"It Follows" Dem Grauen ausgeliefert
In seinem Horrorfilm "It Follows" inszeniert David Robert Mitchell eine brüchige Suburbs-Idylle: Die 19-jährige Jay (Maika Monroe) lebt in einem Vorort von Detroit.
Als sie Hugh (Jake Weary) kennenlernt, datet und schließlich mit ihm schläft, beginnt für sie der Horror.
Denn nach dem Beischlaf konfrontiert Hugh die verstörte Jay mit einer unglaublichen Behauptung: Er werde von einem unbekannten Wesen verfolgt. Erreiche es einen, bedeute dies den Tod.
Nur durch Sex lässt sich der Fluch an jemand anderen weitergeben, und nun da Jay mit Hugh geschlafen habe, werde "Es" sie statt ihn verfolgen.
Gemeinsam mit ihrer Schwester und ihren Freunden versucht Jay, dem wandelnden Albtraum zu entrinnen.
So simpel und plakativ, dass es schon wieder subtil ist, etabliert Regisseur David Robert Mitchell hier das Motiv einer nicht zu greifenden Monstrosität, die sich gleich einer sexuell übertragbaren Krankheit an ihre Opfer heftet.
Zugleich werden repressive Mechanismen des Genres offengelegt und mit beißender Ironie unterlaufen: Während etwa in der Teen-Horrorerfolgssaga "Twilight" Sex als lebensgefährlich dargestellt wird, ist es in "It Follows" gerade die Promiskuität, die gegen die Heimsuchung hilft.
Ihm gelingt ein Meisterstück des Horrorkinos voller ästhetischer Anleihen aus dem Fundus des Horrorkinos. So erinnern etwa die sinnlichen Aufnahmen von Kameramann Michael Gioulakis in Lichtsetzung und Farbpallette an Sofia Coppolas somnambulen Teenager-Fiebertraum "The Virgin Suicides".
Dem Grauen ausgeliefert: Auch die darstellerischen Leistungen des jungen Ensembles überzeugen: Allen voran It-Girl Maika Monroe, die feinnervig zwischen distanzierter Ennui und ergreifender Verlorenheit oszilliert.
Ob Jay einen Weg findet, um den Horror wirklich bannen zu können, oder ihm lediglich andere, womöglich noch furchterregendere Gestalt verleiht, gehört zu den elektrisierenden Fragen des Films.