Jugend in den Achtzigern Drückerkolonnen für die Weltrevolution
Junge Revolutionärin: Die Aktivistin des Sozialistischen Schülerbundes (SSB) Irmela Hannover auf dem "Festival der Jugend" in Dortmund. Sie war eine der Genossinnen von Adrian Geiges, der hier neue Mitkämpfer anwarb.
Proteste gegen den Nato-Doppelbeschluss: Eine besondere Masche des kommunistischen Jugendverbands SDAJ war es, Wehrpflichtige in "Arbeitskreisen demokratischer Soldaten" zu organisieren. Oft marschierten diese an der Spitze von Friedensdemonstrationen wie hier 1983 in Mutlangen.
Frieden mit Frankenstein: Um junge Leute für Politik zu begeistern mischte sich die kommunistische Jugendzeitschrift "Elan" mit witzigen Stickern in den Wahlkampf ein.
Dunstkreis der Friedensbewegung: Die Friedensliste war ein in den achtziger Jahren gegründetes Wahlbündnis linker Parteien, das aber eindeutig von der DKP dominiert wurde. Daher erschienen auch ihre lustigen Wahlkampfsticker als Beilage in der "Elan", dem Magazin der DKP-Jugendorganisation SDAJ. Mit dem Niedergang der DKP Ende der Achtziger löste sich die Friedensliste dann auch wieder auf.
Für einen waffenfreien Urwald: Die Friedensliste trat zum ersten Mal in ihrem Gründungsjahr 1984 zur Europawahl an und erreichten 1,3 Prozent der Stimmen. Zur Bundestagswahl 1987 stellten sie schon keine Liste mehr auf, sondern kandidierten stattdessen mit Direktkandidaten in den Wahlkreisen und riefen zur Wahl der Grünen und der SPD auf.
Hand in Hand gegen Raketen: Am 22. Oktober 1983 fand eine besonders große Aktion der Friedensbewegung statt. Mit einer mehr als 100 Kilometer langen Menschenkette zwischen Neu-Ulm in Bayern und Stuttgart in Baden-Württemberg protestierten die Teilnehmer - teilweise zweireihig - auf der Straße gegen die Stationierung von US-Raketen in Deutschland. Zu dem eindrucksvollen Aktionstag, den die Friedensbewegung organisiert hatte, gehörten auch Großkundgebungen in verschiedenen deutschen Städten.
Blumenhelm: Zu den Prominenten der deutschen Friedensbewegung der achtziger Jahre gehörten die Mitbegründerin der Grünen, Petra Kelly, und ihr Lebensgefährte, der ehemalige Bundeswehr-General Gert Bastian. Hier demonstrieren die beiden - sie mit Blumen am Helm, er links hinter ihr - im September 1983 vor der US-Raketenbasis in Mutlangen.
Schmidts Raketenpolitik: Anfang der Achtzigerjahre rief die Friedensbewegung immer wieder zu Demonstrationen gegen den Nato-Doppelbeschluss und die damit verbundene Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Westeuropa auf. Viele Sozialdemokraten, darunter auch Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder, sympathisierten mit der Friedensbewegung, was für die SPD zu einer harten Belastungsprobe werden sollte. Denn Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte sich klar zum Nato-Doppelbeschluss bekannt, und musste nun zusehen, wie sich Regierung und Parteibasis immer weiter voneinander entfernten. Als 1981 selbst der Parteivorsitzende Willy Brandt öffentlich seine Zweifel an der Rüstungspolitik von Schmidt äußerte, brach die Kluft innerhalb der Partei endgültig auf.
Rauchen für den Frieden: "Frieden schaffen ohne Waffen" und "Nie wieder Krieg" waren die Slogans der Friedensbewegung in den Achtzigern, die von vielen Intellektuellen unterstützt wurde. Der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll (M., mit Baskenmütze) mischte sich am 1. September 1983 unter Demonstranten, die das US-Militärdepot in Mutlangen drei Tage lang blockierten.
Kirchentags-Demonstration: Nicht nur politische Gruppierungen, auch Vertreter der Kirchen gehörten in den Achtzigern zur Friedensbewegung. So marschierte Berlins Altbischof Kurt Scharf Seite an Seite mit dem Grünen-Bundestagsabgeordnete und Ex-General Gert Bastian (Bildmitte) am 11. Juni 1983 inmitten anderer Teilnehmer an der Spitze des Demonstrationszuges gegen Aufrüstung und für den Frieden anlässlich des 20. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Hannover.
Freie Liebe contra Aufrüstung: Tausende demonstrierten 1983 im schwäbischen Mutlangen gegen den Nato-Doppelbeschluss und die Stationierung von US-Raketen vom Typ Pershing II. Der Slogan "Petting statt Pershing" hat die amerikanischen Soldaten vermutlich weniger schockiert als die Eltern demonstrierender Bürgerstöchter.
Stell dir vor ...: Diese nette Abwandlung des damals verbreiteten "Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin" fand sich an einer Wand des Bahnhofs Wuppertal-Rott Mitte der Achtzigerjahre. Mit einer Runde Freibier konnte so mancher SDAJler auch noch hartnäckige Gegner dazu überreden, der DKP-Jugendorganisation beizutreten.
Zaun Mutlangen: Demonstration gegen Nato-Mittelstreckenraketen in Mutlangen im Herbst 1983
Demonstranten und Polizei: Demonstration gegen Nato-Mittelstreckenraketen in Mutlangen im Herbst 1983