Erstes Getto in Venedig Insel der Ausgrenzung
Campo del Ghetto Nuovo in Venedig: Mit bis zu sechs Stockwerken gehören die Gebäude hier zu den höchsten der Lagunenstadt.
Vor 500 Jahren, am 29. März 1516, wurde hier das erste Judengetto überhaupt gegründet, das für rund 300 Jahre bestand.
Hier ist der Begriff "Getto" entstanden: Einst stand hier eine Gießerei, "Getto" ist der venezianisch Begriff dafür. Daher benannten die Juden den Wohnbezirk danach, in den sie damals verbannt wurden.
Koschere Bäckerei: Heute kommen viele jüdische Touristen hierher, um sich mit der Geschichte ihrer Ausgrenzung auseinanderzusetzen. In Venedig wurden sie vor 500 Jahren auf eine eigene Insel verbannt, die etwas abgelegen lag und nur über zwei Brücken zu erreichen war.
Heute liegt das Viertel nicht weit vom Bahnhof entfernt und ist durch das Wachstum der Stadt längst kein Außenbezirk mehr.
Jüdische Bibliothek in Venedig: Juden wurden im Mittelalter stark diskriminiert. Ab 1496 sollten sie in Venedig eine gelbe Kopfbedeckung tragen, ein Jahr später wurde ein schwarzer Hut vorgeschrieben. Vergleichbar mit der Grausamkeit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus sind solche Maßnahmen jedoch aus der Sicht von Historikern nicht - denn grundsätzlich ging es schon darum, das Zusammenleben zu organisieren, während damals in anderen Ländern (beispielsweise in Spanien) Juden ausgewiesen wurden.
Viele kamen einst als Pfandleiher nach Venedig, in einem Museum erinnern solche Puppenfiguren daran. Nachts wurde die Insel abgeriegelt und bewacht - nur die damals hoch angesehenen jüdischen Ärzte wurden durchgelassen, wenn sie auf dem Weg zu Patienten waren.
Rabbi Schalom Bahbout in einer der Synagogen des Gettos von Venedig: Er mahnte zum 500-jährigen Jubiläum des Viertels, die Erinnerung auch als Warnung zu verstehen: "vor Indifferenz, die früher zur Verfolgung geführt hat und heute neuen Rassismus wieder ermöglicht".
Jüdische Schule in Venedig: Inzwischen ist das Viertel viel stärker kulturell gemischt, nur noch ein paar Dutzend Juden leben hier.
Decke der Schola Levantina: Die älteste Synagoge der Welt steht in Venedigs ehemaligem Getto.
Im Jubiläumsjahr sind mehrere Aufführungen von Shakespeares "Kaufmann von Venedig" auf dem zentralen Campo del Ghetto Nuovo geplant. Im Dogenpalast startet im Juni eine Ausstellung über "Venedig, die Juden und Europa".
Das Viertel ist für Venedig-Besucher ein beliebter Anlaufpunkt: Es gibt Touristenläden mit jüdischen Souvenirs, koschere Restaurants und Kunstgalerien. Und geführte Touren zu den Synagogen.