Jüngste Abgeordnete Blut spenden für die Union
Ronja Kemmer, 28, kam in Esslingen am Neckar zur Welt. 2009 trat sie in die Junge Union und 2010 in die CDU ein. Bevor sie im Dezember 2014 in den Bundestag nachrückte, war sie studentische Mitarbeiterin eines Landtagsabgeordneten in Baden-Württemberg.
Letzte Sitzungswoche vor der Sommerpause: Am Donnerstagvormittag geht Kemmer zum Blutspenden ins Zelt den Roten Kreuzes, das neben dem Reichstag aufgebaut ist.
Sollte sie nervös sein, lässt sie es sich nicht anmerken. "Es ist immer etwas schwierig, bei mir die Adern zu finden", sagt Kemmer mit schwäbischem Akzent. "Ich darf halt net hingucken."
Kemmer wirkt freundlich, aber auch etwas reserviert. Ihre Sätze sind meist fehlerfrei ausformuliert, wie in den Ansprachen, die sie fast täglich hält, wenn sie in ihrem Wahlkreis Ulm unterwegs ist. Für Fotos neigt sie stets leicht den Kopf, richtet sich auf und legt die Hände zusammen - nur nicht auf diesem spontanen Bild kurz nach dem Blutspenden.
Selbst die Blutspende ist Teil des politischen Theaters in Berlin: Kemmer hat damit der Union einen weiteren orangefarbenen Klebepunkt beschert.
In Bundestagsdebatten, die es während der Sitzungswochen so häufig gibt, scheint Kemmer in ihren blauen Stuhl zu schmelzen.
Ihre erste eigene Rede im Plenum hielt sie im Mai 2015 zum Thema Europa. "Ich war sehr nervös", erinnert sie sich. "Alles andere wäre auch nicht normal gewesen." Zwei Mal hat Kemmer in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Bundestag sprechen dürfen. Wer wie lang und wie oft reden darf, ist im deutschen Parlament streng geregelt.
Der Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union, in dem sie sitzt, habe extrem wenige Redeanteile, sagt Kemmer. Dafür ist sie regelmäßig als Schriftführerin eingeteilt. Dann sitzt sie, wie hier, neben dem Bundestagspräsidenten oder seinen Stellvertretern und kontrolliert Redezeiten oder erstellt Rednerlisten.
Mittagessen mit Abgeordneten aus dem CDU-Bezirksverband Württemberg-Hohenzollern: Im Politiksystem der Hauptstadt findet sich Kemmer inzwischen zurecht, wie sie sagt. Richtig heimisch fühle sie sich dort nicht.
Kemmer hat ein Büro mit mehreren Mitarbeitern im Paul-Löbe-Haus. An der Tür hängt dieses historische CDU-Wahlplakat aus den Siebzigerjahren, weil das Model darauf ein bisschen aussehe wie ihre Büroleiterin in jungen Jahren, scherzt Kemmer.
Kemmer hofft auf einen Wahlsieg im September. Sie kandidiert als Direktkandidatin für den Wahlkreis Ulm, wo sie mit ihrem Mann wohnt, wenn sie beruflich nicht in Berlin ist.