Jakutien: Sibiriens kaltes Herz - DER SPIEGEL
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Jakutien Sibiriens kaltes Herz

Wer nicht aufpasst, friert sich sofort die Nase ab: Am kältesten Ort der bewohnten Welt ist Überleben eine Kunst. Fotograf Michael Martin zu Besuch bei Fischern, Rentier- und Pferdezüchtern.
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Jakutien liegt im Nordosten Russlands und gilt als das kalte Herz Sibiriens. Im Winter fallen die Temperaturen auf unter minus 60 Grad Celsius. Von Jakutsk führt die unbefestigte Kolyma-Fernstraße über 2000 Kilometer nach Magedan am Pazifik. Ihr Name ist auf den Fluss Kolyma zurückzuführen, den die Straße überquert.

Foto: Michael Martin
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Elly und Michael Martin folgen im UAZ-Geländebus der Kolyma-Straße fast 800 Kilometer. Sie trägt den Beinamen "Straße der Knochen", da sie einst von Gulag-Häftlingen erbaut wurde. Von ihr führt eine kleine Piste nach Oimjakon.

Foto: Michael Martin
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Das gut 700 Einwohner zählende Dorf Oimjakon gilt als der Kältepol der bewohnten Gebiete der Erde. Michael Martin las an einem Morgen minus 52 Grad Celsius vom Thermometer ab, Mitte Januar 2018 wurden minus 63 Grad gemessen.

Foto: Michael Martin
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Tamara Jegorowa betreibt die einzige Unterkunft in Oimjakon, ein einfaches Holzhaus ohne Bad und WC. Sie hatte schon die ganze Welt zu Gast auf ihrem Sofa in der gut geheizten Küche.

Foto: Michael Martin
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Bei minus 50 Grad fotografiert Michael Martin den Sonnenaufgang an einer warmen Quelle und holt sich prompt schwere Erfrierungen an der Nasenspitze.

Foto: Michael Martin
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Seine Frau Elly ist klüger und schützt an diesem Morgen ihr Gesicht mit Frostschutzmaske und wasserloser Fettcreme.

Foto: Michael Martin
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Jakuten-Ponys behaupten sich seit vielen Hundert Jahren im extremen Klima Jakutiens. Sie kommen sowohl mit minus 60 Grad im neunmonatigen Winter als auch mit den Mücken und Sumpfböden des kurzen Sommers zurecht.

Foto: Michael Martin
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Der Pferdezüchter Mischa hat 150 Jakuten-Ponys. Die meisten verbringen den Winter selbständig im Wald, nur die Jungtiere hält er auf einer Koppel und füttert sie mit Heu. Sein größtes Problem sind die Verluste durch Bären, die er regelmäßig erlegt.

Foto: Michael Martin
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Der jakutische Fischer Igor öffnet mit einer Holzstange Eislöcher auf dem Indigirka-Fluss, um die unter dem Eis ausgelegten Netze zu kontrollieren. An einer Leine wird das Netz an die Oberfläche geholt. Der tägliche Fang ist mit ein bis drei Fischen pro Netz nicht gerade üppig.

Foto: Michael Martin
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Oimjakon ist umgeben von ausgedehnten Waldgebieten, die wirtschaftlich kaum genutzt werden. In einem Bachbett sind Grasbüschel mit Pulverschnee bedeckt.

Foto: Michael Martin
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Für den Wüstenfotografen Michael Martin ist es eine ganz neue Erfahrung, Wälder zu fotografieren. Die Kamera hat mit der grimmigen Kälte deutlich weniger Probleme als der Fotograf.

Foto: Elfriede Martin
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Trotz der extremen und lang andauernden Kälte finden sich in Sibirien ausgedehnte Nadelwälder. Ursache ist ein kurzer, aber warmer Sommer. Vorherrschende Baumart ist die Lärche, die im Winter ihre Nadeln verliert.

Foto: Michael Martin
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In einem Waldgebiet treffen Michael und Elly Martin auf drei jakutische Brüder, die Rentiere züchten. Sie leben in einfachen Baumwollzelten, mit denen sie der 1500 Tiere umfassenden Herde folgen.

Foto: Michael Martin
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Die Rentiere leben im Wald und werden durch bestimmte Laute und das Ausstreuen von Salz angelockt. Bald stehen 20 Rentiere im Zeltlager.

Foto: Michael Martin
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Die Rentiere ziehen die Schlitten mit hoher Geschwindigkeit zwischen den Bäumen durch den Tiefschnee.

Foto: Michael Martin
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Es wird Wochen dauern, bis Mischa und seine Brüder alle Teile der Herde wiedergefunden haben. Bis dahin werden sie Tag für Tag bei eisigen Temperaturen durch die Wälder Sibiriens ziehen.

Foto: Michael Martin
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?