Jack London: Der Tausendsassa - DER SPIEGEL
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Jack London Der Tausendsassa

In Kalifornien ging er unter die Piraten, am Klondike schürfte er nach Gold - und machte mit seinen Büchern ein Vermögen. Vor 100 Jahren starb mit Jack London. der abenteuerlustigste Schriftsteller aller Zeiten.
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Tausendsassa: Jack London gilt als einer der abenteuerlustigsten Schriftsteller aller Zeiten. Als Robbenfänger durchquerte er den Pazifik, als Goldsucher schürfte er am Klondike. Aber reich und berühmt wurde er letztlich als Schriftsteller. Das Foto zeigt ihn im Januar 1916 auf seiner Farm in Kalifornien, kurz vor seinem Tod: Am 22. November 1916 starb der große Autor - mit erst 40 Jahren.

Foto: akg-images
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Vaterlos: Geboren wurde Jack London am 12. Januar 1876 in San Francisco. Sein leiblicher Vater, ein Astrologe, hatte sich bereits vor seiner Geburt aus dem Staub gemacht; zu seiner Mutter Flora hatte er zeitlebens ein gespanntes Verhältnis. Eine prägende Gestalt seiner Kindheit war hingegen die ehemalige Sklavin "Jennie" Prentiss. Zunächst half Prentiss gegen Bezahlung bei der Erziehung des Jungen, später verband die beiden eine lebenslange Freundschaft. Der Hund Rollo (Foto von 1885) war ein Spielkamerad in Londons Kindheit.

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Kindertage eines Bücherwurms: Die Londons lebten lange Zeit in Armut. Der Adoptivvater John London scheiterte mit vielen Jobs, später wurde er arbeitsunfähig. Jacks wahre Leidenschaft war das Lesen. Das undatierte Foto zeigt ihn bei der Lektüre; Bücher musste er sich in der Bibliothek borgen, weil die Familie am Rande des Existenzminimums lebte.

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Eine lange Schulzeit hatte Jack London (hier eingekreist auf einem Klassenfoto von 1885) nicht. Sie war für ihn mit 14 Jahren bereits vorbei, fortan musste der Junge unter anderem als Zeitungsverkäufer sowie später als Arbeiter in einer Konservenfabrik zum Familieneinkommen beitragen.

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Glücksritter: Mit 15 Jahren schlug der spätere Schriftsteller eine kriminelle Karriere ein, als "Austernpirat". Nachts fuhr er hinaus in die San Francisco Bay und stahl Austern. Auf dem Schwarzmarkt erzielte London stattliche Gewinne, die er in Bars gleich wieder in Alkohol umsetzte. Bald darauf schloss er sich in Sacramento einer Gruppe von Jugendlichen an: Die "Road-Kids" fuhren als Tramps per Zug durchs Land, bettelten und stahlen für ihren Lebensunterhalt. Da plante London schon weitere Abenteuer. 1893 heuerte er auf einem Robbenfänger Richtung Japan an und reiste 1897 in den Norden des Kontinents zur Goldsuche, wie das undatierte Foto zeigt.

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Kurz vor dem Durchbruch: Die Aufnahme zeigt Jack London mit etwa Mitte 20. Nachdem er glück- und mittellos von der Goldsuche zurückgekehrt war, versuchte er Zeitungen von seinem Schreibtalent zu überzeugen - zunächst vergebens. Er kassierte viele Absagen. Es dauerte allerdings nicht lange, bis...

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...der Erfolg sich einstellte, mit seinem ersten Kurzgeschichten-Band. London veröffentlichte jetzt Artikel und Bücher in rascher Folge und verdiente daran gut. Seine sozialistischen Überzeugungen vergaß er trotzdem nicht.

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Aufsteiger: Zwischenzeitlich war London als Obdachloser durch die USA gereist, meist illegal mit den Güterwaggons. Das soziale Elend allerorten schockierte ihn. Aus Überzeugung wurde der Abenteurer Sozialist. Später besuchte er wieder die Schule, machte seinen Schulabschluss und studierte ein Semester in Berkeley. Der Durchbruch als Autor gelang ihm mit seinen Erzählungen aus dem hohen Norden und der Zeit des Goldrausches am Klondike River. 1916 ließ er einen Maler ein Porträt von sich erstellen.

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Traumpaar: Bücher wie "Ruf der Wildnis" (1903) oder "Der Seewolf" (1904) machten London bekannt. Privat fand er mit seiner zweiten Frau sein Glück. Die lebensfrohe und intelligente Charmian teilte sogar eines von Londons spezielleren Hobbies: Bisweilen boxten die beiden miteinander. 1915 besuchten das Ehepaar zum letzten Mal Hawaii, wo London auch das Surfen kennengelernt hatte.

Foto: Jack und Charmain London
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Katastrophe: Neben seinem Erzähltalent war Jack London ein ausgezeichneter Reporter und Fotograf. Er schrieb für US-Zeitungen aus dem Londoner East End über das Leben der Ärmsten der britischen Gesellschaft und war später Kriegsberichterstatter im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05. 1906 erlebte er die Folgen des verheerenden Erdbebens, das seine Geburtsstadt San Francisco verwüstete. Wiederum berichtete ...

Foto: Jack Und Charmain London
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... London für Zeitungen von der Katastrophe. Und machte Fotos. Diese und die vorhergehende Abbildung stammen entweder von Jack oder Charmian London.

Foto: Jack und Charmain London
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Traumreise: Das Erdbeben durchkreuzte die Reisepläne der Londons. Eigentlich wollte das Ehepaar mit der frisch gebauten Jacht "Snark" in See stechen, doch dann lief das Segelschiff erst im April 1907 aus. Mit einer ungeeigneten Crew und einem unfähigen Kapitän, aber einem durch und durch glücklichen Jack London (Aufnahme von 1907 vom Bau seiner Jacht).

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Überholung: Erstes Ziel war Hawaii, wo die mangelhaft gebaute "Snark" ausgebessert werden sollte. Jack und Charmian erkundeten derweil das Inselleben. Und auch die Insel Moloka'i mit ihrer Quarantänestation für Leprakranke. Der Besuch beeindruckte London nachhaltig. Zuvor hatte der Autor den Sozialdarwinismus und die Überlegenheit der weißen Rasse propagiert. Das harmonische Zusammenleben von Kranken unterschiedlichster Ethnien auf Moloka'i erschütterte sein Weltbild. Das Foto zeigt Roscoe Eames, den ersten Kapitän der "Snark".

Foto: Jack und Charmain London
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Verwegener Reisender: Seine spannenden Abenteuergeschichten machten Jack London (hier ein undatiertes Porträt) schnell bekannt und auch reich. In den Büchern verarbeitete er viele Erlebnisse aus seinem Leben.

Foto: AP
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Hüllenlos: Eigentlich wollten die Londons jahrelang reisen, nach zwei Jahren mussten sie die Abenteuerfahrt aus Krankheitsgründen abbrechen. London selbst litt unter schweren Geschwüren und Infektionen. Das Crew-Mitglied Martin Johnson ließ sich gegen Ende des Trips in dieser Pose mit einem Einheimischen auf den Salomonen ablichten.

Foto: Jack und Charmain London
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Entspannt beim Baden: Der Lyriker und Dramatiker George Sterling (rechts) zählte zu Jack Londons besten Freunden. 1913 trafen die beiden sich an einem Fluss in Kalifornien. Im gleichen Jahr veröffentlichte London seinen autobiographischen Roman "König Alkohol" und schilderte, wie sehr ihn die Abhängigkeit vom Alkohol beherrschte und veränderte.

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Schicksalsschläge: Nach der Rückkehr nach Kalifornien verzweifelte London immer mehr. Ein gemeinsames Kind mit seiner Frau Charmian starb kurz nach der Geburt, die Beziehung zu seinen beiden Töchtern Joan und Bessie aus der ersten Ehe war problematisch. Frost und Heuschrecken zerstörten die Ernteerträge seiner Farm, London trank zu viel. Schließlich stellten Mediziner eine Niereninsuffizienz fest.

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Ende der Glückssträhne: Auf diesem Foto, das ihn mit seiner Ehefrau Charmian und der Malerin Beth Riley Baxter in Kalifornien zeigt, wirkt Jack London glücklich. Doch gesundheitliche Probleme und der Alkohol setzten ihm körperlich stark zu...

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...sodass der einst bärenstarke Mann es am Ende nicht einmal mehr auf ein Pferd schaffte.

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Legende: 1916 starb Jack London in seiner Heimat Kalifornien. Betrauert wurde der Sozialist nicht nur in den USA. Auch in der Sowjetunion waren seine Bücher äußerst populär. In den Dreißigerjahren wurde sogar ein See in dem kommunistischen Land nach London benannt.

Foto: mauritius images
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"Der Seewolf": In Deutschland ist Jack London nicht allein durch seine Bücher bekannt, auch durch die Verfilmungen - vor allem die von 1972 mit Raimund Harmstorf in der Rolle von Wolf Larsen. Dieser starke, herrische, brutale Kapitän terrorisiert auf einem Robbenfangschiff die Mannschaft, darunter den Schöngeist Humphrey van Weyden, der vom Küchenjungen zum Steuermann aufsteigt. Legendäre Szene: Harmstorf als Larsen zerquetscht eine rohe Kartoffel mit einer Hand und demonstriert, welche Kräfte in ihm walten.

Foto: ddp images
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Jack Londons Bestseller wurde auch davor und danach vielfach verfilmt, sogar schon 1913 mit Herbert Rawlinson in der Rolle des Humphrey van Weyden und mit Viola Barry als Maude Brewster, die als Schiffbrüchige an Bord kommt.

Foto: Jack und Charmain London
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Ebenso berühmt: "Ruf der Wildnis", eine Geschichte aus der Zeit des Goldrausches. Im Abenteuerfilm von 1972 (Szenenbild) nach Jack Londons Roman wird ein Schlittenhund von Kalifornien nach Alaska verschleppt und von John Thornton gerettet; zwischen Hund und Herrchen entwickelt sich eine enge Bindung unter unwirtlichen Bedingungen.

Foto: ddp images
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Auch "Ruf der Wildnis" wurde mehrfach verfilmt, etwa 1997 mit Rutger Hauer, hier einmal mit Brille, in der Hauptrolle des John Thornton.

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