Sport im Rekord Schneller, Länger, K.o.
Längstes Grand-Slam-Tennisspiel: Ob sie wohl Freunde werden, nachdem sie sich so lange auf dem Court gegenüberstanden? Am Abend des 22. Juni 2010 musste die Wimbledon-Partie zwischen dem US-Amerikaner John Isner und dem Franzosen Nicolas Mahut wegen Dunkelheit abgebrochen werden. Sie wurde zwar am nächsten Tag weitergeführt, wurde jedoch auch an diesem, nach mehr als zehn Stunden aus dem gleichen Grund erneut unterbrochen - beim Stand von 59:59 im fünften Satz. Selbst die elektronische Anzeigetafel konnte die historischen Ereignisse nicht mehr abbilden und streikte beim Stand von 47:47. Am 24. Juni, dem inzwischen dritten Tag konnte Isner das Match nach insgesamt 11 Spielstunden schließlich für sich entscheiden - mit dem Punktestand 70:68.
Weit eiliger hatte es dagegen Steffi Graf 1988: Im Finale der French Open servierte die Deutsche die 17-jährige Natallja Swerawa kurz und knapp mit 6:0 und 6:0 ab - in gerade einmal 34 Minuten. Das Spiel ist damit das schnellste Grand-Slam-Finale der Tennisgeschichte.
Etwa ebenso lange brauchten zwei andere Frauen dagegen für nur einen Ballwechsel: Vicky Nelson-Dunbar aus Südafrika und Jean Hepner aus den USA spielten 1984 bei einem Turnier in Richmond im Tiebreak des zweiten Satzes den Ball 643-mal über das Netz. Allein dafür brauchten sie 29 Minuten. Das gesamte Spiel dauerte 6:31 Stunden und wurde damit zugleich das längste Match in der Geschichte des Frauentennis.
Manch männlicher Tenniskollege macht dagegen lieber kurzen Prozess: Der Kroate Ivo Karlovic stellte beim Davis-Cup-Halbfinale 2009 gegen Tschechen Radek Stepanek einen neuen Weltrekord auf und servierte 78 Asse. Das hatte sogar sein Landsmann Goran Ivanisevic, unter Kollegen als "Aufschlagungeheuer" gefürchtet, weil er in einer Saison einmal 1477 Asse schlug, nie geschafft. Karlovic reichten die 78 Asse dennoch nicht - er verlor nach mehr als fünf Stunden 6:7, 7:6, 7:6, 6:7 und 16:14.
Knochenjob im Boxring: Als der Boxkampf am 6. April 1893 gegen 21 Uhr begann, ahnte wohl niemand, dass er einem historischen Ereignis beiwohnen würde. Für ein Preisgeld von 2500 Dollar traten der Lokalmatador Andy Bowen, rechts, und sein texanischer Gegner Jack Burke im Olympic Club in New Orleans gegeneinander an. Der Kampf ging über 110 Runden und dauerte insgesamt 7 Stunden und 19 Minuten. Dabei soll Bowen bereits ab Runde 89 mit einem gebrochenen Handgelenk gekämpft haben. Als die Glocke schließlich die Runde 111 einläutete, blieben die beiden Boxer einfach in ihren Ecken. Burke hatte sich Knöchel in beiden Handgelenken gebrochen. Der Kampf wurde als Unentschieden gewertet.
Weit schneller endete der Kampf zwischen dem WBC-Weltmeister im Mittelgewicht Gerald McClellan und seinem Herausforderer Jay Bell: Am 6. August 1993 besiegte McClellan, links, seinen Herausforderer in Puerto Rico nach schlappen 20 Sekunden durch K.o.
Damit hat es der gedemütigte Bell vermutlich noch besser getroffen als der Brite Danny O'Sullivan: Der wurde von Vic Toweel (Foto), dem ersten Boxweltmeister Südafrikas, am 2. Dezember 1950 in zehn Runden 14-mal auf die Bretter geschickt - und warf am Ende freiwillig das Handtuch.
Am 17. Oktober 1965 landete Robert Mitera den Golfschlag seines Lebens: Nicht nur, dass er beachtliche 405 Meter zurücklegte, er ging auch noch ins Loch. Damit hatte er das längste Hole-in-one der Geschichte gelandet. Über seinen denkwürdige Drive musste der Glückspilz allerdings erst von einem anderen Golfer informiert werden - Mitera konnte vom Abschlag aus noch nicht einmal das Loch sehen.
Er hielt und hielt und hielt: Eishockey-Profi Craig Anderson ließ sich am 2. März 2008 nichts Zuschulden kommen und stellte damit einen Rekord auf. Der Torwart der Florida Panthers parierte im Spiel gegen die New York Islanders 57 Schüsse - und ermöglichte damit den 1:0-Sieg seiner Mannschaft. Kurios: Im darauf folgenden Spiel wehrte er rekordverdächtige 40 Torschüsse ab - und wieder gewann seine Mannschaft 1:0.
Nicht so viel Glück hatte ein dänischer Eishockey-Keeper: Er kassierte bereits nach zwei Sekunden das erste Tor. Den Rekordtreffer landete der Spieler Per Olsen am 14. Januar 1990 bei einem Erstligaspiel in Dänemark (Symbolbild).
Superlativ in Folge: Beim dritten Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft 1950 auf dem Indianapolis Motor Speedway wurde die geringste, jemals verzeichnete Ausfallquote bei einem F-1-Grand Prix erreicht. Ursprünglich auf 200 Runden angelegt, wurde das Rennen wegen Regens nach 138 Runden abgebrochen, von den 33 gestarteten Fahrern kamen 24 ins Ziel.
Nur ein Jahr später sah es ganz anders aus: Nur acht von 33 Startern sahen die Zielflagge - die Indy 500 1951 sind damit bis heute das Rennen mit der höchsten Ausfallquote.
Absoluter Ausnahmeathlet: Der 25. Mai 1935 war ein denkwürdiger Tag für Jesse Owens und die gesamte Geschichte der Leichtathletik. In Ann Arbour, Michigan stellte der 22-Jährige fünf neue Weltrekorde auf - innerhalb von nur 45 Minuten. Um 15:15 lief er die 100 Yards in 9,4 Sekunden. Zehn Minuten später sprang er 8,13 Meter, nur um weitere 20 Minuten danach die 220 Yards in 20,3 Sekunden zu sprinten, womit er gleichzeitig den Weltrekord über die ein Meter kürzere 200-Meter-Strecke einstellte. Um punkt 16 Uhr brach er schließlich den Rekord im Hürdenlauf über 220 Yards - und stellte damit zugleich die Bestzeit über 200-Meter-Hürden ein.
Seinen größten Erfolg feierte Owens dennoch ein Jahr später - bei Olympia 1936 in Berlin holte er als erster Sportler gleich vier Goldmedallien.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-R96374
Die meisten Verwarnungen: Nach dem Fußballspiel konnte sich wenigstens niemand ungerecht behandelt fühlen - denn nahezu alle Akteure waren verwarnt worden. In einem unterklassigen Pokalspiel in Großbritannien zwischen dem Tongham Youth Club dem Team Hawly zeigte der Schiedsrichter am 3. November 1969 insgesamt 22 Karten - sogar einer der Linienrichter wurde verwarnt (Symbolbild).
Noch unsportlicher ging es nur 1993 in Paraguay zu: Bei einem Punktspiel Sportivo Ameliano und General Caballero stellte der Unparteiische insgesamt 20 Akteure vom Platz (Symbolbild). Nach den ersten zwei Verweisen war es zu einem wilden Handgemenge gekommen. Der Schiedsrichter versuchte vergeblich seine Autorität zu bewahren, indem er Rote Karten in Serie zückte. Am Ende hatte er beide Mannschaften nahezu kollektiv zum Duschen geschickt. Das Spiel mit den verbliebenen zwei Akteuren wurde nicht mehr angepfiffen.
Im Vergleich dazu ging es bei Weltmeisterschaften relativ gesittet zu: Die meisten Platzverweise in der WM-Historie hagelte es im Achtelfinalspiel 2006 zwischen Portugal und den Niederlanden. Der Schiedsrichter verteilte vier Rote und 16 Gelbe Karten. Auf dem Foto zeigt Schiedsrichter Valentin Iwanow gerade dem Holländer Giovanni Van Bronckhorst (Mitte, Trikotnummer 5) Rot.
Das längste Elfmeterschießen: 1975 fand in Argentinien der wohl aufreibendste Fußballkrimi statt. Damals gewannen die Argentinos Juniors gegen den Racing Club Avellaneda mit 20:19. In Deutschland wurde das Pokalspiel zwischen dem SV Sandhausen und dem VfB Stuttgart (Bild) zum längsten Elfmeterschießen. Das Spiel endete 13:12 für den Außenseiter Sandhausen.
Aber es gibt ein Spiel, in dem noch weit mehr Tore fielen: 2002 besiegte in Madagaskar die Mannschaft von AS Adema den Liga-Rivalen Stade Olympique l'Emyrne mit 149:0. Dabei entpuppte sich ausgerechnet der Verlierer als sehr zielsicher: Aus Protest über eine umstrittene Schiedsrichter-Entscheidung hatte der Trainer von Stade Olympique seiner Mannschaft befohlen, nur noch ins eigene Tor zu schießen. Sie taten es voller Inbrunst (Symbolbild).