Jack the Ripper in der Popkultur - DER SPIEGEL
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Jack The Ripper in der Popkultur Mordsphantasien

Wer war Jack the Ripper? 1888 trieb der Serienmörder in London sein Unwesen, gefasst wurde er nie. Ein Glücksfall für die Unterhaltungsindustrie: Sie konnte ihn in Filmen, Comics und TV-Serien aufleben lassen. Als Seeungeheuer, Alien-Jäger - oder gar als verfluchtes Essbesteck.
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Getarntes Monster: Kein Arzt, kein Psychopath, sondern ein 60 Fuß großes Seeungeheuer - so sieht Jack the Ripper im Film "Amazonen auf dem Mond" (1987) aus. Die US-Komödie macht sich über Science-Fiction-Filme der fünfziger Jahre lustig und lässt in der fiktiven Fernsehshow "Bullshit oder nicht" das Rätsel um den Whitechapel-Mörder lösen. Demnach wurden die englischen Lustdamen von niemand anderem als dem Monster von Loch Ness ermordet - gut getarnt als Freier.

Foto: ddp images
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Peepshow mit Leichen: Eine besonders frivole Version der Ripper-Legende ist hier zu entdecken. In "Was der schwedische Butler sah" (1975) mit Pornolegende Ole Søltoft kauft ein viktorianischer Aristokrat eine ehemalige Irrenanstalt und möchte sie in ein "Liebesnest" verwandeln. Nur weiß er nicht, dass in den Geheimgängen des Gebäudes Jack the Ripper lebt - der seine Triebe nicht nur durchs Schlüsselloch-Gucken befriedigt.

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Die Rache der leichten Mädchen: Hier wird die Geschichte einfach auf den Kopf gestellt. In "Jill the Ripper" (1999) mordet sich ein Straßenmädchen durch San Francisco, während die Opfer männliche Freier sind. Dolph Lundgren soll als Cop und Ex-Boxer die Serientäterin zur Strecke bringen - und deckt ein Komplott auf.

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Verfluchter Stein: Als David Hasselhoff noch ein gefragter TV-Star war, ließ er sich für den schrägen Fernsehfilm "Terror at London Bridge" (1985) engagieren. Darin spielt er einen Polizisten in Lake Havasu City - jener Stadt in Arizona, in der seit 1971 die echte London Bridge steht.

Nun treibt ein Serienmörder gerade dort sein Unwesen. Doch niemand möchte Hasselhoffs Erklärung glauben, dass der Geist von Jack the Ripper in einem der Brückensteine, die aus London in die USA verschifft wurden, gefangen war und nun befreit wurde. Also setzt er seine eigene Freundin als Köder ein, um den Täter aus dem Jenseits anzulocken.

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Der dunkle Rächer und der Killer: In "Gotham by Gaslight" von 1989 verschlägt es Jack the Ripper nach Gotham City, in die Heimat von Bruce Wayne alias Batman. Allerdings in die viktorianische Version der düsteren Stadt.

Dort hat Batman große Probleme, den Mörder zu fangen. Nicht nur, weil die Polizei von Gotham City den Fledermausmann für den Täter hält. Der Ripper war sogar mit Waynes Eltern befreundet - und hatte deren Tod in Auftrag gegeben.

Foto: DC Comics
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Der General im Kalten Krieg: Jedes Zeitalter erschuf seinen eigenen Serienmörder, der auf kreative Weise meuchelte. So auch Stanley Kubrick, der in seiner Komödie "Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben" (1963) Sterling Hayden als den irren Brigadegeneral Jack D. Ripper auftreten lässt. Dieser gibt sich nicht wie sein viktorianischer Namensvetter mit Prostituiertenmorden zufrieden, sondern beschließt gleich, die ganze Sowjetunion zu zerstören - mit Hilfe von Atomraketen.

Foto: ddp images
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Die Frau im Manne: Die US-amerikanischen Hammer-Studios waren bekannt für ihre eigenwilligen Adaptionen, in denen Horrorklassiker vermischt wurden - mit haarsträubenden Ergebnissen. So auch in "Dr. Jekyll und Sister Hyde" (1971), in dem der Arzt Henry Jekyll seine Lebenszeit verlängern möchte.

Da Frauen bekanntlich länger auf Erden weilen als Männer, nimmt er weibliche Hormone - und hat bald mit ungeahnten körperlichen Veränderungen zu kämpfen. Weit schlimmer als die wild sprießende Körperlichkeit ist jedoch sein neu entflammter Hass auf schöne Frauen - den er natürlich in Jack-the-Ripper-Manier auslebt.

Foto: ddp images
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Jack, der Schmetterlingsquäler: Wer exzentrische Mörder mag, wird die Comic-Reihe "Doom Patrol" aus dem Hause DC lieben. Gleich mehrfach müssen die Superhelden gegen Red Jack kämpfen. Dieser Schurke ist überzeugt davon, Jack the Ripper zu sein - und Gott. Er lebt in einem fensterlosen Haus und genießt es, Schmetterlinge zu foltern, um aus ihrem Schmerz neue Kraft zu schöpfen.

Foto: DC Comics
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Mörder aus der Vergangenheit: Zeitreisen waren ein beliebtes Thema, um möglichst kuriose Varianten der Ripper-Geschichte zu liefern. In "Flucht in die Zukunft" flieht der Schlitzer mittels Zeitmaschine ins San Francisco des Jahres 1979 - in das Jahr, in dem auch der Film entstanden ist.

Die Verfolgung nimmt niemand Geringeres als der britische Autor H.G. Wells (Malcolm McDowell, Mitte) auf, Erfinder des Romans "Die Zeitmaschine". Der 5. November, zu dem Jack the Ripper reist, wurde später auch von anderen Zeitreise-Filmen wie "Zurück in die Zukunft" als Datum gewählt.

Foto: ddp images
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Der Ripper? Das bin ich! Wer sagt denn bitteschön, dass Jack the Ripper immer nur gefürchtet sein muss? In der britischen Satire "The Ruling Class" (1972) spielt Peter O'Toole, rechts, einen Adligen, der von den Whitechapel-Morden so fasziniert ist, dass er sich selbst für den Täter hält. In früheren Jahren dachte er noch, er sei Gott höchstpersönlich, doch nach einem angeblich heilenden Aufenthalt in der Psychiatrie scheint er seine wahre Identität entdeckt zu haben und mordet sich durch die britische High Society.

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Heiß auf Vampir-Blut: Hier helfen nur Silbermesser! In dem Roman "Anno Dracula" (1993) des britischen Horrorautors Kim Newman ermordet Jack the Ripper Prostituierte, die sich in Vampirinnen verwandelt haben. Und davon gibt es eine ganze Menge: Schließlich ist in Newmans England Königin Victoria ausgerechnet mit Graf Dracula verheiratet. Dieser lässt nach dem Vampir-Serienmörder suchen und engagiert dabei unter anderem Sherlock Holmes und Dr. Jekyll.

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Mörder-Puppe: Bei Sonnenschein geht dieser Killer nicht aus dem Haus, sonst könnte er schmelzen. In der Folge "House of Max" von 1970 der US-Comedyserie "Mini-Max" ist Jack the Ripper eine lebendig gewordene Wachsfigur.

Foto: CBS Television
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Zeitreise, die dritte: In der Folge "A Rip in Time" (1997) der US-Serie "Timecop" wird der Ripper von einem mit Hightech-Waffen ausgestatteten Killer aus der Zukunft getötet, der kurzerhand dessen Rolle einnimmt und weitere Frauen abschlachtet.

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Der Kampf gegen den Alien-Schleim: Die Science-Fiction-Serie "Outer Limits" machte ihn zum tragischen Helden. In der Folge "Ripper" von 1997 tötet der Arzt Dr. Jack York (Cary Elwes) junge Frauen, weil diese von einem außerirdischen Wesen besessen sind. Der blaue Glibber kann nur besiegt werden, solange er in einem Menschenkörper gefangen ist. Dr. Jack nimmt den Kampf auf - und wird von der Polizei als Ripper gejagt.

Foto: Metro-Goldwyn-Mayer Studios
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Es lebt: Auch als Comic-Bösewicht durfte Jack the Ripper immer wieder sein Unwesen treiben. In der 100. Ausgabe der Marvel-Reihe "Master of Kung Fu" (1981) ist der Serienmörder das Ergebnis eines misslungenen Experiments von Oberschurke Fu Manchu, der sich für einige Zeit nach London abgesetzt hatte.

Foto: Marvel
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"Das Himbeer-Bläser-Phantom von London": Auf diese Idee muss man erst einmal kommen. In der britischen Comedy-Show "The Two Ronnies" von 1976 tötet Jack the Ripper seine Opfer mit Hilfe seiner Zunge. Er überfällt die Opfer in Parks oder anderen öffentlichen Plätzen und erschreckt sie zu Tode, indem er mit der Zunge lauthals prustet. Weil man dieses Geräusch in Großbritannien als "Himbeer-Blasen" bezeichnet ("to blow a raspberry"), erhielt der Killer den schrägen Beinamen "The Phantom Raspberry Blower of Old London Town".

Foto: BBC One
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Die Welt ist nicht genug: Sein Ruf hat sich bis in ferne Galaxien verbreitet. Nur so lässt sich erklären, warum der Ripper in der Sci-Fi-Serie "Babylon 5" in der Folge "Comes the Inquisitor" (1995) von der Alienrasse der Vorlonen entführt wird. Auf deren Planeten soll er unter dem neuen Namen Sebastian als Folterknecht das Durchhaltevermögen der Außerirdischen testen - und darf im Gegenzug mehr als 400 Jahre leben.

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Der Mörder mit den Scherenhänden: In der japanischen Anime-Serie "Soul Eater" von 2008 leben die Menschen mit Dämonen zusammen, die mal wie normale Sterbliche und mal wie Waffen aussehen. Ihre Aufgabe ist es, böse Geister zu töten, die sich von unschuldigen Seelen ernähren. Einer der ersten Feinde von Heldin Maka ist dabei Jack the Ripper, der hier mit mechanischen Klauen und Schneemann-Maske für Angst und Schrecken sorgt.

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Besessenes Besteck: Dass der Ripper nicht immer ein Mensch sein muss, haben US-amerikanische Filme und Comics bewiesen. Noch einen Schritt weiter geht die italienische Comic-Reihe "Martin Mystère". Hier findet in einer Folge der Vampirjäger van Helsing heraus, dass der Serienmörder eine mythische Kraft ist, die in mehreren Messern wohnt. Wer immer dieses Besteck anfasst, kann nicht anders, als zu meucheln.

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Das Grauen im Wanderzirkus: In David Hitchcocks Comic "Whitechapel Freak" aus dem Jahr 2001 hat Jack the Ripper keine Beine - und reist als Mitglied einer Freakshow durch Großbritannien. Um seine Morde auszuführen, schnallt er sich auf die Schultern eines Kleinwüchsigen.

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Einer für alle und alle in einem: Es gibt sie noch, die Superschurken des Comic-Universums. In der Welt der DC Comics taucht immer wieder Vandal Savage auf, ein unsterblicher Bösewicht, der nicht nur für die Ripper-Morde verantwortlich zeichnet, sondern auch schon als Alexander der Große oder Julius Caesar Schrecken verbreitet hat - und als enger Freund von Adolf Hitler. In einer Ausgabe von "Justice League of America" taucht Savage in Begleitung von Jack the Ripper auf - der hier ein Orang-Utan ist.

Foto: DC Comics
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Das Killer-Trio Ihrer Majestät: Das Rätsel um Jack the Ripper bot viel Platz für Legendenbildung und Verschwörungstheorien. Besonders berühmt geworden ist die These von Stephen Knight, dass der Ripper in Wahrheit drei Personen waren, die vom britischen Premierminister angeheuert wurden, um einen Skandal rund um den Enkel von Queen Victoria zu vertuschen.

Knights Sachbuch wurde von Historikern stark kritisiert, fand seinen Niederschlag dafür in der Popkultur - etwa in der Graphic Novel "From Hell" (1991) von Alan Moore und Eddie Campbell. Der Titel bezieht sich auf ein Bekennerschreiben des Rippers, das mit diesen Worten überschrieben war.
Der Comic war solch ein Erfolg, dass die Geschichte...

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...2001 verfilmt wurde - mit Johnny Depp in der Hauptrolle des ermittelnden Kommissars, der das Komplott aufdeckt (kniend, mit Robbie Coltrane rechts im Bild).

Foto: ddp images
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Wilder, blutiger Westen: Warum hörten die Whitechapel-Morde urplötzlich auf? Weil der Ripper aus London über den Atlantik floh - in die Neue Welt. So erklärt es zumindest die Western-Serie "Cimarron Strip" von 1968. Und zeigt, wie der Ripper in den USA schließlich von Indianern getötet wird.

Darsteller Stuart Whitman als Marschall Jim Crown und Victoria Shaw als Mrs. Roger Smith

Foto: CBS Television
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Göttliche Strafe: Sie trieb mit ihrer Schönheit Männer in den Tod - und wurde schließlich selbst zum Opfer. Alban Bergs Oper "Lulu" von 1937 zeigt Aufstieg und Fall einer Lebefrau, die mit ihren Reizen einen Liebhaber nach dem anderen verführt und schließlich doch verarmt in London endet. Dort verdient sich Lulu als Prostituierte ihren Unterhalt und wird - ein spätes Opfer von Jack the Ripper.

"Lulu"-Inszenierung von David Pountney in Cardiff, 2013

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?