Käpt'n Jürgen Schwandt - DER SPIEGEL
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Seebär Käpt'n Jürgen Schwandt - der Ozean, ein Mann, ein Wort

Jahrzehntelang befuhr Kapitän Jürgen Schwandt die Weltmeere und entkam dem Tod oft nur knapp. Seine Biografie "Sturmwarnung" ist das Zeugnis einer vergangenen Seefahrt-Epoche und die Geschichte eines Mannes, der Haltung zeigt - auf dem Meer, an Land und im Internet.
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Abenteurer: Kapitän Jürgen Schwandt ist auf hoher See "Neptun oft um Haaresbreite von der Gabel gesprungen", wie er es formuliert. Sein Leben sieht er als "großes Abenteuer". Schwandt hat in Jahrzehnten auf See allerhand erlebt - Stürme, Krisen, Momente zwischen Leben und Tod.

Foto: Ankerherz Verlag
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Nach dem Sturm: Ein Orkan im Dezember 1955 stellte Schwandt auf die härteste Probe. Die Brücke des Frachters "Franziska Sartori" war völlig zerstört. Zwei andere Schiffe kenterten im schweren Unwetter auf dem Nordatlantik, Schwandts Besatzung hatte Glück. Angst hatte er weder während des Sturms noch danach, sagt Schwandt: "Furcht hatte ich nie vor etwas, außer vor einem eingeengten Leben unter spießigen Konventionen."

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Mann mit Weitblick: Der Käpt'n kann stundenlang auf das Meer schauen. Langweilig wird ihm dabei nie: "Man muss die See als Landschaft begreifen. Sie ändert sich ständig. Das Wasser ist mal grün, mal blau, mal grau. Die Wolken spiegeln sich darin, die Sonne glitzert auf den Wellen. Und dieser weite Blick - das fasziniert mich heute noch." Auch seinen Urlaub hat er immer an der See verbracht. Nur einmal ist er nach Österreich in die Berge gefahren: "Das mache ich nie mehr. Hier 'ne Wand, da 'ne Wand, dort drüben 'ne Wand und da noch eine. Wie im Knast!"

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Kameradschaft: Schwandt als junger Matrose - für viele Seefahrer war die Besatzung ein Familienersatz. "Das schweißt zusammen", meint der Seebär. Für ihn war ein Schiff nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern auch Wohnzimmer und Heimat. Es dauerte eine Weile, aber inzwischen hat Schwandt dieses Heimatgefühl auch an Land entwickelt.

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Immer auf Reisen: Jürgen Schwandt als junger Offizier Anfang der Sechzigerjahre. Er wuchs in den Trümmern Hamburgs auf. Manche seiner früheren Freunde wurden später kriminell oder landeten in der Gosse. "Dass ich einen anderen Weg nahm, hängt auch mit der Liebe zur See zusammen." 1966 wurde er Kapitän.

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Nichts ausgelassen: Der Alltag an Bord war hart. An Land wollten die Seefahrer dann das Leben feiern. "Alkohol gehört zur Seefahrt wie die Gischt zur Welle, und jedes Klischee, das einem zu diesem Thema einfällt, stimmte zu unserer Zeit mit der Realität überein", erzählt Schwandt in seiner Biografie.

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Harte Schule: Besonders zu Beginn seiner Seefahrerzeit hatte Jürgen Schwandt (Zweiter von links) mit den Bedingungen an Bord zu kämpfen. Die Arbeit war anstrengend und schlecht bezahlt, die Unterbringung so miserabel wie die Verpflegung.

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Eisige Gefahr: Bei Minustemperaturen konnte es passieren, dass die gefrierende Gischt das Deck mit einer dicken Eisschicht überzog. Dann gab es keine Zeit zu verlieren. Die Matrosen mussten das Schiff davon befreien, denn sonst bestand die Gefahr, dass es kenterte.

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Handarbeit: Das Beladen des Schiffs war keine leichte Aufgabe. Oft glich es einem Puzzle. Damals gab es noch keine Container. Neben Holz hatte Schwandt auch öfter exotische Ladung an Bord: zum Beispiel 100 Kühe der Rinderrasse Holsteiner, mit denen jemand im ägyptischen Alexandria eine Milchviehzucht eröffnen wollte.

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Tägliche Routine: Jürgen Schwandt bestimmte die Position des Schiffs mit einem Sextanten. Heute werden die Schiffe mit Satellitentechnologie und elektronischen Seekarten über die Meere gelotst, Computer können die Position eines Schiffs bis auf wenige Meter genau ausrechnen. "Wir sagten immer: Navigation ist, wenn man trotzdem ankommt", meint Schwandt.

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Fels in der Brandung: Heute noch reist Schwandt alle zwei Jahre an Bord eines Frachters als Passagier irgendwo hin. Was einen guten Kapitän ausmacht? "Das zeigt sich oft erst in Krisensituationen. Wenn er hektisch wird, überträgt sich dies auch auf die Mannschaft. Es gehört dazu, seine wahren Gefühle auch einmal zu verbergen."

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In Zivil: Mittlerweile fühlt sich der Käpt'n auch an Land heimisch. Seine Kolumnen in der "Hamburger Morgenpost" haben ihn bekannt gemacht: "Hunderte, Tausende Menschen schreiben mir E-Mails und Briefe, ich werde in Hamburg auf der Straße angesprochen und musste sogar schon Autogramme geben."

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?