Kampuchea Flagge mit Vergangenheit
Original-Fahne: Die einzige Dokumentation einer originalen Flagge des Demokratischen Kampuchea mit ihrer Angkor Wat-Darstellung wurde letztendlich nur auf einem Foto gefunden, enthalten in dem 2007 erschienenen Buch "A History of Democratic Kampuchea (1975-1979)" von Khamboly Dy, herausgegeben vom Documentation Center of Cambodia (DC-CAM). Diese Flagge ist auch auf der Uno-Briefmarke von 1989 zu sehen.
Demokratisches Kampuchea: Artikel 16 der neuen Verfassung (verabschiedet am 5. Januar 1976): Das Design und die Bedeutung der Nationflagge von Kampuchea:
Der Hintergrund ist rot mit einem gelben drei-tuermigen Tempel in der Mitte
Der rote Hintergrund symbolisiert die revolutionaere Bewegung, den entschlossenen und tapferen Kampf der Menschen von Kampuchea fuer die Befreiung, Verteidigung und den Aufbau ihres Landes.
Der gelbe Tempel symbolisiert die nationalen Traditionen der Menschen von Kampuchea, die ihr Land verteidigen und aufbauen um es noch wohlhabender zu machen.
Treffen der United Front in Laos, 1950: Im Hintergrund die Flagge der Khmer-Viet-Minh-Bewegung mit einer fünftürmige Darstellung von Angkor Wat. Die nordvietnamesische kommunistische Bewegung Kambodschas - auch Khmer Vietminh genannt - war von 1930 bis 1951 Teil der von den nordvietnamesischen Kommunisten geleiteten Kommunistischen Partei Indochinas (KPIC), wurde dann nach deren formaler Auflösung zugunsten dreier nationaler KPs in Vietnam, Laos und Kambodscha in Revolutionäre Volkspartei Kambodschas (RVPK) oder Khanak Pak Pracheachon Pakdevoath Khmer umbenannt. Diese blieb weiterhin von Vietnam abhängig. Im September 1960 erfolgte eine weitere Umbenennung in Kommunistische Partei Kampucheas (KPK), die ab 1963 zunehmend von der maoistischen Pol-Pot-Fraktion, den Roten Khmer, beherrscht wurde. 1976 bis 1979 wehte eine ähnliche Flagge mit drei Türmen in Kambodscha. Die United Front bestand aus den Ländern Laos, Vietnam und Kambodscha.
Erneuter Namenswechsel: Per Deklaration wurde die Uno am 3. Februar 1990 darüber informiert, dass das Demokratische Kampuchea erneut seinen Namen gewechselt hatte - es heißt seither wieder Kambodscha.
Exponate im War Museum, Siem Reap: Neben ausrangiertem Kriegsgerät der am Indochina-Konflikt beteiligten Länder zeigt das War Museum in Siem Reap verschiedene Flaggen aus der Zeit der Roten Khmer, der Auslöser für diesen Bericht.
Eintritt zum Friedhof der Zerstoerungstechnik: Laut Eintrittskarte wird das War Museum in Siem Reap from Ministry of National "Defend" unterhalten.
Im Internet kursierende Flaggen des Demokratischen Kampuchea: Einige der Flaggen zeigen "einen gelben dreitürmigen Tempel auf rotem Grund", der keine oder nur eine geringe Ähnlichkeit mit Angkor Wat hat, oder eine Flagge in rot-schwarz oder rot-blau mit einem weißen Krückenkreuz. Letztere Version kann der Mouvement National (Monatio) zugeordnet werden. Da die im Internet dargestellten Versionen mit dem gelben Tempel sozusagen post mortem am Computer grafisch zum Leben erweckt wurden und nicht die Wiedergabe eines Dokumentes darstellten, begann die ausgedehnte Suche nach einem Foto der tatsächlichen Flagge des Demokratischen Kampuchea.
Jubel für die Roten Khmer: Monatio-Anhaenger bejubelt den Einmarsch der Roten Khmer in Phnom Penh. Diese Flagge in rot-schwarz oder rot-blau mit einem weißen Krückenkreuz wird häufig als Flagge der Roten Khmer erwähnt. Die Version in Rot und Blau kann jedoch der "Mouvement National" (Monatio) zugeordnet werden, einer kleinen, obskuren nationalistischen Bewegung, die den Einmarsch der Roten Khmer in Phnom Penh 1975 begeistert feierte (wie von dem deutschen Journalisten Christoph Maria Froehder filmisch dokumentiert), nur um kurz darauf eliminiert zu werden.
Titelblatt des "Demokratisches Kampuchea Magazin", April 1978: Nur wenige Journalisten waren vom Regime der Roten Khmer eingeladen worden, und so gibt es nur wenige Fotos die diese Periode überlebt haben, ausgenommen die Fotos die zu Tausenden in der Folterzentrale S-21 Tuol Sleng gefunden worden waren. Auf verschiedenen schwarz-weiß Fotos sind rote Fahnen zu erkennen, aber wegen der schlechten Qualität der Bilder ist nicht auszumachen ob diese das Angkor Wat-Design beinhalteten oder vielleicht das Hammer und Sichel-Design. Vielleicht waren es es einfach nur rote Fahnen.
Die Uno zeigt Flagge: Am 22. September 1989 brachte die Uno im Rahmen ihrer Flaggenserie eine Briefmarke mit der Flagge von Democratic Kampuchea heraus. Nach vorliegenden Uno-Informationen war sie identisch mit der Flagge, die in New York wehte, welche dort nach Zeitzeugen-Berichten noch bis 1992 zu sehen war.
The Murderous Revolution: Ein weiterer Hinweis auf die Flagge des Demokratischen Kampuchea ist auf dem Umschlag des Buches "The Murderous Revolution" von Martin Stuart-Fox und Bunheang Ung (erschienen bei Orchid Press) zu finden.
Flaggenversion aus Siem Reap: Der Grund der Suche war etwas über die Vergangenheit der Museums-Flagge von Siem Reap zu erfahren, das Resultat war die Wiederentdeckung der tatsächlichen Flagge des Demokratischen Kampuchea. Und so stellt sich zum Schluss die Frage wo die Flagge des War Museum nun wirklich einzuordnen ist. Mit ihren etwas spitzeren Tuermen und den drei statt der zwei Stufen koennte sie bereits vor 1975, als Variante während der Zeit von 1975-79, oder vielleicht sogar von den verbliebenen Khmer Rouge nach 1979 verwendet worden sein. Vielleicht hatte der Historiker Steve Heder die beste Erklärung, als er sagte, "dass die Ausführung wahrscheinlich vom fachlichen Können und der Motivation des Schneiders oder der Näherin abhängig war". Aber eine Fälschung ist nicht ausgeschlossen.
"A History of Democratic Kampuchea (1975-1979)": Das 2007 erschienene Buch von Khamboly Dy ist als Geschichtsbuch fuer die jüngere Generation Kambodschas gedacht, aber es ist zu befürchten, dass es unter den Überlebenden des Khmer-Rouge-Regimes auch alte Wunden aufreissen koennte, denn viele Menschen wollten nach den Jahren des Horrors einfach nur vergessen und nach vorn schauen. Youk Chhang, der Leiter des Documentation Center of Cambodia (DC-CAM) betont in seinem Vorwort die Notwendigkeit der Aufarbeitung dieser düsteren Periode Kambodschas: Nur so könne der Heilungsprozess beginnen.