Jusos über die SPD "Wir müssen die GroKo verlassen"
Alexander Kunath, 24, Rechtsreferendar aus Cottbus: "Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker, komme aus einem sozialdemokratischen Haushalt und bin seit 2010 bei den Jusos. Zwei Jahre später bin ich in die SPD eingetreten, weil ich mich mit den Grundwerten identifizieren kann: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Ich engagiere mich netzpolitisch und kämpfe gegen Hate Speech und jede Art von Diskriminierung. Die SPD hat in den vergangenen Jahren zu viele halbgare Kompromisse gemacht. Wir müssen wieder lernen, besser zu verhandeln."
Sophie Koch, 26, Dresden: "Ich mache Öffentlichkeitsarbeit für eine Hilfsorganisation und bin Juso-Landesvorsitzende in Sachsen. Im September habe ich vergeblich für den Landtag kandidiert. Die Entscheidung für die SPD fiel 2013: Damals habe ich ein Praktikum im Landtag gemacht und mich tierisch über die verquaste Sprache der Abgeordneten aufgeregt. Mein damaliger Chef meinte nur: Mit Meckern veränderst du nichts. Also habe ich mitgemacht. Die SPD hat sich zu lange den Kompromissen in der GroKo untergeordnet. Wir müssen zurück zu unseren Grundwerten. Ich will etwas beitragen, kämpfe gegen den Rechtsruck und will ein Sprachrohr für junge Menschen sein."
Kurt Fischer, 19, Student aus Potsdam: "Ich bin mit 16 SPD-Mitglied geworden. Aus Überzeugung. Da war Sigmar Gabriel noch Parteichef. Mich hat die Streitkultur bei den Jusos und in der SPD überzeugt. Die Krise der Partei wurmt mich. Eigentlich machen wir unsere Sache in der Regierung sehr gut, wir müssen das nur besser kommunizieren. Als neue Parteichefs habe ich Klara Geywitz, die auch aus Brandenburg kommt, und Olaf Scholz gewählt."
Armin Möller, 22, Student aus Berlin: "Ich bin im Februar 2017 in die SPD eingetreten. Das lag aber nicht am Schulz-Hype, der damals gerade im Gang war. Auslöser für mich waren intensive Diskussionen mit meinem Vater in Mönchengladbach. Wir haben oft über Abtreibung, Migration und Militärausgaben gestritten. Mein Vater hat mich politisiert - auch wenn wir meist gegensätzlicher Meinung waren. Die SPD muss ihre linken Kernforderungen stärker in die Öffentlichkeit bringen und sich von der Union distanzieren. Wir brauchen zwei unterscheidbare Volksparteien."
Hanna Reichhardt, 25, Studentin aus Frankfurt am Main und Mitglied im Juso-Bundesvorstand: "Ich bin in der SPD, weil die Partei die richtigen Antworten geben kann, um eine sozial gerechtere Gesellschaft hinzubekommen. Das war zuletzt nicht immer so. Auch wenn es Schritte in die richtige Richtung gibt, ist das noch lange nicht genug. Die Probleme sind viel zu groß, als dass wir sie mit der Union lösen könnten. Wir müssen die GroKo verlassen."
Lilli Wouhbé, 21, Jurastudentin aus Bochum: "Für mich kam nie eine andere Partei infrage. Seit knapp zwei Jahren bin ich jetzt Mitglied. Der Auslöser war das Gefühl, dass auch junge Menschen in der Politik mitmischen müssen. Neben der sozialen Frage hat mich die starke feministische Säule bei den Jusos gereizt. Ich wünsche mir eine jüngere, modernere SPD, die sich auf ihre Grundwerte besinnt und selbstbewusster auftritt. Die Mitbestimmung beim Duell um den Parteivorsitz ist ein guter Anfang, ich hoffe, dass Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans gewinnen."
Hatice Sit, 18, Schülerin aus Braunschweig: "Ich bin im Sommer 2017 zu den Jusos gegangen, um etwas gegen den Rechtsruck in Deutschland zu tun. Am nächsten Wochenende demonstriere ich gegen den AfD-Parteitag in meiner Stadt. In die SPD bin ich im vergangenen Jahr eingetreten. Ich habe das Gefühl, dass ich auf kommunaler Ebene etwas verändern kann. Bei uns haben wir erreicht, dass das Schülerticket statt 60 Euro nur noch 15 kostet."
Felix Johst, 26, Student aus Hamburg: "Ich bin seit 2011 Sozialdemokrat, da ging es der Partei noch besser. Ich habe von SPD-Politik profitiert, vom Bafög und vom Kindergeld. Es reicht nicht, nur eine Seite zu vertreten, zum Beispiel in der Klimapolitik. Wir müssen bei unseren Entscheidungen die Mehrheit der Menschen mitnehmen. Ich wünsche mir eine SPD, die wieder stolz auf sich ist und auch so auftritt. Wir sind kein Anhängsel der Union, sondern haben einen Führungsanspruch als linke Volkspartei."