Kalenderblatt: 2.5.1989 Geschichte schreiben mit dem Bolzenschneider
Ein Loch im Zaun: Vor Hunderten Journalisten verkündete der ungarische General Balas Novacki am 2. Mai 1989, dass Ungarn baue seine Sperranlagen an der Grenze zu Österreich demontieren werde. Begonnen hatten ungarische Grenzer damit insgeheim schon am 18. April.
Rolle rückwärts: Abertausende DDR-Bürger sahen in der Öffnung der Grenze von Ungarn nach Österreich die ersehnte Chance, aus dem SED-Staat in den Westen zu entkommen. Zwar war die Ausreise aus Ungarn für DDR-Bürger bis zum 2. September 1989 immer noch illegal, aber wenigstens nicht mehr potenziell tödlich.
Politik mit der Zange: Ab dem 2. Mai 1989 fielen an der ungarisch-österreichischen Grenze täglich 600 Meter Stacheldraht.
Massenflucht von DDR-Bürgern nach Österreich: Im August 1989 nutzten 500 DDR-Bürger ein paneuropäisches Picknick an der ungarisch-österreichischen Grenze, bei dem ein Grenztor symbolisch geöffnet wurde, zur Flucht in den Westen.
Politik der Tat: Am 27. Juni 1989 rückten der damalige ungarische Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Amtskollege Alois Mock (ÖVP) dem Eisernen Vorhang persönlich mit Bolzenschneidern zu Leibe.
Grenzgänger: Jubelnd und mit Freudentränen in den Augen erreichten am 19. August 1989 etwa 600 DDR-Bürger österreichisches Staatsgebiet. Sie hatten eine Veranstaltung der Paneuropa-Union an der ungarisch-österreichischen Grenze zur Flucht in den Westen genutzt.
Über den Zaun in die Botschaft: Nicht nur in Ungarn, auch in der Tschechoslowakei wurden 1989 die Grenzen zum Westen brüchig. Im September flüchteten Hunderte DDR-Bürger auf das Gelände der bundesdeutschen Botschaft in Prag und warteten dort teilweise wochenlang, bis sie schließlich in die Bundesrepublik ausreisen durften.
Verschlossene Türen: Zahlreiche DDR-Bürger stehen im August 1989 vor der bundesdeutschen Botschaft in Budapest Schlange, um sich einen Westpass zu besorgen. Die Alternative über diese legale Form der Ausreise war die Flucht über die "grüne Grenze" nach Österreich, wo ab Mai die Sperranlagen abgebaut wurden.
Fluchtpläne: DDR-Bürger machen sich am 17. August 1989 vor der deutschen Botschaft in Budapest auf einer Landkarte über den Verlauf der grünen Grenze kundig. Bereits seit Mai flohen die Menschen von hier über Österreich in die Bundesrepublik, bis drei Monate später schließlich auch die innerdeutsche Grenze fiel.
Achtung Staatsgrenze: An der Grenze zu Ungarn blickten wir 1987 vom Burgenland in das abgesperrte Gebiet. Dieses Foto zur Erinnerung an die Teilung Europas wollten wir unseren Kindern zeigen, aber es kam alles ganz anders!