Tattoos in Japan Körperkunst mit Stigma
Als sich Mana Izumi ihr erstes Tattoo stechen ließ, war sie 18 Jahre alt. Inzwischen ist die frühere Pornodarstellerin 29 Jahre alt - und zahlreiche Tattoos erstrecken sich über ihren Körper. "Ich mag es, ein bisschen anders zu sein."
"Als meine Mutter zum ersten Mal mein Tattoo sah, brach sie in Tränen aus", sagt Izumi. "Ich dachte, mein Vater würde mich umbringen."
Es sei erbärmlich, wie Tätowierte in Japan diskriminiert würden, sagt die 29-Jährige. Hier lässt sie sich einen Aztekenschädel auf ein Bein tätowieren.
"Die Leute denken vielleicht, dass ich ein bisschen gruselig aussehe, aber ich bereue die Tattoos nicht", sagt Izumi. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich irgendjemandem erklären muss."
Hirotaka Yamakawa ist Friseur - und stark tätowiert. Bis 1948 waren Tätowierungen in Japan nicht erlaubt, erst amerikanische Besatzer hoben das Verbot auf.
Noriyuki Katsuta ist Tätowierer und Mitglied der Initiative "Save Tattooing in Japan". Er schätzt, dass etwa 500.000 bis eine Million Japaner Tattoos haben.
Manchem Tätowierer missfällt die Vorstellung, sein Job könnte ein legitimer Beruf werden. "Tätowierungen sollten einen Hauch von Gesetzlosigkeit haben", sagt Horiyoshi III (r.).
Tätowierkünstler H:K zeigt seine Tattoos in einem Studio in Tokio. Viele Japaner würden bei Tattoos an die Yakuza denken, anstatt die Schönheit der Kunstform zu bewundern, sagt der Buchautor Brian Ashcraft ("Japanische Tattoos: Geschichte, Kultur, Design"). "Bis sich das ändert, wird das Tätowieren in einer Grauzone fortbestehen."
Tätowierungen haben in Japan eine lange Tradition, werden aber häufig mit der Mafiaorganisation Yakuza assoziiert und können ein Stigma sein. Hier zeigt der Tattookünstler Horitatsu seinen Körperschmuck.
Horiyoshi III sticht seinem Kunden Kazuhide Okumura in Yokohama ein großflächiges Tattoo.
Kyono ist Büroangestellter - und sein Körper ein Kunstwerk. Menschen mit Tattoos wird in Japan oft der Zutritt zu öffentlichen Schwimmbädern, Stränden und Fitnessstudios verweigert. Sichtbare Tätowierungen können die Chance auf einen Arbeitsplatz beeinträchtigen.
Yuki ist Model - und ebenfalls großflächig tätowiert. Buchautor Ashcraft zufolge beruht ein Großteil der Vorbehalte gegen Tattoos in der uralten konfuzianischen Vorstellung, dass die Verunstaltung des von den Eltern geerbten Körpers respektlos ist.