Jahresrückblick Juli 2008 - DER SPIEGEL
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Jahresrückblick Juli 2008 Der mörderische Psychiater

Die ganze Welt fahndete nach ihm, doch er versteckte sich noch nicht einmal. Im Juli 2008 wurde Europas meistgesuchter Kriegsverbrecher gefasst. Zuvor lebte Radovan Karadzic mitten in Belgrad - scheinbar perfekt getarnt als Althippie und Quacksalber. Demnächst wird ihm der Prozess gemacht.
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Gesuchte Kriegsverbrecher: Mit Fahndungsplakaten werden nach dem Jugoslawienkrieg der Serbenführer Radovan Karadzic und sein Militärchef Ratko Mladic vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gejagt. Nach der Verhaftung Karadzics stellt sich allerdings heraus, dass nie ernsthaft nach ihm gesucht wurde. Der Politiker, verantwortlich für den Tod Tausender bosnischer Muslime, versichert, er habe seinerzeit von dem US-Sonderbeauftragten Richard Holbrooke in einem Gentlemen's Agreement Schutz vor Verfolgung durch das Tribunal zugesichert bekommen, wenn er sich aus dem politischen Leben vollständig zurückziehe. Holbrooke bestreitet den Deal vehement.

Foto: FEHIM DEMIR/ AFP
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Karadzic gefasst: Nach dem Krieg war Serbenführer Radovan Karadzic untergetaucht. Allerdings weder, wie vielfach vermutet, in einem orthodoxen Kloster noch als Exilant in Russland, wo man ihn mit Literaturpreisen ehrte. Der einstige Serbenführer lebte jahrelang in einer Zweizimmerwohnung in einem der Betonklötze des Belgrader Vororts Novi Beograd und arbeitete unter dem Decknamen "Dr. Dragan Drabic" als Heilpraktiker.

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Karadzic und Mladic: Serbenführer Radovan Karadzic (r.) und sein Militärchef Ratko Mladic beraten sich im April 1995 in der Nähe der bosnischen Stadt Banja Luka. Sechs von den Serben belagerte bosnische Städte waren in dieser Zeit zu "Schutzzonen" erklärt worden, in denen Uno-Friedenstruppen stationiert waren. Diese greifen allerdings nicht ein, als es in der Enklave Srebrenica zum größten Massaker in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg kommt. Im März 1995 hatte Karadzic noch seine Truppen angewiesen, den dortigen Muslimen müsse das Leben "unerträglich" gemacht werden. Kurz darauf werden etwa 8000 muslimische Jungen und Männer aus der Stadt verschleppt und in den Tagen darauf in der Umgebung exekutiert und in Massengräbern verscharrt.

Foto: REUTERS
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Karadzic vor dem Kriegsverbrechertribunal: Nach seiner Verhaftung im Juli 2008 wurde Radovan Karadzic endlich in Den Haag für seine Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt. Adrett gekleidet und mit Leidensmiene schweigt er vor dem "Nato-Gericht", wie er das Haager Tribunal nennt, allerdings zunächst zu allen Anklagepunkten.

Foto: AP
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Die Opfer von Srebrenica: Eine weinende Bosnierin sucht am 10. Juli 2008 zwischen Särgen von Opfern des Srebrenica-Massakers nach ihren Angehörigen. Die Überreste von 308 Menschen aus Massengräbern waren in der Gedenkstätte der Stadt Potocari aufgebahrt worden, nachdem sie mit aufwendigen DNA-Analysen endlich identifiziert werden konnten. Die mit grünem Stoff umhüllten Holzsärge tragen Zettel mit den Namen und Geburtsdaten der Gefundenen. Der Jüngste war 15 bei seiner Hinrichtung, der Älteste 84 Jahre alt.

Foto: AP
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Unterstützung für Karadzic: Viele serbische Nationalisten verehren den als Kriegsverbrecher angeklagten Radovan Karadzic weiterhin als ihren Helden. Seine Befürworter trafen sich am 29. Juli 2008 zu einer Demonstration in Belgrad, um gegen seinen Prozess in Den Haag zu protestieren.

Foto: REUTERS
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Schmerzhafte Erinnerungen: Bewohnerinnen von Srebrenica in einem Büro in Tuzla. Hinter ihnen an der Wand hängen Bilder von seit dem Massaker im März 1995 vermissten Menschen. Serbische Truppen verschleppten damals etwa 8000 muslimische Jungen und Männer, die sie in der Umgebung exekutierten und in Massengräbern verscharrten. Bis heute konnten noch nicht alle Gräber gefunden und alle Opfer identifiziert werden.

Foto: REUTERS
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Gegen den Prozess in Den Haag: Ultranationalistische Serben demonstrieren am 29. Juli 2008 in Belgrad für Radovan Karadzic. Ihr Anführer während des Bürgerkriegs war kurz zuvor verhaftet und vor das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt worden.

Foto: AP
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Der doppelte Karadzic: Radovan Karadzic, fotografiert während einer Parlamentssitzung am 13. Februar 1995 in der Republik Srpska während des Jugoslawienkriegs (r.). Und ein Bild aus der Zeit, in der er mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde und sich als Heilpraktiker mit dem Decknamen Dr. Dragan David Dabic in Belgrad versteckt hielt (l.). Im Juli 2008 wurde Karadzic gefasst und wegen Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt.

Foto: REUTERS
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