Japan Abschied von Abenomics
Dämmerung über Tokio: Drei Jahre hat Premier Shinzo Abe versucht, mit seiner Gelddruckmaschinerie die Wirtschaft anzukurbeln.
Zum Teil mit Erfolg: Um mehr als 80 Prozent legte der Nikkei-Index in den vergangenen Jahren zu. Lange wurde Abe dafür gefeiert.
Spätestens seit Jahresanfang aber geht es radikal abwärts, wie auch die Börsentafel im Hintergrund dieser Straßenszene in Tokio zeigt. Unmittelbar ausgelöst wurden die Kurseinbrüche zwar durch die unsichere Weltkonjunktur. Doch die Probleme sind hausgemacht.
Denn Abe (hier im Parlament im Januar 2016) hat Japans strukturelle Krise nur aufgeschoben, aber nicht wirksam bekämpft.
Auf ihm ruhten viele Hoffnungen: Zentralbankchef Haruhiko Kuroda. Um die drittgrößte Volkswirtschaft aus der moderaten Deflation, dem Verfall der Preise, zu befreien, rief die Notenbank ein Inflationsziel von zwei Prozent aus.
Steigende Preise sollen Erwartungen wecken, dass auch die Gewinne der Firmen und der Löhne der Beschäftigen wieder steigen.
Nur: Nachhaltiges Wachstum hat Abe mit seinem vorübergehenden Boom an der Börse nicht geschaffen. Im Gegenteil: Im letzten Quartal 2015 schrumpfte die japanische Wirtschaft auf das Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent.
Das liegt vor allem daran, das die Japaner ihren Konsum einschränken - aus Sorge um ihre wirtschaftliche Zukunft. Denn der gesunkene Wechselkurs des Yen hat die Importe verteuert - und damit die Lebenshaltungskosten der Verbraucher.
Praktisch die einzigen, die von Abenomics profitierten, waren bislang große Konzerne wie der Autobauer Toyota. Sie konnten ihre Dollar-Gewinne aus dem Ausland günstiger in Yen umtauschen.
Alternde Gesellschaft: Schätzungen zufolge könnte das 127-Millionen-Volk bis 2060 auf 86 Millionen schrumpfen. Mit der rapiden Vergreisung ist auch die Hauptursache benannt, warum Abenomics - die nach dem Premier benannte Geldpolitik - nicht funktioniert.