Irland Aufstieg dank Niedrigsteuer
Ob Google, Microsoft, Ebay oder Intel: Irland hat durch niedrige Unternehmensteuersätze viele Großkonzerne angezogen, die Tausende Jobs geschaffen und die Wandlung vom armen Agrarstaat zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften Europas ermöglicht haben. Google zum Beispiel (im Bild: Google-Zentrale in Dublin) hat laut Recherchen von Bloomberg mit - noch - legalen Steuertricks in den vergangenen drei Jahren 3,1 Milliarden Dollar Steuern gespart. Grundlage ist das Steuersparmodell "Double Irish"...
...wobei sich "Double Irish" auf ein Steuerspar-Verfahren mit zwei Unternehmenstöchtern bezieht. Die irischen Gesetze erlauben es ausländischen Konzernen, mit zwei Töchtern zu operieren. Eine ist komplett in Irland stationiert, die andere in einem Steuerparadies wie den Bermudas. Da die erste Tochter der zweiten Tochter Lizenzgebühren für geistiges Eigentum zahlt, sinken die in Irland zu versteuernden Erlöse deutlich. Auf die verbleibenden Gewinne fallen ohnehin sehr niedrige Steuern an.
Niedrigsteuersatz: Unternehmen werden in Irland einheitlich mit 12,5 Prozent besteuert. Das ist der niedrigste Steuersatz aller 31 in der OECD zusammengeschlossenen Industriestaaten. Zum Vergleich: Großbritannien besteuert seine Firmen mit 28 Prozent, Deutschland mit rund 30 Prozent, die USA und Japan sogar mit jeweils mehr als 39 Prozent.
Vom armen Agrarstaat zur dynamischen Volkswirtschaft: Eingeführt wurde der Steuersatz 1997 unter Finanzminister Ruairi Quinn von der Labour Party. Durch die Ansiedelung von großen Unternehmen, die durch die niedrige Steuer angelockt wurden, ging es mit Irlands Wirtschaft aufwärts.
Milliardeneinnahmen für Irland: 2009 spülte die Unternehmensteuer 3,9 Milliarden Euro in die Staatskassen. In diesem Jahr soll sie mindestens 3,1 Milliarden Euro bringen - rund zehn Prozent der Staatseinnahmen. Jede Erhöhung des Steuersatzes um einen Prozentpunkt bringt Mehreinnahmen von rund 300 Millionen Euro pro Jahr.
Anhebung ohne Auswirkung: Eine leichte Anhebung der Unternehmensteuer beeinträchtigt Experten zufolge nicht die Wettbewerbsfähigkeit Irlands. "Wenn sie auf 15 oder 17,5 Prozent angehoben würde, wäre sie noch immer niedriger als in den meisten anderen Ländern", sagte der Chefvolkswirt von Bloxham Stockbrokers, Alan McQuaid.
Irland beharrt auf Mini-Steuer: Die irische Regierung um Ministerpräsident Brian Cowen (im Bild) lehnt bisher jede Erhöhung ab. Vizeministerpräsidentin Mary Coughlan erklärte den Steuersatz für "nicht verhandelbar". Europa-Minister Dick Roche sprach von "nicht hilfreichem Gerede im Hintergrund". "Wo läge der Sinn darin, einen der großen Motoren des Wachstums zu zerstören?"