Kalter Krieg: Der Friseur und das U-Boot - DER SPIEGEL
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Kalter Krieg Der Friseur und das U-Boot

Als Kind entdeckte Mariusz Szymanski ein mysteriöses Gefährt. Es war der geheime Prototyp eines Mini-U-Boots. Der Warschauer Pakt wollte damit Schiffe der NATO versenken. Doch "B155" war nie einsatzbereit. Jetzt taucht es - mit Mariusz.
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Oben offen: Anders als ein echtes U-Boot hat dieses Unterwasserfahrzeug keine Druckkabine. Der Insasse trägt einen Taucheranzug und atmet mittels eines "Rebreathers", der das Kohlendioxid aus der ausgeatmeten Luft filtert und diese wieder zurückführt. Anders als bei herkömmlichen Atemgeräten steigen so keine verräterischen Luftblasen zur Wasseroberfläche auf. – Die ganze Geschichte dieses geheimen Prototyps lesen Sie hier.

Foto: privat
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Tauchfahrt im Schwimmbecken: Bevor sich Mariusz Szymanski mit "Blotniak B155" in die raue Ostsee wagte, testete er das Gefährt unter verschiedensten Bedingungen - auch im Pool.

Foto: privat
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Ein-Mann-Fahrzeug: Blick von oben auf die Steuerkonsole.

Foto: privat
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Bemannter Torpedo: Die Staaten des Warschauer Paktes waren nicht die Einzigen, die während des Kalten Krieges Bedarf an Unter-Wasser-Kleinstfahrzeugen sahen. Ein israelisches Mini-U-Boot von 1967.

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Doppelsitzer: Die sowjetische Variante wurde als "Triton-1M" bekannt. In den Jahren 1972/73 erfolgreich getestet, gelangte das Gefährt - anders als die Projekte der Waffenbrüder in Polen und der DDR - zu Serienreife.

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Zur Schau gestellt: Froschmänner vor sowjetischem Mini-U-Boot "Triton-1M". Die Aufnahme entstand möglicherweise bei einer Militärparade. Die Entwicklung des Fahrzeugs selbst war unter strengster Geheimhaltung erfolgt.

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"Triton-1M" firmierte bei den Sowjets unter der abstrakten Bezeichnung "Projekt 907". Der kyrillische Buchstabe in der Kennung "B-483" entspricht dem deutschen "W" und steht für den Namen "Wolna", zu deutsch: Welle. Die Beschriftung hat auf den ersten Blick Ähnlichkeit...

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...mit der des polnischen Modells. Hier aber ist das "B" ein lateinischer Buchstabe und steht für "Blotniak", der Name eines Greifvogels, der Weihe. Die Aufnahme zeigt Mariusz Szymanski mit einem ehemaligen Offizier der polnischen Armee: Bartek Jakus (r.) hatte den Prototypen in den Siebzigerjahren mit konstruiert - Jahrzehnte später half er, das Gefährt wieder tauchfähig zu machen.

Foto: privat
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Vorläufer: Unterwasserfahrzeuge wie diese waren bereits im Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Die Aufnahme von 1943 zeigt das Bedienpult eines britischen "Chariot", zu deutsch: Streitwagen, wie das Gefährt der Royal Navy genannt wurde. Gebräuchlich ist in diesem Zusammenhang auch...

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...die Bezeichnung "Torpedoreiter". Warum, das lässt sich unschwer in dieser Aufnahme eines Chariots während des Zweiten Weltkriegs in Loch Striven vor Rothesay, Schottland, erkennen. Die beiden Taucher "reiten" auf diesem Modell hintereinander.

Foto: Imperial War Museum
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Das Schwein: Die italienische Marine war eine der ersten, die bemannte Torpedos einsetzte - bereits am Ende des Ersten Weltkriegs. Bei dem abgebildeten "Maiale" (deutsch: Schwein) handelt es sich um eine Weiterentwicklung aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Kurz vor Kriegsbeginn: Polens neuer Kriegshafen an der Ostsee im Juni 1939. Zwar hatte das nach dem Ersten Weltkrieg wiedererstandene Polen das Recht, den Handelshafen der Freien Stadt Danzig zu nutzen, die Polen zogen jedoch den Bau eines eigenen Hafens vor. Insbesondere, weil sie einen eigenen Stützpunkt für ihre Marine wollten. Die demilitarisierte Zone Danzig kam dafür nicht in Frage. Als Standort...

Foto: AP
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...wählten sie das Fischerdorf Gdingen, das ab 1920 offiziell Gdynia hieß und sechs Jahre später Stadtrecht bekam. Bis zum Sommer 1939 war Gdynia - architektonisch vor allem vom Bauhausstil geprägt - zu einer modernen Großstadt gewachsen.

Foto: AP
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Gdynia von oben: Diese Luftbildaufnahme ist datiert auf August 1939. Entstanden war sie im Auftrag der Sonderluftbildabteilung des Reichsluftfahrtministeriums und zeigt den polnischen Kriegshafen im ehemaligen Ortsteil Gdingen-Oxhöft. Von Hand wurde die NS-Bezeichnung "Gotenhafen" eingetragen - dort, wo sich das Stadtzentrum befand.

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Torpedo-Testanlage: 1940 errichtete die deutsche Kriegsmarine in "Gotenhafens" Stadtteil Oxhöft eine Außenstelle der Torpedoversuchsanstalt (TVA) Eckernförde. Ziel war die Entwicklung und Erprobung von Lenktorpedos. Wenige Kilometer nördlich entstand eine ähnliche Testanlage für die Erprobung von Flugzeugtorpedos. Reste des Torpedowaffenplatzes (TWP) der Luftwaffe ragen noch immer als Ruine aus der Ostsee. Die ehemalige TVA hingegen wird mittlerweile von der polnischen Marine genutzt.

Foto: Solveig Grothe/SPIEGEL ONLINE
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"Blotniak" in der Ostsee: Nach etwa einem Jahr Bauzeit war das rund 700 Kilogramm schwere polnische U-Bötchen tauchfähig. Seine maximale Geschwindigkeit beträgt 5 Knoten, die maximale Laufzeit...

Foto: privat
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...läge bei schätzungsweise 25 Stunden. Doch das ist ein rein theoretischer Wert, denn so lange hält zwar die Batterie, doch so lange hält es keinen Taucher in der durchschnittlich 8 Grad kalten Ostsee.

Foto: privat
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Fertig zum Abtauchen: Die größte Tiefe erreichte Mariusz mit seinem Gefährt bei Tests in den masurischen Seen - 27 Meter. "Blotniak 155" ist allerdings nicht fürs Tieftauchen gemacht. Schon ab einer Tauchtiefe von 7 Metern ist es von einem Hubschrauber aus nicht mehr zu sehen - ausreichend, um sich einem Objekt unbemerkt zu nähern.

Foto: privat
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