Jüdische Prostitution in Südamerika Leidensweg der "weißen Sklavinnen"
Mädchen in Not: Um die Jahrhundertwende warnte das Deutsche Nationalkomitee zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels mit solchen Plakaten. Es wird empfohlen, sich im neuen Land direkt nach der Ankunft beim Auswandererbüro oder der Bahnhofsmission zu melden.
Geschäft mit heller Haut: Freier begutachten ein Mädchen in einem Zwi-Migdal-Freudenhaus, vor ihr steht der Kuppler. Die nach ihrem Gründer benannte Zuhälterorganisation betrieb mit jüdischen Frauen aus Europa rund 2000 Bordelle vorwiegend in Buenos Aires, aber auch in Rio de Janeiro, São Paulo und Montevideo.
Mafia-Synagoge: In Buenos Aires unterhielt der Zuhälterring Zwi Migdal sogar eine eigene Synagoge. Hier heirateten die Zuhälter die "Esclavas blancas", die weißen Sklavinnen, um sie an sich zu binden.
Mutige Zeugin: Die jüdische Russin Raquel Liberman kam 1922 mit ihren beiden Söhnen in Argentinien an. In Buneos Aires versuchte sie nach dem Tod ihres Mannes Arbeit zu finden - und landete in den Fängen eines Zuhälters. 1930 sagte sie gegen die Mitglieder der Zwi-Migdal-Bande aus und trug damit wesentlich zur Zerschlagung der Organisation bei.
Umschlagplatz für den Mädchenhandel: Bis zu 4000 Frauen, viele davon Jüdinnen, sollen um 1900 in Buenos Aires als Prostituierte gearbeitet haben. Etliche Mädchen aus Europa wurden in dem Rotlichtviertel La Boca am Hafen (Foto von 1936) zur Prostitution gezwungen.
Weiße Sklavin: Mit Geld lockten Kuppler häufig minderjährige Jüdinnen aus ärmlichen Verhältnissen nach Südamerika. Sie versprachen ihnen ein besseres Leben in der Fremde. Doch kaum in Amerika angekommen, platzte der Traum. Nachdem sie das Schiff verlassen hatten, wurden vielen Mädchen die Pässe abgenommen. Dann wurden sie in Bordelle geschickt und zur Prostitution gezwungen.
Vergessene Ruhestätte: An den Friedhof der jüdischen Prostituierten grenzt eine Favela, die von Drogengangs beherrscht wird. Im Hintergrund sind die Berge und Ziegelhäuser der Favela-Siedlungen des Complexo do Alemão zu erkennen.
Blondinen bevorzugt: 1931 lief in österreichischen Kinos das Drama "Gier nach Blond - Tänzerinnen für Südamerika gesucht" von Jaap Speyer. Der Film thematisiert den Handel mit Frauen, die per Zeitungsinserat von Europa nach Amerika gelockt und dort gezwungen werden, als Nackttänzerinnen aufzutreten.
Ankunft in Amerika: Zehntausende Frauen führte die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Neuen Welt in die Prostitution.
Auswandererfrauen verlassen 1908 einen transatlantischen Dampfer.
Aufarbeitung der Vergangenheit: In dem Buch "Maskentanz: Jüdische Frauen und Prostitution" (1996) erinnerte die Brasilianerin Beatritz Kushnir an das Schicksal der "Polacas" - und brach damit ein "absolutes Tabu" in ihrer Heimat, so die Autorin.
Täter und Opfer: Die Stiftung Neue Synagoge Berlin und das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven nahmen sich 2012 mit der Ausstellung "Der Gelbe Schein" im Centrum Judaicum in Berlin dem dunklen Kapitel der europäischen Auswanderungsgeschichte an.
Das zweite Porträt von links zeigt die 19-jährige Jüdin Paula Waismann. Sie wurde 1925 in einem Danziger Gasthaus festgenommen, wo sie mit ihrem Mädchenhändler saß. Die beiden waren auf dem Weg nach Mexiko.