Japan-Fotoschatz Samurai in Sepia
Japanischer Brunnen: Unter der Leitung von Graf Friedrich Albert zu Eulenburg reiste eine 800 Mann starke deutsche Delegation nach Japan. Mit im Team war der Fotograf Carl Bismarck, der dieses Foto von dem Diener eines Würdenträgers vor einem Brunnen schoss.
Heiligtum auf Glasplatte: Carl Bismarck machte 1860 auch dieses Foto von der Fassade eines Shinto-Schreins in der Nähe von Tokio. Der Missionsfotograf galt als unerfahren und langsam. Engagiert wurde er dennoch - weil er der uneheliche Sohn des Expeditonsleiters Graf Eulenburg war, mutmaßt der britische Historiker Sebastian Dobson.
Alltagsszene: Außer Würdenträgern und Samurai zeigen die Werke in Sepia auch einfache Landleute beim Verrichten der täglichen Arbeit, hier beim Straßenfegen und Wasserschöpfen. Das doppelte Bild ist eine "Stereoskopie". Man konnte es in eine dafür gefertigte Vorrichtung stecken, die dem Betrachter ein dreidimensionales Bild vorgaukelte.
Stereo-Gruppenfoto: An der Eulenburg-Mission 1860/61 nahmen außer Carl Bismarck auch John Wilson und August Sachtler als Fotografen teil - wer diese Stereofotografie aufnahm, ist unbekannt. Insgesamt, so schätzt der Historiker Dobson, wurden bei der deutschen Ostasien-Expedition in Japan rund 1400 Aufnahmen gemacht.
Japanische Architektur: Jedes Motiv musste sorgfältig ausgewählt werden. Denn in der Anfangszeit der Fotografie steckte in jeder Aufnahme noch viel Arbeit. Das Negativ musste in der Dunkelkammer zunächst auf eine Glasplatte gelegt und mit sogenanntem Albuminpapier, das mit Eiweiß und einer Ammoniumchlorid-Lösung vorbehandelt wurde, abgedeckt werden. In einem anschließenden Chemikalien-Bad erhält das Bild seinen warmen, braunen Farbton.
Strammsitzen fürs Foto: Die Belichtungszeit bei diesem alten Verfahren dauerte rund zehn Sekunden. Damit das Bild nicht verwackelte, wurden die zu fotografierenden Menschen mit einer Art Metall-Stativ, das mit einer Klemme um den Hals befestigt wurde, zum Stillsitzen gezwungen.
Japanischer Garten: Auch Landschaften bannte Carl Bismarck auf Platte. Die Fotos sollten Künstlern beim Anfertigen ihrer Werke später als Erinnerung dienen.
Gestelltes Straßenleben: Nur wenige der Bilder entstanden zufällig - die Technik ließ den Fotografen kaum Spielraum für Improvisation. Zudem waren Ende des 19. Jahrhunderts Studioaufnahmen üblich, die Freiluft-Fotos aus Japan stellen daher eine Rarität dar.
Dokument aus Ostasien: Darüber hinaus sollten die drei Expeditionsfotografen für die Wissenschaft Land und Leute mit ihrer Kamera festhalten, hier eine Friedhofsanlage in der Nähe von Tokio. Der lang verschollene Bilderschatz wurde nun entdeckt und lagert im Geheimen Staatsarchiv in Berlin. Offenbar war das Foto-Paket seit Ende der Expedition 1861 nicht mehr geöffnet worden.
Kunst-Vorlage: Auf der Eulenburg-Expedition reisten die Künstler Albert Berg und Wilhelm Heine mit, die anhand der Fotos ihre Werke anfertigten. So wie die Menschen auf dem Bild saßen, malten die Zwei sie auch auf Papier oder Leinwand. Diese Aufnahme zeigt preußische Kadetten, die im Teehaus von Omori von Teehausmädchen bewirtet werden.
"Wer in der Mitte steht, stirbt zuerst": Stimmt dieser japanische Glaubensspruch, müsste der buddhistische Priester im dunklen Kimono als erster von diesem Trio das Zeitliche segnen.
Irgendwo in Japan: Anhand der Fotos lässt sich Eulenburgs Expedition zurückverfolgen. Doch kein Bild ist genau datiert und nicht jedes Foto kann lokal zugeordnet werden. Diese Aufnahme zeigt einen Tempel- oder Schreinvorhof - vermutlich irgendwo in der Umgebung von Tokio.
"Dorfschaft bei Ooji": Diese Aufnahme hat Fotograf Carl Bismarck handschriftlich mit dem Vermerk "Dorfschaft bei Ozi" ergänzt. Allerdings ist kein Ort und keine Stadt namens Ozi in Japan bekannt. Wahrscheinlich handelt es sich daher hier um einen Schreibfehler und gemeint ist der Ort Ooji.
Japanischer Tempel: Für die Expedition mussten die Fotografen ein umfangreiches Equipment mitschleppen - insgesamt hatten sie sechs Kameras und 2500 Glasplatten mit dabei, darüber hinaus literweise Chemikalien für die Entwicklung sowie Zelte, die als Dunkelkammer dienten. Für dieses Bild hatte Carl Bismarck ein Nebengebäude eines Tempels, wahrscheinlich ein "Trommelturm", als Motiv ausgewählt.
Wie ein Geisterhaus: Einigen Bilder haftet etwas Mystisches an. Im Laufe der Jahrzehnte sind die Aufnahmen verblasst und die Umrisse der Motive sind nur schemenhaft zu erkennen.
Japanischer Schrein: Außer der wissenschaftlichen fotografischen Dokumentation war es das Ziel der ersten deutschen Ostasienexpedition von 1859 bis 1862, Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtverträge mit Japan abzuschließen - der Auftrag des deutschen Zollvereins wurde nicht erfüllt, geblieben sind jedoch die visuellen Spuren von Eulenburgs Mission. Dieses Bild zeigt einen kleinen Shinto-Schrein.
Ethnographischer Bildschatz: Zwei Japaner in traditioneller Tracht, die Frau rechts hält einen Strohhut in der Hand. Die Aufnahmen, die die deutsche Delegation mitbrachte, sind ein Zeugnis ostasiatischer Kultur. In dieser Fülle und Qualität ist die Sammlung der Aufnahmen nahezu einzigartig, denn Reiseexpeditionen wurden damals meist allein schriftlich festgehalten oder mit Skizzen visualisiert. Der technische Aufwand einer fotografischen Dokumentation war schlicht zu groß und kostenaufwendig.
An der Gebetsstätte: Ein japanischer Samurai posiert mit seinem Schwert für den Fotografen aus Deutschland vor einer großen Steinlaterne.