Irre Rockmythen - DER SPIEGEL
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Die Geheimnisse der Stars Von G-Strings und Hühnerkostümen

Hat Tom Waits ein Speisekarten-Tattoo? Waren die Beach Boys Fans des Massenmörders Charles Manson? Haben die Beatles LSD durch ihren Zahnarzt kennen gelernt? Der Musikjournalist Gavin Edwards geht ungewöhnlichen Fragen aus der Rockszene nach. einestages stellt die absurdesten vor - und verrät die Antworten.
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Prince und Bob Marley sollen einen Song zusammen aufgenommen haben - wurde er veröffentlicht?
1979 versuchte Bob Marleys Manager Don Taylor tatsächlich eine Kooperation zwischen den beiden zu arrangieren. Zusammen mit seinem Star tauchte Taylor nach einem Prince-Konzert Backstage auf. Prince empfing sie - in einem String-Tanga mit Leopardenmuster. Dies habe Marleys jamaikanische Machogefühle so sehr angegriffen, erzählte Taylor später, dass "unser Besuch so kurz und knapp war, wie der G-String von Prince." Heißt: Keine Hose, kein Lied.

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Haben die Beatles wirklich LSD durch ihren Zahnarzt kennengelernt?
Gavin Edwards schreibt dazu: "Es war ein Zahnarzt, nicht ihr Zahnarzt." Die Beatles waren also mit dem Doc befreundet und nicht seine Patienten. Und sie bekamen das LSD nicht im Zahnarztstuhl, sondern heimlich mit dem Kaffee verabreicht.

1965 war LSD noch ein frei erhältliches Medikament - und der Zahnarzt schrieb ihm offensichtlich eine aphrodisierende Wirkung zu. Er hatte John Lennon und George Harrison mitsamt ihren Frauen zum Essen eingeladen. "Ich erinnere mich", sagte Harrison später einmal, "dass seine Freundin enorm große Brüste hatte, und er dachte wohl, dass wir einen großen Gangbang starten würden und er mit allen Frauen im Raum vögeln könne." Geklappt hat es nicht - die Wirkung der Droge setzte erst ein, als die vier prominenten Gäste bereits im Auto saßen.

Foto: Getty Images
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Hat Mick Jagger den Song "Angie" für Angela Bowie geschrieben, um sich bei ihr zu entschuldigen, weil Bowies Ehefrau ihn und David zusammen im Bett erwischt hat?
Erst nachdem Angela und David 1980 offiziell geschieden waren, packte sie zu diesem Thema aus. Sie sei tatsächlich eines Morgens in den siebziger Jahren nach Hause gekommen und hätte die beiden nackt im Bett vorgefunden. Sexuelle Handlungen habe sie nicht gesehen, aber: "Ich war mir so verdammt sicher, dass sie gevögelt hatten", so Angela, "ich brauchte nicht nach einer offenen Tube Gleitcreme zu suchen." Sowohl Jagger als auch Bowie enthielten sich bis heute jedes Kommentars zu diesem Thema.

Klar ist jedoch, dass "Angie" nicht für die gehörnte Ehefrau geschrieben wurde. Denn der Song stammt aus der Feder von Keith Richards.

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Ist Joe Strummer mal einen Marathon in einem Hühnerkostüm gelaufen?
Nicht ganz. Aber immerhin hat der 2002 verstorbene Clash-Frontman dreimal an einem Marathon teilgenommen. Nach der Veröffentlichung des Albums "Sandinista!" im Dezember 1980 lief Strummer die gesamte Strecke des London-Marathons - ohne zuvor dafür trainiert zu haben. Seinen zweiten Marathon lief er 1982 in Paris und den dritten ein Jahr später in London - doch ein Hühnerkostüm hatte er dabei nie an.

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Was hatten die Beach Boys nun wirklich mit Charles Manson am Hut?
1968 nahm Beach-Boys-Schlagzeuger Dennis Willson zwei attraktive Sängerinnen mit nach Hause. Nach einer ménage à trois ging er ins Studio. Als er wiederkam war sein Haus auf einmal von nackten Frauen bevölkert - mittendrin: ihr Anführer Charles Manson. Es folgte eine einjährige Orgie, bei der Manson und seine Leute das Haus besetzt hielten und Willsons Geld verprassten.

Weil Manson sich für einen guten Songwriter hielt, nahm Dennis ihn einmal mit ins Studio und nahm ein paar Lieder mit ihm auf. Die Session soll damit geendet haben, dass Manson ihm ein Messer an die Kehle hielt. Einen Manson-Song nahmen die Beach Boys dennoch auf. Sie tauften "Cease To Exist" in "Never Learn Not To Love" um und veröffentlichten es auf ihrem Album "20/20". Manson bekam keinen Credit für die Komposition. Willson erklärte das später so: "Er wollte lieber Geld haben. Ich gab ihm etwa 100.000 Dollar."

Nach zwölf Monaten unfreiwilligem WG-Leben mit der Manson-Familie hatte Dennis Willson dann die Lösung gefunden, Manson und seine Mädchen loszuwerden: Er besorgte sich ein neues Haus und ließ den alten Mietvertrag auslaufen.

Foto: AP
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War Marvin Gaye süchtig nach Pornos?
Nach seiner letzten Tour 1983 hatte der Sänger mit Kokainsucht und schweren Depressionen zu kämpfen. Er zog zu seinen Eltern nach Los Angeles, wo er am 1. April 1984 während eines Streits von seinem Vater, einem apostolischen Priester, erschossen wurde. Die letzten Monate vor seinem tragischen Tod hatte Gaye mit Selbstmorddrohungen, Unmengen von Kokain und Pornografie verbracht.

Doch seine extreme Leidenschaft für Pornografie schien er schon längere Zeit zu pflegen. Als sein Biograf David Ritz, der 1985 "Life Of Marvin Gaye: Divided Soul" veröffentlichte, einige Jahre zuvor in seinem Haus vorbeischaute, staunte er nicht schlecht über dessen umfangreiche Pornosammlung. Immerhin: Ritz' Kommentar, ob Gaye wohl "sexuelle Heilung" benötige, inspirierte den Sänger zu seinem letzten Welthit "Sexual Healing".

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Wie kamen Pink Floyd auf den Albumtitel "Atom Heart Mother"?
Als sie die ersten Stücke ihres neuen Werkes im britischen Radio vorstellten, hatten Pink Floyd noch immer keinen Titel für das Album. Aber irgendetwas musste der Sprecher ja sagen. Also drückte Ron Geesin, der Produzent des Albums, Roger Waters eine Tageszeitung in die Hand und sagte, er solle mal schauen, ob da vielleicht ein Titel drin sei. Der Pink-Floyd-Bassist fand einen Artikel über eine Schwangere mit einem atomar betriebenen Herzschrittmacher.

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Hat Stevie Wonder seinen Geruchssinn verloren?
Nicht nur seinen Geruchs-, sondern auch seinen Geschmackssinn. Es geschah auf einer Autofahrt. Sein Cousin John Harris fuhr den damals 23-jährigen Musiker zu einem Konzert, vor ihnen ein Lastwagen, der Baumstämme geladen hatte. Als der Truck urplötzlich abbremste, konnte Harris nicht mehr ausweichen - einer der Baumstämme stieß durch die Windschutzscheibe und schlug mitten in Wonders Gesicht.

Vier Tage lag der Musiker im Koma. Doch er konnte sich fast vollständig von dem Unfall erholen. Sein Geschmackssinn kehrte zurück, doch sein Geruchssinn erholte sich nie ganz.

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Hat Gregg Allman von den Allman Brothers sich wirklich selbst eine Schusswunde zugefügt, um nicht nach Vietnam zu müssen?
Nicht nur das. Sein älterer Bruder Duane hatte sogar extra eine "Foot Shooting Party" mit Speed, Whiskey und Mädchen für ihn organisiert. Warum? Gregg feierte 1965 seinen 18. Geburtstag und wäre mit Sicherheit nach Vietnam eingezogen worden, wenn er gesund bei der Musterung aufgetaucht wäre. Das tat er aber nicht. Betrunken und auf Speed malte er sich einen Zielpunkt aus seinen linken Schuh, rief einen Krankenwagen - und drückte ab, als er die Sirenen hörte. Am nächsten Tag wurde er mit dick verbundenem Fuß im Einberufungsbüro vorstellig und wurde tatsächlich ausgemustert.

Das Bild zeigt Gregg Allman 1976 an der Seite seiner damaligen Frau Cher.

Foto: Getty Images
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Hat James Brown seinen Musikern wirklich eine Geldstrafe aufgebrummt, wenn er nicht mit ihrer Performance zufrieden war?
"Der 'hardest working man in show business'", so Gavin Edwards, "konnte seine Sechziger-Revue mit dieser fast schon militärischen Präzision nicht aufführen, ohne ein knallharter Boss zu sein." Bobby Bird, ein ehemaliger Sänger in Browns Backing-Band, verriet Edwards, dass der strenge Frontmann ihnen in der Regel fünf bis zehn Dollar abknöpfte, wenn sie etwas vergeigten. Nur als er 1962 im Apollo Theater ein Konzert spielte und für ein Live-Album mitschneiden ließ, stiegen die Strafen kurzfristig sogar auf das Zehnfache.

Foto: Getty Images
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Hat Neil Young wirklich 150.000 Einheiten seines Albums "Comes A Time" gekauft, um sie eigenhändig zu vernichten?
Nein - es waren 200.000 Platten. Young, sonst ganz Perfektionist, hatte aus Versehen eine Testpressung freigegeben, die von beschädigten Masterbändern hergestellt worden waren. Es fehlten die hohen Frequenzen. Doch als er es merkte, waren die Platten längst gepresst und in alle Welt unterwegs.

Für 160.000 Dollar aus eigener Tasche ließ er alle Alben zurückrufen und neu pressen. Die Kisten mit den zurückgerufenen Alben lagerte er auf seiner Ranch ein. Und um sicherzustellen, dass wirklich niemand sie hören würde, soll er auf jede der Kisten mit seinem Gewehr gefeuert haben.

Foto: AP
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Pete Townshend: Bei seiner "Windmühle" lässt der The-Who-Gitarrist seinen rechten Arm im weiten Bogen kreisen und drischt dabei immer schneller auf die Saiten seiner E-Gitarre ein. Tatsächlich, fand Gavin Edwards heraus, ging das nicht immer gut aus.

1989 in Seattle konnte Townshend eine Zugabe nicht spielen, weil er sich seine Hand an den Gitarrensaiten aufgeschlitzt hatte und ins Krankenhaus musste. Im selben Jahr hat er bei der "Windmühle" sogar seine Hand am Tremolo-Hebel aufgespießt. Zudem bleibt er regelmäßig mit seinen Fingernägeln unter den Saiten hängen und reißt sie sich dadurch ab.

Pete Townshend nimmt es sportlich: "Ich denke dann immer: Das ist es! Ich bin endlich da; das ist der Ort an dem ich sein sollte, wie ein Boxer mitten im Kampf."

Foto: Getty Images
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Stimmt es, dass Pink Floyd ein ganzes Album nur mit Haushaltsgeräten aufgenommen haben?
Nun ja - sagen wir, sie haben es versucht. 1973 waren sie mit ihrem Album "Dark Side Of The Moon" zu Weltstars geworden. Doch was nun? Als sie sich Ende des Jahres in den Abbey Road Studios trafen, beschlossen sie tatsächlich ein Album mit Haushaltsgeräten statt Instrumenten aufzunehmen. Sie zupften Gummibänder, rollten Klebeband ab, zersägten und zerhackten Holz und zerschmetterten Glühbirnen. Nach vier Wochen hatten sie eineinhalb Minuten Material - und keine Lust mehr.

Doch auch wenn die Ausbeute von einem ganzen Album weit entfernt war, ein Schnipsel gelangte tatsächlich auf die nächste Platte "Wish You Were Here". Die Töne für die Melodie im Intro des Songs "Shine On You Crazy Diamond" wurden mit dem feuchten Finger auf dem Rand von Weingläsern eingespielt.

Foto: AP
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Hat Tom Waits sich eine Speisekarte auf die Brust tätowieren lassen?
"Wenn Tom Waits zwischen Legende und Wahrheit wählen muss, entscheidet er sich meist für die Legende", erklärt Musikjournalist Gavin Edwards. Wahr ist: Waits wuchs in National City, einem Vorort von San Diego, auf und arbeitete dort in Napoleone's Pizza House. Doch ob der Märchenonkel mit der Whiskey-Stimme, wie er einmal in einem Interview berichtete, die Karte des Restaurants als Tattoo auf der Brust trägt, darf bezweifelt werden.

Foto: ddp images
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Haben die Bee Gees einige ihrer größten Hits auf einem Pornofilmset geschrieben?
Alle Songs für den Film "Saturday Night Fever" entstanden 1977 innerhalb von nur drei Wochen im Château D'Hérouville Studio, einem Schlösschen in der Nähe von Paris. Dort hatten auch schon David Bowie und Elton John Alben aufgenommen. Selbstverständlich wurde nicht gedreht, während die Bee Gees ihre Songs schrieben. Doch scheinbar hatte der Leiter des Studios noch eine zweite Verwendung für die lauschigen Räumlichkeiten entdeckt.

Zwei Jahre nach den Aufnahmen jedenfalls sagte Robin Gibb in einem Interview, er habe einen Pornofilm mit dem Titel "The Kinky Ladies Of Bourbon Street" gesehen und das Château wiedererkannt. "Ich dachte", so Gibb, "mein Gott, dort haben wir 'Night Fever' geschrieben."

Foto: Lennox Mclendon / AP
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Worum geht es in Elton Johns "Tiny Dancer"? Singt er über seinen Penis?
Als Gavin Edwards den Texter des Songs Bernie Taupin anrief, lachte dieser nur. Bereitwillig erklärte er, dass es in dem Song um die Frauen ging, die Elton John und er kennenlernten, als sie im Herbst 1970 nach Kalifornien kamen. "Die Menschen dort waren so voller Freude und Wärme." Und warum "tiny"? "Nun ja", antwortete Taupin, "das ist eben poetische Freiheit - obwohl die Frauen wirklich alle klein und dünn waren.

Foto: AP
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