Kaiser Wilhelm II. und seine Pilgerfahrt nach Jerusalem - DER SPIEGEL
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Kaiser Wilhelm II. in Jerusalem Pilgerfahrt mit Prunk und Pomp

Ein Hafen wurde erweitert, historische Wege geebnet und Jubelgesänge einstudiert: Als Kaiser Wilhelm II. 1898 Jerusalem besuchte, geriet der Empfang zum rauschenden Fest. Dabei wollte der Monarch sich als einfacher Pilger inszenieren - doch statt Demut dokumentierten Fotografen nur seine Prunksucht.
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Triumphaler Einzug: Kaiser Wilhelm II. nebst Gattin Auguste Victoria ritten am 29. Oktober 1898 auf Schimmeln in Jerusalem ein. Auf ihrem Triumphzug durch die Stadt passierten sie drei extra für sie errichtete Bögen und Tausende Schaulustige, die aus der ganzen Welt gekommen waren, um den Kaiser zu sehen.

Foto: Public Domain
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Standsgemäß statt Pilgerpfad: Der Einzug des deutschen Kaisers in Jerusalem war ein riesiges PR-Spektakel - auch wenn das nicht dem Bild des einfachen Pilgers entsprach, das Wilhelm II. eigentlich in Deutschland verbreitet wissen wollte.

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Begrüßungskomitee: Türkische Soldaten säumen während einer Parade zu Ehren des kaiserlichen Besuchs die Straßen von Jerusalem. Palästina gehörte zu dieser Zeit offiziell zum Osmanischen Reich.

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Mit Blick auf das Ereignis: In einem Triumphzug zog Kaiser Wilhelm II. am 29. Oktober 1898 in Jerusalem ein. Das Spektakel zog Tausende Schaulustige an. Die Hotels und Pensionen waren ausgebucht, Anwohner entlang der Route vermieteten ihre Balkone und Dächer.

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An der Erlöserkirche: Höhepunkt der Reise war die Einweihung der Erlöserkirche am 31. Oktober 1898.

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Kaiserliches Lager: Das Zeltlager für den Kaiser und sein Gefolge vor Jerusalem war mit allem Komfort ausgestattet. Reiche Haushalte der Stadt stifteten Möbel, Teppiche und Ausstattung, so dass es im Zelt Wilhelms II. wie in einem "eleganten orientalischen Wohnzimmer" aussah, so Bertha Spafford Vester. Die Tochter eines bekannten amerikanischen Anwalts, die in Jerusalem lebte, hatte damals die Innenausstattung der Zelte übernommen.

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Gut dokumentiert: Die Reise des Kaisers wurde gleich von mehreren Dokumentaren festgehalten. Darunter Fotografen, Postkartenzeichner und Maler, die seine Pilgerfahrt auf Gemälde bannen sollten.

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Kaiserliches Sightseeing: Zum Abschluss seiner Orientreise besuchte Kaiser Wilhelm II. noch einige Sehenswürdigkeiten im Libanon und in Syrien. So wohnte er am 10. November 1898 auch dieser feierlichen Enthüllung einer Erinnerungstafel im libanesischen Baalbeck bei.

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Sightseeing: Kaiser Wilhelm II. beim Grab der Könige in Jerusalem.

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Touristenprogramm: Organisiert wurde die Reise zu weiten Teilen vom Reisebüro Thomas Cook. In der Woche, die das Kaiserpaar in Jerusalem verbrachte, besuchten es auch das Grab der Könige.

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Einreise in Jerusalem: Im Tross des Kaisers waren neben unzähligen Pilgern auch 200 offizielle Gäste.

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Das kaiserliche Zelt: Für den Kaiser und sein Gefolge war außerhalb der Stadtmauer ein Feld frei geräumt worden, auf dem ein prächtiges Zeltlager errichtet wurde. Hier konnten das Kaiserpaar und ihr Gefolge standesgemäß nächtigen.

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Am "Kaiserdamm": Damit Kaiser Wilhelm II. mit seiner Yacht standesgemäß in Haifa anlegen konnte, war vorher eigens eine Mole gebaut worden - der "Kaiserdamm".

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Programmpunkt Felsendom: Die Jerusalem-Reise Kaiser Wilhelms II. hatte eher einen religiösen als einen politischen Charakter. Dementsprechend gestaltete sich auch das Programm. Hier besucht der Herrscher den Felsendom auf dem Tempelberg.

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Kirchenbesucher: Wie schon sein Vater Friedrich III. bereiste auch Wilhelm II. das Heilige Land. Da sein Vater bei seiner Reise allerdings noch Kronprinz war, hatte der Besuch des Kaisers eine besondere Bedeutung: der letzte deutsche Monarch hatte 670 Jahre vorher das Heilige Land besucht. Hier befindet Wilhelm II. sich gerade vor der Jerusalemer St. George's Cathedral.

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Komplikationen: Viele der Straßen, auf denen Wilhelm II. reiste, hatten für den hohen Besuch noch extra gebaut werden müssen. Komplikationen gab es trotzdem. So mussten die kaiserlichen Paradereiter während einer Fahrt nach Jaffa ans Ende der Karawane wechseln, da der von den Pferdehufen aufgewirbelte Staub das Kaiserpaar belästigt hatte.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?