte. Später erhielt sie auch Abhörbänder mit Aufnahmen von abfälligen persönlichen Kommentaren, die King machte, als er Kennedys Totenwache und die Begräbnisfeierlichkeiten mitverfolgte. Danach war sie natürlich nicht gut auf King zu sprechen.

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AP

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"Jack sagte, Adenauer sei ein verbitterter alter Mann, oder auch, dass man ihn geradezu mit der Brechstange... Er sagte immer: 'Neunundachtzig? Sollte er da nicht längst abgetreten sein? Aber sie mussten ihn vom Sessel herunterzerren.'"

Über Konrad Adenauer, ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Adenauer war im ersten Frühjahr nach der Wahl nach Washington gereist. JFK ärgerte sich, weil der deutsche Kanzler von den USA immer wieder ein entschlossenes Eintreten gegen die kommunistische Bedrohung gefordert hätte. Weiter berichtete Jaqueline im Interview mit Schlesinger, dass JFK "die Nase gestrichen voll von Adenauer und diesem ganzen Trara um Berlin" habe - den deutschen Botschafter habe er sogar richtiggehend "gehasst".

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"Sie ist eine echte Pute - mürrisch, taktlos, eine furchtbare Frau. Ich kann sie nicht ausstehen. Immer eine Miene, als würde sie auf eine Zitrone beißen."

Über Indira Gandhi, spätere Premierministerin Indiens.

1961 hatten die Kennedys bei einem Staatsbesuch des indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru Indira Ghandi getroffen - konnten sich für Nehrus Tochter aber offensichtlich nicht erwärmen.

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"So eine wichtige Sache, und dieser Egomane will nichts damit zu tun haben, eine Sache, die von einzigartiger Bedeutung für das ganze Jahrhundert ist."

Über Charles de Gaulle, Frankreichs Präsident.

Im August 1963 stimmten Kennedy, der sowjetische Regierungschef Chruschtschow und der britische Premierminister Macmillan einem Abkommen über den Stopp von Kernwaffentests in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser zu. De Gaulle, der eine eigene französische Nuklearmacht aufbauen wollte, verweigerte sich dem Abkommen.

Foto: dpa
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"Ich weiß nicht, ob ich da ein Vorurteil habe, aber ich denke nicht, dass er auch nur im Entferntesten den politischen Weitblick hatte wie Jack."

Über Joseph Patrick Kennedy, John F. Kennedys älterer Bruder.

"Joe" Kennedy junior war im Zweiten Weltkrieg gestorben. Sein mit Bomben beladenes Flugzeug explodierte kurz nach dem Start über dem Ärmelkanal. Jacquelines Kommentar bezieht sich auf die Behauptung von Kennedy senior gegenüber verschiedenen Reportern Ende der fünfziger Jahre, dass er ursprünglich seinen ersten Sohn als künftigen Präsidenten gesehen und erst nach dessen Tod seine Erwartungen auf Jack gerichtet habe.

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"Lyndon biederte sich ziemlich an. Jack kam heim und erzählte mir davon. Zum Beispiel, wie Lyndon - vor allen Reportern - im Senat verkündete, er sei fit für die Kandidatur, er könne - was weiß ich - Squash spielen und einmal in der Woche Geschlechtsverkehr haben."

Über Lyndon B. Johnson, JFKs demokratischer Konkurrent um das Amt des Präsidenten.

Nach der offizielen Nominierung zum Präsidenten ernannte John F. Kennedy Johnson zum Vizepräsidenten. Als Kennedy ermordet wurde, übernahm Johnson das Präsidentenamt.

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"John Connally lief überall herum und erzählte, dass Jack an der Addison-Krankheit leide. Einen Tag bevor Jack in Texas starb, sagte ich noch zu ihm: 'Ich kann Gouverneur Connally nicht ausstehen. Ich ertrage diese überhebliche Art nicht.'"

Über John Connally, texanischer Rechtsanwalt und enger Freund von Lyndon B. Johnson.

1960 hatte Conally auf einer Pressekonferenz angezweifelt, ob Kennedy gesund genug für das Präsidentenamt sei. Trotzdem hatte JFK ihn später zum Marineminister ernannt.

Foto: AP
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"Eunice lag Jack die ganze Zeit in den Ohren, er solle doch Sargent zum Leiter von Gesundheit, Bildung und Wohlfahrt machen, weil sie nun einmal unbedingt die Gattin eines Ministers sein wollte."

Über Eunice Shriver, Schwester der Kennedy-Brüder.

Robert Sargent Shriver arbeitete für JFKs Vater in Chicago, wo er Eunice, die Tochter seines Chefs, kennenlernte, die er 1953 heiratete. In den ersten Wochen nach der Wahl diente er JFK als Talentsucher, dann ernannte ihn Kennedy zum ersten Direktor seines neugegründeten Friedenskorps. Später leitete Sargent Shriver Präsident Johnsons Wohlfahrtskampagne "War on Poverty", war US-Botschafter in Frankreich und kandidierte 1972 als demokratischer Delegierter für das Amt des Vizepräsidenten.

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Hochzeitspaar: John F. Kennedy und die Journalistin Jacqueline Lee Bouvier heirateten am 12. September 1953 in Newport, Rhode Island. Zehn Jahre später starb JFK bei einem Attentat in Dallas. Nur vier Monate nach dem Tod ihres Mannes begann der Pulitzerpreisträger, Historiker und Präsidentenberater Arthur Schlesinger mit den Jackie-Interviews.

Foto: Cecil Yates / AP
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Familienidyll: Das Ehepaar Kennedy mit Tochter Caroline 1960 in Hyannis, Massachussetts. In den Interviews glorifizierte Jackie die Ehe mit JFK - über seine außerehelichen Affären schwieg sie sich gegenüber Arthur Schlesinger aus.

Foto: AP
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