Kapitäne erzählen - DER SPIEGEL
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Kapitäne erzählen Gefangen im Suezkanal

Nachts hörte man an Bord die Einschläge von Granaten und das Knattern der Gewehre. Der Suezkanal wurde 1967 von Ägypten blockiert. 14 Schiffe lagen auf dem Großen Bittersee in der Falle. Für Monate? Oder Jahre? Kapitän Wolfgang Scharrnbeck sorgte für Abwechslung in der größten schwimmenden Männerpension der Welt.
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Schießerei auf dem Suezkanal: Noch immer Unruhen auf dem Suezkanal - Die Besetzung des Containerschiffs "Global Patriot" eröffnete am 25. März 2008 auf dem Suezkanal in Ismailia das Feuer, als sich ihnen ein ägyptisches Motorboot näherte. Ägyptische und US-amerikanische Beamte machten widersprüchliche Aussagen über die Ereignisse. Bei der Schießerei kam ein ägyptischer Händler ums Leben, zwei weitere Menschen wurden verletzt.

Foto: REUTERS
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Der Kapitän heute: Kapitän Wolfgang Scharrnbeck kam im Oktober 1967 auf die "Münsterland", die zu diesem Zeitpunkt bereits seit vier Monaten im Großen Bittersee im Suezkanal festhing. Die Mannschaft von 21 Mann hatte diese Zeit genutzt, Reparaturen am Schiff zu erledigen und Aufbauten frisch zu streichen. Um die Langeweile zu bekämpfen, veranstaltete man Skat- und Fußballturniere an Bord oder segelte mit Rettungsbooten Regatten. Niemand wusste damals, wie lange das Schiff noch festliegen sollte.

Foto: Wolfgang Scharrnbeck
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Der Sechstagekrieg: Eine Kolonne der israelischen Infanterie fährt am 9. Juni 1967 in Richtung Suezkanal. Ihnen entgegen kommt ein Lastwagen mit ägyptischen Kriegsgefangenen. Der Sechstagekrieg zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien begann am 5. Juni 1967 mit einer Attacke auf die ägyptischen Stützpunkte auf der Sinai-Halbinsel durch die israelische Luftwaffe. Laut Israel handelte es sich hierbei um einen Präventivschlag - Ägypten hatte zuvor Bündnisse mit Syrien und Jordanien geschlossen und Truppen an Israels Grenzen zusammengezogen.

Foto: Getty Images
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Der Suezkanal: Der Kanal, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet, wurde nach Ausbruch des sogenannten Sechstagekriegs zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien am 5. Juni 1967 gesperrt. Mehrere Schiffe waren zuvor versenkt worden und blockierten nun die Fahrrinne. Infolge dieser Sperrung saßen insgesamt 14 Schiffe im Großen Bittersee, welcher im mittleren Teil des Suezkanals liegt, fest - unter anderem die "Münsterland" der Reederei Hapag. Die Schiffe konnten ihre Fahrt erst im Jahr 1975 wieder aufnehmen.

Die Aufnahme zeigt ein Container-Frachtschiff, dass den Kanal am 14. Dezember 2004 bei Ismailia passiert.

Foto: Getty Images
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Reisenotizen: Kapitän Wolfgang Scharrnbeck notierte jede seiner Reisen in einem braunen Büchlein - "die Häfen, Namen der Schiffe und das Stück Meer dazwischen".

Foto: Wolfgang Scharrnbeck
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Der Jom-Kippur-Krieg: Israelische Panzer passieren am 25. Oktober 1973 während des Jom-Kippur-Kriegs eine Brücke über den Suezkanal. Nach dem israelischen Unabängigkeitskrieg 1948, der Suezkrise 1956 und dem Sechstagekrieg von 1967 war dies der vierte arabisch-israelische Krieg im Rahmen des Nahostkonflikts.

Die seit dem Sechstagekrieg im Großen Bittersee (Suezkanal) festsitzenden europäischen Schiffe konnten erst zwei Jahre nach diesen erneuten militärischen Auseinandersetzungen ihre Weiterfahrt antreten.

Foto: Getty Images
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Wolfgang Scharrnbeck: Ein Porträt Wolfgang Scharrnbecks aus dem Jahre 1938. Der Kapitän erhielt am 16. Oktober 1967 das Kommando, seinen Kollegen Kapitän Hoffman von Bord der "Münsterland" abzulösen, da das Schiff der Reederei Hapag infolge des Sechstagekriegs vom 5. bis 10. Juni 1967 im Großen Bittersee festhing. Scharrnbeck blieb sieben Monate an Bord - das Schiff konnte sich insgesamt ganze acht Jahre, drei Monate und fünf Tage nicht von der Stelle bewegen.

Foto: Wolfgang Scharrnbeck
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Brennende Raffinerie: Ein israelischer Soldat beobachtet während des Sechstagekriegs im Juni 1967 eine in Brand gesetzte Ölraffinerie am Port Suez (Ägypten).

Foto: Getty Images
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Israelischer Vormarsch: Israelische Panzer nähern sich am 7. Juni 1967 vorsichtig einer Sanderhöhung zwischen Rafah und El Arish auf der Sinai-Halbinsel. Innerhalb weniger Tage besetzte Israel die Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das Westjordanland und die syrischen Golanhöhen.

Foto: AP
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Der Suezkanal 2004: Ein Containerschiff passiert am 14. Dezember 2004 den Suezkanal bei Ismailia (Ägypten). 1967 gerieten 14 Schiffe - darunter Frachter aus Polen, England, Skandinavien, Bulgarien und Deutschland - mitten in den Sechstagekrieg zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Syrien und Jordanien auf der anderen Seite. Die Schiffe mussten acht Jahre, drei Monate und fünf Tage im Großen Bittersee im mittleren Teil des Suezkanals ankern und durften erst im Mai 1975 wieder Fahrt aufnehmen. Unter diesen Schiffen war auch die "Münsterland" der deutschen Reederei Hapag.

Foto: Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?