iPad Das kann Apples schicke Flunder
Warteschlange: Schon rund eine Stunde vor Beginn der Produktvorstellung bildeten sich lange Schlangen vor der Halle. Viele Tech-Journalisten hielten ihre Leser per Live-Blog oder Twitter auf dem Laufenden - anders als...
...sonst üblich schaltete Apple seinen Internetshop diesmal nicht offline. Normalerweise ist das Teil der Inszenierung, um die Spannung vor größeren Produkt-Launches zu erhöhen.
Heißbegehrte Ware: ein Media-Pass für den Eintritt ins Allerheiligste. Apple hatte gezielt Journalisten eingeladen, war mit Akkreditierungen darüber hinaus äußerst sparsam umgegangen.
Die Bühne ist bereit für den Meister: Im Vorhinein war die Veröffentlichung eines Tablet-PCs, der zugleich Lesegerät als auch Multimedia-PC sein sollte, erwartet und von vielen erhofft worden. Als eine Art Riesen-iPod antizipierten Fans das Gerät, das wie einst das iPhone einen neuen Markt erschließen soll.
Und dann kam der Guru und bestätigte die Erwartungen: Das iPad wirkt wie ein überdimensioniertes iPhone, ist Lese-, Surf- und Multimedia-Gerät...
...und wird natürlich per Berührung bedient. Ganze Branchen wie die Musik- und Film-, Medien- und Game-Industrie (im Bild ein Rennspiel) warten auf ein Tablet, mit dem sich nicht nur der E-Book-Markt erweitern lässt, sondern auch...
...vielfältige mediale Angebote attraktiv darstellen lassen. Hinter den Kulissen soll Apple schon mit etlichen US-Verlagen über Abo-Modelle und Inhalteauslieferungen verhandelt haben.
Als prominenter Partner präsentierte sich die "New York Times", von der schon im Vorfeld bekannt geworden war, dass sie eigens für mobile Lesemittel eine Abteilung gegründet hatte. Diese wird wohl nicht nur Apples Gerät, sondern auch E-Reader nach Art von Amazons Kindle beliefern. Hier sieht man allerdings noch die klassische Web-Seite der Zeitung auf dem iPad - die maßgeschneiderte Anwendung ist noch nicht fertig.
Doch Apples iPad will mehr sein als nur ein Lesegerät. Eine virtuelle Tastatur soll PC-Funktionalitäten erschließen.
Jobs jedenfalls, der große Präsentator, hatte sichtlich Spaß an dem Gerät, das er im Vorhinein angeblich als seine größte Tat angekündigt hatte. In den Ohren seiner Fans ist das ein ganz schön hochgehängter Claim, denn für sie...
...ist der Apple-Chef und Mitbegründer - hier mit seinem ehmaligen Partner Steve Wozniak - nicht viel weniger als der geniale Geist, der mit der Veröffentlichung des ersten Apple das Zeitalter der Personal Computer eingeläutet hatte. Auch Jobs erinnerte an diese bescheidenen, in der Rückschau aber großen Anfänge.
Die technischen Daten der Flunder erscheinen ähnlich abgespeckt wie bei Netbooks und anderen ultraleichten, auf Mobilität ausgelegten Geräten. Apple entwickelte einen eigenen Chip, den A4. All dies muss so sein, denn das spart nicht zuletzt Strom: Die Maxime bei der Entwicklung auch von Tablets ist also,...
...bei möglichst geringer Energieaufnahme die höchstmögliche Performance herauszukitzeln. Maßstab aller Dinge sind dabei stets zwei Kriterien: die Spielefähigkeit inklusive 3-D-Rendering und die Wiedergabe von HD-Videos. In beiden Disziplinen soll das iPad überzeugen können.
iBooks: Auch E-Book-Funktionen integriert das Tablet-Gerät, und das - typisch Apple - mit eigenem Shop. Denn natürlich will Apple die digitalen Waren nach dem Vorbild des Musik- und Film-Shops bei iTunes selbst verkaufen.
Und das gilt auch für Spiele: In Zeiten der Apps und Casual Games kann kein mobiles Gerät auf Daddelmöglichkeiten verzichten. Damit tritt Apple in Konkurrenz zu Firmen wie Nintendo und Sony, die die erfolgreichsten Mobil-Spielgeräte anbieten.
E-Book-Darstellung: Mit der Dichte und gestochenen Schärfe eines E-Ink-Displays, wie es Amazons Kindle bietet, wird das iPad schon aus technischen Gründen kaum mithalten können. Doch Lesen am Bildschirm ist ja längst Alltag - sehr vielen Nutzern wird das brillant genug sein.
Aus Tablet mach Rechner: Wer bescheidene Ansprüche an Performance und Kapazität eines Rechners hat, mag ein per Ständer und Tastatur zum Touchscreen-Rechner gemachtes iPad genügen. Das spricht eventuell nicht nur die Klientel der Netbook-Nutzer an.