Porträts junger Spanier "Hauptsache nicht hierbleiben"
Manuel, 21 Jahre, jobbt als Außendienstmitarbeiter: "Seit Beginn der Krise machen mein Vater und ich fast jede Arbeit, und es ist schwierig, mit unserem Geld bis zum Monatsende hinzukommen. Ich habe schon versucht, nach London auszuwandern, aber wegen der hohen Mieten bin ich wieder zurückgekommen. Ich versuche, so viele Jobs wie möglich zu machen mit dem Ziel, Geld anzusparen, und dann möchte ich versuchen, wieder wegzugehen - egal wohin. Hauptsache nicht hierbleiben."
Beatriz, 20 Jahre, studiert Pharmazie: "Zuerst möchte ich mein Studium in Spanien beenden, einen Master machen und dann in englischsprachige Länder gehen, da es in Spanien keine Forschungsmöglichkeiten gibt. Meine Mutter arbeitet als Lehrerin und mein Vater ist vor drei Jahren im Alter von 60 Jahren arbeitslos geworden, als die Firma geschlossen wurde. Ich denke, dass viele in Spanien über ihre Verhältnisse gelebt haben, weil sie sich fast alles über Kredite finanziert hatten."
Alejandro, 18 Jahre, Schüler: "Ich weiß nicht, was ich nach der Schule machen soll. Mein Onkel hat seine Arbeit verloren und möchte nach Äquatorialguinea auswandern, woher seine Frau stammt. Dort soll es bessere Arbeitsmöglichkeiten geben als hier. Die Politiker wissen nicht, wie sie das Land führen sollen, und sorgen nicht für eine gerechtere Verteilung der Einnahmen. Ich vertraue nur meinen Eltern, denn die waren immer für mich da und werden auch in Zukunft für mich da sein."
Juan Carlos, 25 Jahre, (mit seinem Hund Nana), Ingenieur, macht einen Master in erneuerbaren Energien, arbeitet als Kellner: "Im Studium wurde uns keine Praxis vermittelt und ohne Berufserfahrung habe ich in meinem Bereich keine Chance, eine Stelle zu finden. Wenn es überhaupt eine offene Stelle gibt, so erhält die nur jemand mit mehrjähriger Berufserfahrung und guten Sprachkenntnissen. Ich lerne seit zwei Jahren Deutsch, wenn es aber so weitergeht, werde ich nach Bolivien auswandern."
Latizia, 15 Jahre, Schülerin: "Nach der Schule möchte ich Psychologie studieren und hierbleiben. Aber ich habe Angst, dass ich später keine Arbeit finde. An Auswandern habe ich noch nicht gedacht und wüsste auch nicht wohin. Meine Familie ist von der Krise noch nicht betroffen. Ich finde aber, dass die Menschen egoistischer geworden sind und dass es weniger Hilfe gibt. Ich weiß nicht, wer verantwortlich ist, vielleicht haben wir uns selbst in diese Lage gebracht."
Lidia, 20 Jahre, gibt Unterricht an verschiedenen Akademien und privaten Mathematikunterricht: "Ich erhalte nur befristete Verträge für drei bis vier Monate. Ursprünglich wollte ich als Lehrerin an öffentlichen Schulen arbeiten und hatte extra die Auswahlprüfung für den öffentlichen Dienst gemacht und bezahlt, aber aufgrund der Sparmaßnahmen sind keine Stellen mehr freigegeben worden. Und an private Schulen gelangt man nur über Beziehungen. Ich bin zumindest froh, dass ich unterrichten kann."
Beatriz, 25 Jahre, Praktikum als Beraterin: "Im Sommer werde ich wohl einen unbefristeten Vertrag erhalten, da ich in einer internationalen Firma arbeite. Alle sind jetzt von der Krise betroffen, ich habe einfach Glück, dass ich rechtzeitig meine Stelle gefunden habe. Ich habe in Deutschland Freunde, die für eine ähnliche Arbeit, wie ich sie mache, mehr bekommen, aber ich möchte auch gerne in der Nähe von meiner Familie bleiben. Was mir hier besonders fehlt, das ist die Anerkennung und der Respekt für meine Arbeit."
Jaime Leon, 20 Jahre, Ausbildung zum Industriekaufmann: "Ich bin in Deutschland zweisprachig aufgewachsen und mache jetzt an der ASET (deutsche Auslandsberufsschule) eine zweijährige Ausbildung zum Industriekaufmann. Zu Hause sprechen wir schon über die Krise und ich habe auch Freunde, die ihre Jobs verloren haben. Inzwischen höre ich immer häufiger Kommentare gegen Angela Merkel und die deutsche Politik. Ich denke aber, dass die Immobilienblase und die zu großzügige Vergabe von Krediten die Gründe für die Krise sind. Wenn ich mit der Ausbildung fertig bin, möchte ich gerne wieder nach Deutschland gehen und etwas im Wirtschaftsbereich studieren."
Rebeca, 36 Jahre, Fahrlehrerin: "Statt 40 Stunden arbeite ich jetzt für das gleiche Gehalt 55 Stunden in der Woche. Ich fühle mich müde und es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren, und darunter leidet die Qualität meiner Arbeit. Die gesamte Verantwortung trägt jetzt meine Generation, und die Zukunft sehe ich sehr düster. Falls ich meine Arbeit verliere, würde ich mich innerhalb Europas nach anderen Möglichkeiten umsehen."
Paula, 23 Jahre, studiert Musik: "Ich spiele neben meinem Studium Bass, um Geld zu verdienen. Den größten Gewinn erziele ich mit Bass spielen auf der Straße. Nach dem Studium gehe ich nach Brüssel, weil die Stadt kleiner ist und dort gute Musiker leben. Ich werde versuchen, mich dort weiter ausbilden zu lassen. Meine Eltern unterstützen mich im Studium, da die staatlichen Zuschüsse gestrichen wurden."