Jörg Haider: - DER SPIEGEL
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Jörg Haider Der Wegbereiter der Rechtspopulisten

Seit einem Jahr regiert in Österreich die rechte FPÖ wieder mit. Bei ihrem Aufstieg spielte der 2008 verstorbene Jörg Haider eine Hauptrolle. Wie konnte der Populist und Provokateur so erfolgreich werden?
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Bad in der Menge: Jörg Haider war der wohl umstrittenste Politiker der Nachkriegsgeschichte von Österreich - von vielen Menschen geradezu verehrt (hier bei einem Wahlkampfauftritt 1994 in Wien), zugleich als Rechtspopulist und Provokateur gefürchtet. In mehr als 20 Jahren mit führenden Positionen in der FPÖ trug er maßgeblich dazu bei, Österreichs Politik nach rechts zu verschieben.

Foto: Jacqueline Godany
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Frühere Weggefährten: 1979 wurde Jörg Haider als jüngster FPÖ-Abgeordneter in den Nationalrat gewählt. Das Foto zeigt ihn mit Norbert Steger, seinem Vorgänger als Chef der FPÖ. Unter Steger waren die Freiheitlichen noch eine eher liberale Partei. 1986 sollte Haider bei einem Parteitag per Kampfabstimmung gegen Steger gewinnen: mit 55 zu 45 Prozent der Delegiertenstimmen.

Foto: ullstein bild/ Imagno
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Als Familienmensch präsentierte sich Haider in der Öffentlichkeit gern, hier mit seiner Frau Claudia und den beiden Töchtern. In seiner Partei umgab er sich mit jungen Männern, die er politisch förderte. Diese Gruppe wurde oft "Buberlpartie" genannt. Später war es ein offenes Geheimnis, dass Haider auch Beziehungen zu Männern pflegte.

Foto: epa apa Eggenberger/ picture-alliance/ dpa
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Zwei umstrittene Österreicher: Haider mit Kurt Waldheim, früherer Uno-Generalsekretär und von 1986 bis 1992 Bundespräsident. Wegen Waldheims vermuteter Beteiligung an NS-Kriegsverbrechen - er war in dieser Zeit Wehrmachtoffizier - entbrannte im Präsidentschaftswahlkampf 1986 eine Debatte. Erst diese Waldheim-Affäre führte zur Aufarbeitung der NS-Zeit in Österreich und zur Abkehr von der offiziellen Haltung, Österreich sei 1938 "erstes Opfer Adolf Hitlers" gewesen.

Foto: Sygma/ Getty Images
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Auftritt zur Europawahl (1994 in Bonn): Haider wollte geliebt, notfalls auch gehasst werden - Hauptsache, er wurde nicht ignoriert. Demonstranten, die ihn ausbuhten oder, wie hier, mit Eiern bewarfen, amüsierten ihn sichtlich.

Foto: Hermann J. Knippertz/ AP
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Wahlplakat von 1994: Rasch erkannte der FPÖ-Politiker, dass er mit ausländerfeindlichen Sprüchen ohne große Mühe viele Stimmen gewinnen und die Aufmerksamkeit der Medien bekommen konnte. Er genoss es geradezu, dass manche Beobachter ihn für eine Gefahr hielten. Aus seinen teils rechtsextremen Positionen machte er kein Geheimnis, hielt sich selbst aber keineswegs für rechts.

Foto: imago/ teutopress
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Als Landespolitiker in Kärnten fuhr Haider seine größten Erfolge fuhr Haider ein. Dort gab er den Landesvater, den nahbaren Helden, der so vielen Menschen wie möglich die Hand schüttelte. Seine Wählerinnen und Wähler liebten ihn dafür - und hielten auch in politischen Krisen zu ihm. Selbst dann, als er dem Dritten Reich eine "ordentliche Beschäftigungspolitik" bescheinigte und darüber zeitweise sein Amt als Landeshauptmann verlor.

Foto: GERT EGGENBERGER/ Associated Press
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Das Stehaufmännchen: Nach jedem Rückschlag kehrte Haider noch aggressiver, noch polternder zurück auf die politische Bühne. Die FPÖ führte er mit seinem rechtspopulistischen Kurs von Wahlerfolg zu Wahlerfolg. Dass er Sympathien für Altnazis hegte und Naziverbrechen verharmloste, schien ihm politisch sogar zu nützen.

Foto: RONALD ZAK/ Associated Press
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Neujahrstreffen der FPÖ (in Linz im Januar 1997): Zwei Jahre später erlebte er seinen größten politischen Erfolg, als er zum zweiten Mal, nach achtjähriger Unterbrechung, zum Regierungschef des Bundeslandes Kärnten gewählt wurde.

Foto: MARTIN GNEDT/ Associated Press
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Politische Geschwister: Das Foto zeigt Jörg Haider 1998 mit seiner Schwester Ursula Haubner. Sie war von 2005 bis 2007 Sozialministerin Österreichs und sorgte mit dem sogenannten Haubner-Kindergeld-Erlass für Aufregung, wonach Kindern von Ausländern, die legal in Österreich lebten, staatliche Leistungen gestrichen wurden. Eine spätere Regierung machte diesen Erlass rückgängig.

Foto: HELGE O. SOMMER/ Associated Press
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Haider mit der Landesflagge Kärntens: Der Politiker stammte zwar aus dem Salzkammergut, machte Kärnten aber zu seiner Heimat und betonte bei jeder Gelegenheit seine Verbundenheit mit diesem Bundesland. Warum nicht das Geld von morgen schon heute ausgeben? - das war jahrelang Teil seines Erfolgsrezeptes. Erst später sollte herauskommen, in welche Schulden Haider das Land durch Korruption und maßlose Ausgaben gestürzt hatte.

Foto: epa apa Eggenberger/ picture-alliance/ dpa
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"Zwei Mann, ein Wort" - das war der Titel eines "Gesinnungsquiz", das die "Süddeutsche Zeitung" im Dezember 1999 in ihrem Magazin veröffentlichte. Das Quiz enthielt Zitate von Jörg Haider und Adolf Hitler, nicht leicht unterscheidbar. International wurde Haider zum Sinnbild eines Rechtsextremen, der mit Ausländerfeindlichkeit politische Erfolge feierte.

Foto: RUDI BLAHA/ Associated Press
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"Wehret den Anfängen": Als die FPÖ im Jahr 2000 zusammen mit der bürgerlich-konservativen ÖVP eine Regierung bildete, formierte sich europaweit und darüber hinaus Protest gegen Österreich. Haider geriet unter Druck - und gehörte der Regierung nicht an, obwohl die FPÖ ihren Wahlerfolg vor allem ihm zu verdanken hatte. Er zog sich in die Kärntner Landespolitik zurück und polterte fortan noch lauter.

Foto: RONALD ZAK/ ASSOCIATED PRESS
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Haider beim Ulrichsbergtreffen im Oktober 2000 nahe der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt: Die Veranstaltung, eines der größten Kriegsveteranentreffen Europas, gilt auch als Zusammenkunft von Rechtsextremisten und früheren SS-Mitgliedern.

Foto: Nina Ruecker/ Getty Images
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Pose als kerniger Kärntner: Haider im Bärental in Kärnten, nahe der Grenze zu Slowenien. Hier hatte er einen Forstbetrieb geerbt, der ihn finanziell unabhängig machte. Die einstigen jüdischen Besitzer waren italienische Staatsbürger und wurden im Zuge der "Arisierung" zum Verkauf zu einem geringen Preis gezwungen, davon profitierte Haiders Familie.

Foto: GERT EGGENBERGER/ ASSOCIATED PRESS
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Faible für schnelle Autos: Haider fuhr gern Porsche, hier ein Foto aus dem Jahr 2002. Sein Hang zur Raserei sollte ihm sechs Jahre später zum Verhängnis werden.

Foto: GERT EGGENBERGER/ ASSOCIATED PRESS
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Auch Motorräder schätzte Haider - hier auf einer Harley Davidson an einem der vielen Seen in Kärnten.

Foto: Arno Wiedergut / dpa / picture alliance
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Saddams gern gesehener Gast: Haider hielt es kaum aus, nicht der Bundesregierung anzugehören, somit nicht in der ersten Reihe zu stehen. Daher begann er, Diktatoren wie Saddam Hussein (hier im Bild) zu besuchen und damit für Schlagzeilen zu sorgen. Seine Botschaft: "Seht her, ich treffe die ärgsten Feinde der USA, ich wage mich in die Höhle der Löwen, ich bin wichtig genug und schere mich nicht darum, was andere über mich denken!"

Foto: Getty Images
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Zu Besuch in Lybien: Auch Muammar al-Gaddafi traf Haider im April 2004 nahe Tripolis; der libysche Herrscher investierte viel Geld in Österreich.

Foto: Gert Eggenberger/ AP
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Mit Gaddafis Sohn Saif al-Islam Gaddafi war Haider - hier am Wörthersee in Kärnten - gut befreundet. Gaddafi junior hatte in Österreich studiert und pflegte enge Beziehungen zu dem Land und insbesondere zu Haider. Bei dessen Beerdigung im Oktober 2008 war Gaddafi zu Gast.

Foto: GERT EGGENBERGER/ AP
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Als der Dalai Lama 2006 nach Kärnten kam, um dem Grab des berühmten Bergsteigers und Entdeckers Heinrich Harrer einen Besuch abzustatten, traf er Haider. Auch mit solchen Bildern unterstrich Haider seinen Anspruch, in der internationalen Politik mitzumischen.

Foto: DANIEL RAUNIG/ AFP
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Abspaltung: Immer stärker überwarf Haider sich mit der FPÖ. Und immer stärker wurde sein innerparteilicher Rivale Heinz-Christian Strache, heutiger FPÖ-Chef und Vizekanzler von Österreich. Haider verließ die Partei, die er mit seinem rechtsextremen Kurs groß gemacht hatte, und gründete das "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) - als Konkurrenz zur FPÖ.

Foto: Ronald Zak/ AP
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Haider und seine Frau Claudia bei der Stimmabgabe in Klagenfurt am 28. September 2008. Bei der Nationalratswahl erzielte Haiders BZÖ 10,7 Prozent und legte damit deutlich zu. Im Wahlkampf hatte er erneut auf das Thema Zuwanderung gesetzt und mit ausländerfeindlichen Sprüchen für Aufmerksamkeit gesorgt. Obwohl er als Spitzenkandidat angetreten war, wollte Haider nach dieser Wahl Landeshauptmann in Kärnten bleiben.

Foto: AUSTRIA / REUTERS
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Wenn man einen weißen Anzug anhat: Er sage, was die Menschen denken, war eine häufige Aussage über Haider. Er hatte die Gabe, Menschen für sich einzunehmen. Und zudem die Gabe, sich Namen und Gesichter zu merken und sich auch Jahre später noch zu erinnern.

Foto: epa apa Herbert Pfarrhofer/ picture-alliance/ dpa
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Tödlicher Unfall: In der Nacht zum 11. Oktober 2008 trug es Haider in Lambichl nahe Klagenfurt aus einer Kurve. Sein Auto überschlug sich mehrfach und krachte gegen Hindernisse; Haider erlag seinen schweren Verletzungen. Den Ermittlungen zufolge war er stark alkoholisiert auf dem Heimweg ins Bärental und fuhr 142 Stundenkilometer, wo nur 70 erlaubt waren.

Foto: Gert Eggenberger/ AP
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Am Unfallort in Lambichl stellten Haiders Anhänger Kerzen auf. Er war 58 Jahre alt und verunglückte 13 Tage nach der Wahl, die ihn mit der BZÖ ins Licht der österreichischen Bundespolitik zurückgeführt hatte. Verschwörungstheoretiker raunten sogleich von einem Attentat, auch von K.-o.- Tropfen. Und natürlich muss es einer der üblichen Verdächtigen gewesen sein: der Mossad, ein anderer Geheimdienst, die Freimaurer oder auch internationale Banken.

Foto: MIRO KUZMANOVIC/ REUTERS
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Mit militärischen Ehren wurde Haider eine Woche nach dem Unfall in Klagenfurt beerdigt. Für viele Menschen in Kärnten und anderen Teilen Österreichs ist Jörg Haider bis heute ein Held, ein Mythos, jemand, der glühend verehrt wird. Politisch gesehen war er der Wegbereiter des Rechtspopulismus, der heute in ganz Europa und darüber hinaus erstarkt ist.

Foto: A2918 epa apa Schlager/ dpa
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