Italien in der Einzelkritik Verzockt
Gianluigi Buffon, Tor: In der ersten Halbzeit noch kaum gefordert. Der Routinier strahlte die bei ihm bekannte Ruhe aus. Er war zur Stelle, wenn er eingreifen musste und machte sonst keine große Hektik. Buffon, wie man ihn seit 20 Jahren kennt. Rettete einmal stark gegen Gomez, beim Özil-Tor war er machtlos. Hielt einen Versuch im Elfmeterschießen, ahnte oft die richtige Ecke.
Andrea Barzagli, Abwehr: Der 35 Jahre alte Routinier von Juventus Turin hat so viel Erfahrung, der tut keinen Schritt zu viel und weiß doch immer, wo er hinlaufen muss. Gegen so einen ist es verdammt schwer, durchzukommen. Und Elfmeter kann er auch.
Leonardo Bonucci, Abwehr: Der Juve-Abwehrchef kam diesmal wenig dazu, das italienische Aufbauspiel nach vorn zu organisieren. Die deutschen Offensivspieler ließen ihm wenig Raum für seine berühmten langen Pässe. Defensiv natürlich eine Bank. Und unglaublich cool beim Elfmeter zum 1:1. Später dann nicht mehr.
Giorgio Chiellini, Abwehr (bis 120. Minute): Den Juve-Verteidiger würde sich jeder Trainer der Welt wünschen. Im Abwehrzentrum ungeheuer konzentriert, dazu auf der rechten Seite nach vorne stürmend, wenn es nötig ist. Dass er schon 31 ist, mag man kaum glauben. Nur wenn man ihm ins Gesicht schaut.
Simone Zaza, Angriff (ab 120. Minute): Kam in der allerletzten Minute der Verlängerung für Chiellini. Nur fürs Elfmeterschießen. Lieferte mit seinen Trippelschritten und dem Schuss weit über das Tor den Fehlschuss des Abends. Verzockt.
Marco Parolo, Mittelfeld: Der Mittelfeldspieler von Lazio sollte den Aufbau der Italiener mitgestalten, er war oft am Ball, quicklebendig und vor allem sehr ballsicher. Einer der Besten bei den Azzurri.
Stefano Sturaro, Mittelfeld: Der Juve-Spieler kam für Daniele De Rossi in die Startelf und hatte kurz vor der Pause die Führung auf dem Fuß. Weil Boateng seinen Schuss aber noch abfälschte, flog der Ball am Tor vorbei. Ansonsten eifrig und fleißig, ohne groß aufzufallen.
Emanuele Giaccherini, Mittelfeld: Den kleinen Mann aus Bologna hätte man früher in der Sportberichterstattung einen Wirbelwind genannt. Machte viel Druck auf der linken Seite, war schnell, trickreich und beweglich und bereitete Höwedes und Kimmich eine Menge Arbeit. Verwandelte seinen Elfmeter sicher.
Mattia De Sciglio, Mittelfeld: Der Außenspieler vom AC Mailand mühte sich, auf der Kimmich-Seite Löcher zu finden, und das gelang ihm mit zunehmender Spieldauer besser. Ein ständiger Gefahrenherd. Kassierte allerdings seine zweite Gelbe Karte des Turniers - was nach dem Aus vorerst ohne Folgen bleibt. Traf als achter Schütze im Elfmeterschießen.
Alessandro Florenzi, Mittelfeld (bis 86. Minute): Auf dem rechten Flügel gab er sich ständig anspielbereit, giftig im Zweikampf, kam allerdings relativ selten durch, da Hummels und Hector ihre Seite größtenteils im Griff hatten. Wurde noch in der regulären Spielzeit ausgewechselt.
Matteo Darmian, Mittelfeld (ab 86. Minute): Der England-Profi von Manchester United kam in der Schlussphase für Florenzi in die Partie und fügte sich problemlos ins Team ein. Bis zum Elfmeterschießen. Dem 26-Jährigen unterlief der entscheidende Fehlschuss.
Éder, Angriff (bis 108. Minute): Der schnelle Angreifer hatte wie sein Kollege Pellè einen schweren Stand gegen Boateng und Hummels. Dennoch versuchte er immer wieder, in die freien Räume zu kommen, kreuzte viel und beschäftigte damit die deutsche Deckung. In der Verlängerung war er ausgepumpt und wurde durch Lorenzo Insigne ersetzt.
Lorenzo Insigne, Angriff (ab 108. Minute): Der Stürmer kam in der zweiten Hälfte der Verlängerung ins Spiel. Impulse konnte er aber nicht mehr setzen. Sicher im Elfmeterschießen.
Graziano Pellè, Angriff: Der England-Profi vom FC Southampton rieb sich auf gegen Jérôme Boateng. Für seine Körpergröße war er erstaunlich beweglich, ließ viel prallen, aber gegen Boateng in dessen derzeitiger Form reicht das nicht, um sich entscheidend durchzusetzen. Nach einem Foul in der Verlängerung an Boateng sah er völlig zurecht Gelb, seine zweite im Turnier. Im Elfmeterschießen gehörte er zu den italienischen Fehlschützen.