Jazz-Sängerin Billie Holiday - DER SPIEGEL
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Billie Holiday Diva im Drogenrausch

Callgirl, Junkie, Superstar: Billie Holiday kam aus der Gosse und sang sich in den Olymp des Jazz. Rassismus und Gewalt prägten das kurze Leben der schwarzen Musikerin - am Ende triumphierte sie über ihre ärgsten Feinde.
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"Es nimmt mir einfach meine ganze Kraft": Im Februar 1947 gelang Fotograf William Paul Gottlieb im New Yorker Jazzclub Downbeat diese legendäre Aufnahme der tief in ihren Gesang versunkenen Billie Holiday. Vor allem die Darbietung des Songs "Strange Fruit" über die rassistischen Lynchmorde in den USA verlangte ihr emotional alles ab. Regelmäßig floh Holiday danach von der Bühne direkt in den Waschraum: "Weil mich das Singen so mitnimmt, dass mir richtig schlecht davon wird. Es nimmt mir einfach meine ganze Kraft", so die Sängerin in ihrer Autobiografie.

Foto: Getty Images/ William Gottlieb/DRP.
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Großes Vorbild: Billie Holiday (r.) lauscht den Klängen von Jazztrompeter Louis Armstrong (Foto von 1946). Die Sängerin bezeichnete Armstrong als eines ihrer wichtigsten Vorbilder. Es waren "Bessies große Stimme" (Bessie Smith, Anm. d. Red.) und das "Feeling von Pop" (Kosename für Louis Armstrong, Anm. d. Red.), die Holiday laut Eigenaussage maßgeblich prägten.

Foto: Hulton Archive / Getty Images
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Einsamer Star: Trotz zahlreicher Liaisons blieb Billie Holiday den Männern gegenüber misstrauisch - ungeteilte Liebe erfuhr indes ihr Hund Mister. Auf dem Foto posiert die kinderlos gebliebene Sängerin mit dem Boxer in ihrer Garderobe (Aufnahme von 1946).

Foto: Library of Congress
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Steak für Mister: Billie Holidays Zuneigung zu ihrem Boxer Mister ging so weit, dass sie ihm eigenhändig seine Steaks briet - zumindest für dieses 1949 entstandene Foto. "Im ersten Augenblick dachte ich, es sei das Dienstmädchen", erinnert sich Fotograf Herman Leonard, als ihm die mit Schürze bewehrte Sängerin zum Fotoshooting die Tür öffnete.

Foto: AP/Herman Leonard Photography
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Skandalumwitterte "Lady Day": Ein sensationsheischender Zeitungsartikel von 1957 griff die Jugend der Sängerin Billie Holiday auf - Details waren im Vorjahr durch die Veröffentlichung ihrer Autobiografie bekannt geworden. Nach einer Vergewaltigung war das elfjährige Opfer Holiday mehrere Tage in einem Gefängnis festgehalten worden, später verdingte sie sich unter anderem als Callgirl.

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Harte Kindheit: Ernst schaut Eleanor Harris, so der Geburtsname von Billie Holiday, als zweijähriges Mädchen in die Kamera. Da ihre Mutter Sadie als Dienstmädchen im Norden der USA sowie als Serviererin in Zügen arbeitete, wuchs Holiday die ersten Lebensjahre bei Martha Miller auf, der Schwiegermutter von Sadies Halbschwester. "Wenn man arm ist", heißt es in Holidays Autobiografie, "wird man schnell erwachsen."

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Hollywood-Holiday: 1972 lief der Film "Lady Sings the Blues" über das Leben der schwarzen Sängerin Billie Holiday in den Kinos an. In die Rolle der gegen Ende ihres Lebens heroinabhängigen Künstlerin schlüpfte Diana Ross (Szenenfoto).

Foto: ddp images
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Mafioso als Ehemann: Das filmische Melodram über Holiday trägt den gleichen Titel wie die 1956 erschienene Biografie aus der Feder von Boulevardreporter William Dufty. Das Szenenfoto zeigt Diana Ross als Billie Holiday und Billy Dee Williams, der im Film ihren Ehemann Louis McKay verkörpert. Holiday heiratete den Mafioso McKay im März 1957. Wie die meisten ihrer Männer war er gewalttätig und beutete die Sängerin finanziell aus.

Foto: ddp images
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Durchwachsen: In dem zum Teil unnötig seichten, die Fakten verzerrenden Film "Lady Sings The Blues" überzeugt vor allem Protagonistin Diana Ross (Szenenfoto). "Ein höchst ärgerlicher und ganz wunderbarer Film", urteilte die "Zeit" 1973.

Foto: ddp images
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Mit Zigarette im Krankenhausbett: Mit Gardenie im Haar und Zigarette in der Hand lässt sich Billie Holiday im Jahr 1947 im Krankenhaus für einen Zeitungsartikel ablichten. Mit stolzer Geste zeigt sie auf ein Foto, das sie und Louis Armstrong bei seinem Konzert in der Carnegie Hall zeigt. Im Mai 1947 wurde die Sängerin wegen Drogenbesitzes verhaftet und zu einem Jahr und einem Tag Haft im Frauengefängnis von Alderson, West Virginia, verurteilt.

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Vorbild für Sinatra: Jazzfotograf Herman Leonard spiegelt sich im März 2006 in einer Aufnahme der Sängerin Billie Holiday von 1949, die im National Museum of American History aufbewahrt wird. Nachdem Produzent John Hammond Billie Holiday 1933 einen Plattenvertrag verschafft hatte, tourte sie unter anderem mit den Big Bands von Artie Shaw und Count Basie durch die USA und musizierte mit Benny Goodman und Teddy Wilson. Frank Sinatra bezeichnete Holiday einmal als die Künstlerin mit dem "größten musikalischen Einfluss" auf seine Karriere.

Foto: © Jim Young / Reuters
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Debüt mit 18: Porträtaufnahme von Billie Holiday aus den Dreißigerjahren. 1915 geboren, gelang Billie Holiday bereits 1933 ihr Studiodebüt. Ihre letzte öffentliche Aufnahme stammt vom 25. Mai 1959 - zwei Monate später war die Ausnahmesängerin tot.

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So langsam, so lässig: Billie Holiday im Februar 1940 mit den Musikern Sonny White (Klavier), Lawrence Lucie (Gitarre), John Williams (Bass), Roy Eldridge (Trompete), Jimmy Powell und Carl Frye (Saxofon). "Du hast noch nie jemanden gehört, der so langsam, so lässig und mit so einem Ausdruck singt", beschrieb Schauspieler Ralph Cooper einst ihre Gesangskunst.

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Who is Who des Jazz: Das Musical-Drama "New Orleans" (Szenenfoto) kam im April 1947 in die US-Kinos. Neben Billie Holiday und Louis Armstrong traten zahlreiche andere Jazz-Größen in dem Film auf, unter ihnen Meade Lux Lewis (Klavier), Bud Scott (Gitarre) und Zutty Singleton (Schlagzeug).

Foto: imago
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Mord als Spektakel: Am 7. August 1930 wurden die beiden des Raubmordes verdächtigten Schwarzen Abram Smith und Thomas Shipp in Marion, Indiana an einem Baum erhängt. Zwischen 1877 und 1950 wurden laut der Menschenrechtsorganisation Equal Jus­tice Initiative 3959 Personen gelyncht - die meisten Opfer waren Schwarze in den Südstaaten. Oft wohnten Tausende Schaulustige den Hinrichtungen bei. Der Lynchmord galt als öffentliches Spektakel und trat, wie es US-Journalist H.L. Mencken formulierte, "oft an die Stelle des Karussells, des Theaters, des Sinfonieorchesters." Die Lynchmorde thematisiert Holidays berühmter Song "Strange Fruit".

Foto: ABHM/ Lawrence Beitler
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"Dienstmädchen oder Nutte": 1946 drehte Billie Holiday (r.) an der Seite von Louis Armstrong ihren ersten und einzigen Hollywoodfilm. Sie erwartete, sich selbst spielen zu dürfen - und war bitter enttäuscht, die Rolle eines singenden Dienstmädchens übernehmen zu müssen. "Nenn mir nur ein einziges schwarzes Mädchen, das Filme gedreht hat und nicht ein Dienstmädchen oder eine Nutte spielen musste. Ich kenne keins", heißt es dazu in ihrer Autobiografie von 1956.

Foto: ddp images/ United Artists
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Auf Reisen: 1954 verwirklichte Billie Holiday ihren großen Traum und startete zu einer Europatournee. Die Aufnahme zeigt sie auf einer Bühne in England. Holiday äußert sich in Gesprächen mit William Dufty begeistert von dem Alten Kontinent: "Die Kritiker in Europa verstehen einfach mehr von Musik. Sie mögen Musik, sind auf dem Laufenden und können zuhören", heißt es in ihrer Autobiografie. Das einzige, womit Holiday nicht klarkam, war die englische Küche.

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Chihuahua auf Gin: Eine sichtlich gezeichnete Billie Holiday verlässt am 24. Februar 1956 gemeinsam mit ihrem Hund Pepe die Polizeistation in Philadelphia, wo sie wegen Drogenbesitzes festgehalten worden war. Den Hund soll sie von Schauspielerin Ava Gardner geschenkt bekommen haben. Verleger Lee Barker erinnert sich an eine Nacht in Harlem: Die Sängerin sei auf Heroin, ihr Pepe von Gin betrunken gewesen. Auch Schriftstellerin Maya Angelou erinnert sich daran, dass Holiday und der Hund Gin aus dem gleichen Glas getrunken hätten.

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"Auf langsame und grausame Art": Menschentrauben säumten am 21. Juli 1959 anlässlich der Trauerfeier für Billie Holiday die Straßen von New York City. Die Sängerin war am 17. Juli an den Folgen exzessiven Drogen- und Alkoholkonsums gestorben. "Alles, was Drogen für dich tun können", heißt es in ihrer Autobiografie, "ist, dich umzubringen, und zwar auf langsame und grausame Art."

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Letzte Ruhe in der Bronx: Zeitungsberichten zufolge erwiesen 3000 Menschen Billie Holiday am 21. Juli 1959 bei der Trauerfeier in New York City die letzte Ehre. Auf den Treppenstufen der katholischen St. Paul the Apostle Church zu erkennen: Pianist Teddy Wilson (links vorn) und Klarinettist Benny Goodman (rechts vorn). Begraben wurde Billie Holiday neben ihrer Mutter Sadie Fagan auf dem St. Raymond's Cemetery in der Bronx.

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