Jonathan Meese: Mama Johnny mit Hitlergruß - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Jonathan Meese Mama Johnny mit Hitlergruß

Er pinselt knallbunt-obszönes Zeug auf die Leinwand, tanzt bei der Musik von Rammstein über die Bühne wie ein Messias. Jonathan Meese, 36, ist der junge Star der deutschen Kunst.
1 / 8

Jonathan Meese, 36, links im Bild, will immer dahin, wo es weh tut - er bohrt kräftig in den Gewohnheiten des Kunstpublikums. Hier baut er mit Kollege Daniel Richter eine Ausstellung auf: "Die Peitsche der Erinnerung", Kunsthaus Stade, Januar 2006. Meese ist der versponnene Berserker der jungen deutschen Kunstszene.

Foto: DDP
2 / 8

Meese studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg von 1995 bis 1998. Seitdem stellt er aus, macht Lesungen, Theater, Performances. Seine ersten Installationen waren noch an der Hamburger Kunsthochschule zu sehen, seinen Durchbruch schaffte er mit einer Installation auf der Biennale in Berlin: Er kippte eine Müllhalde pubertärer Obsessionen zusammen, ein Horrorkabinett von Porno über Charles Bronson bis zu Slayer.

Foto: Gunter Glücklich
3 / 8

Ab da tourte Meese: Er stellte unter anderem aus in Frankfurt, Basel, Wien, London, Mailand, New York, Osaka. Jonathan Meese liebt die Provokation, manchmal könnte man denken: Er ist nach ihr süchtig. Bei einer Performance zur Eröffnung seiner Werkschau "Mama Johnny" in den Hamburger Deichtorhallen machte er das Hitlermännchen und ließ sich von Schauspieler Bernhard Schuetz...

Foto: AP
4 / 8

...einen passenden Bart rasieren. Meese sagt dazu: "Adolf-Firlefanz". Man müsse "die Diktatoren in die Bedeutungslosigkeit entlassen".

Foto: AP
5 / 8

Meese läuft immer in Adidas-Streifen-Jacke herum, ist meist fusselbärtig, trägt die Haare offen und lang. Hier posierte er im April 2006 in den Hamburger Deichtorhallen vor einem seiner Kunstwerke, das Romy Schneider zeigt und - ihn selbst. Titel: "Erzlove".

Foto: Gunter Glücklich
6 / 8

Fotografieren, Rauchen, Bier holen: Alles, was sich im Theater eigentlich nicht gehört, ist bei Meese ausdrücklich erlaubt, wenn nicht gar: erwünscht. Meese bekommt davon sowieso nichts mit, die meiste Zeit brüllt er und tanzt dabei. Hier rannte er am 24. Januar 2007 über die Berliner Volksbühne, bei seiner Performance "De Frau".

Foto: Thomas Aurin
7 / 8

Kniefall vor dem Glamour: Einen Tag zuvor, am 23. Januar 2007, verlieh ihm das Berliner Boulevard-Blättchen "B.Z." einen Kulturpreis. Die Laudatio hielt FDP-Chef Guido Westerwelle, Udo Jürgens trällerte als Glückwunsch-Ständchen "Griechischer Wein".

Foto: Getty Images
8 / 8

Ob man ihn nun mag oder nicht - von Jonathan Meese und seiner Kunst geht eine Faszination aus. Er ist in Europa, Asien, den USA bekannt wie kein anderer junger deutscher Künstler - und man kann gespannt sein, was er als nächstes macht.

Foto: Contemporary Fine Arts / Jan Bauer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?