"Washington Post" verkauft 136 Jahre Zeitungsgeschichte an Jeff Bezos
Jeff Bezos bei einer Amazon-Pressekonferenz 2012: Der Gründer des Internet-Versandhandels wird der neue Eigentümer der "Washington Post".
Bezos betont, er habe den Zeitungsverlag als Privatmann gekauft, nicht als Teil von Amazon. Der Kaufpreis soll 250 Millionen Dollar betragen.
Die "Washington Post" ist eine der drei angesehensten Zeitungen der USA. Sie wurde 1877 von dem Demokraten Stilson Hutchins gegründet. Die Auflage betrug damals 10.000 Exemplare, die Zeitung war vier Seiten dick und kostete drei Cents.
Seit 1996 hat die "Washington Post" natürlich auch eine Website (auf der im Bild der Verkauf gemeldet wird). Die Redakteure arbeiten sowohl für die Print- als auch für die Online-Ausgabe, beide Publikationen werden von einer gemeinsamen Zentrale aus redaktionell gesteuert.
Jeff Bezos im Gespräch mit Donald Graham bei einer Medien- und Technologiekonferenz im Sun Valley im Juli 2013: Graham verkündete am Montag den Verkauf des Zeitungsunternehmens, das seine Familie 80 Jahre lang besessen hatte.
Ein Fernsehteam auf der Suche nach Reaktionen nach der Verkündung des Verkaufs: Kurz vor der "Washington Post" hatten mit dem "Boston Herald" und "Newsweek" andere traditionelle US-Printmedien den Besitzer gewechselt.
In den letzten Monaten hatte das Blatt unter anderem mit der Veröffentlichung der NSA-Dokumente Furore gemacht, die der Whistleblower Edward Snowden der "Washington Post" und dem "Guardian" zugänglich gemacht hatte.
Vor allem aber ist die "Washington Post" berühmt für die Enthüllung der Watergate-Affäre - dank ihrer damaligen Reporter Carl Bernstein (links) und Bob Woodward.
Hier freuen sich Bernstein und Woodward darüber, dass sie für ihre Recherchen mit dem Pulitzer-Preis 1973 ausgezeichnet werden. Die Aufdeckung der Abhöraffäre durch die "Washington Post" gilt als Triumph der Pressefreiheit.
Die wichtigste Quelle, deren Identität jahrzehntelang unter dem Decknamen "Deep Throat" verhüllt wurde, war der FBI-Beamte Mark Felt (hier auf einem Foto aus dem Jahre 1958), der sich 2005 selbst enttarnte.
1974 trat Richard Nixon wegen der Watergate-Affäre als US-Präsident zurück - und kam damit einer drohenden Amtsenthebung zuvor.
Die Enthüllungsgeschichte wurde 1975 verfilmt, mit den Hollywood-Stars Dustin Hoffman und Robert Redford in den Hauptrollen der "Post"-Reporter Bernstein und Woodward.
Stummer Verkäufer der "Washington Post" in der US-Hauptstadt: Insgesamt 58 Pulitzerpreise konnten die Zeitung und ihre Journalisten bisher gewinnen.
Nicht prämiert, aber in jungen Jahren ebenfalls für die "Washington Post" tätig: Der 26. Präsident der Vereinigten Staaten, Theodore Roosevelt.
Der scheidende "Washington Post"-Aufsichtsratschef Donald Graham mit seiner Ehefrau Amanda Bennett: 1933 kaufte sein Vorfahre Eugene Meyer den damals bankrotten Zeitungsverlag für 825.000 Dollar.
Lange Zeit wurde die Besitzerfamilie Graham in finanziellen Fragen beraten durch Warren Buffett. Der Großinvestor hält weiterhin Anteile an dem Zeitungsunternehmen.
"Washington Post"-Leser: Ob es von ihnen in Zukunft noch genug geben wird, und ob sie den Journalismus der "Post" weiter auf Papier lesen werden - das sind die zentralen Fragen, denen sich der neue Eigner stellen muss.
In einem Interview mit der "Berliner Zeitung" hatte Jeff Bezos 2012 allerdings gesagt: "In 20 Jahren wird es keine gedruckten Zeitungen mehr geben. Wenn doch, vielleicht als Luxusartikel, den sich bestimmte Hotels erlauben, als extravaganten Service für ihre Gäste. Gedruckte Tageszeitungen werden in 20 Jahren nicht mehr normal sein."