Kapitäne erzählen - DER SPIEGEL
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Kapitän Brüning Kalter Fisch und Kalter Krieg

Ein cholerischer Kapitän, der gern trinkt. Eine Fangleine, die in feindliche Gewässer abgetrieben ist. Und ein russisches Kriegsschiff, das mit voller Fahrt auf den eigenen Kutter zurast. Zur Zeit des Kalten Krieges war Lachsfischen lebensgefährlich, wie Helmut Brüning erfahren musste.
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Fischfang: Helmut Brüning kam im Spätherbst 1960 auf die "Hoffung", einen Fischkutter, der auf Lachsfang in die Danziger Bucht fuhr. Hier zu sehen ist ein Seemann, der am 13. Dezember 2001 auf dem Fischdampfer "Gwenvidik" an der Bretagne-Küste arbeitet.

Foto: dpa
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Helmut Brüning: Jahrgang 1933, stammt aus einer Arbeiterfamilie in Cuxhaven. Mit 18 entdeckte er die Seefahrt, arbeitete auf Frachtern und wurde schließlich Fischer. Nachdem er 1964 das Patent gemacht hatte, ging er unter anderem als Kapitän des Heckschleppers "Bremerhaven" im Nordatlantik auf Fang. Brüning ist bis heute ein leidenschaftlicher Leichtathlet und als Weihnachtsmann aktiv. Er lebt in Cuxhaven.
Aufnahme von 2007

Foto: Achim Multhaupt
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"Sofort aufhören!": Das Foto zeigt einen Fischkutter, der begleitet von einem Schwarm Möwen am 7. Dezember 1997 in den Hafen von Travemünde einläuft. Die Seevögel versuchten, den Fischern noch auf den letzten Metern ihren Anteil am Fang abzujagen. Doch auch unter Wasser lauern gefahren für den Lachsfischer. Ein Problem der mitunter 30 Kilometer langen, für den Lachsfang genutzten Angelschnuren bestand darin, dass sie je nach Wind und Strömung abtreiben konnten. Dies geschah dem Fischkutter "Hoffung" im Winter 1960 in der Danziger Bucht. Beim Einsammeln des Fanggeschirrs merkte die Crew, dass es - "mit einer Menge Lachs drauf", so Brüning - in Richtung des russischen Kriegshafens Pillau abgetrieben war.

Foto: Carsten_Rehder/ dpa
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Auf rauher See: Das Foto zeigt Fischer aus Fleetwood, Lancashire, die sich 1955 aufgrund ihres Fangs vor einer Schar hungriger Möwen verteidigen müssen. Auch auf der "Hoffnung" - auf der Helmut Brüning im Spätherbst 1960 angeheuert hatte - ging nicht immer alles glatt. So knallte der Kutter einmal kurz nach dem Ablegen bei Windstärke acht gegen eine Tonne. Brüning fiel aus seiner Koje und schnitt sich an einem spitzen Gegenstand den Oberschenkel auf: "Aber meinen Sie, wir hätten umgedreht?" Der Kapitän meinte bloß: "Da kommt 'n Verband rum und fertig, jammer nicht rum!"

Foto: Getty Images
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Die Hand des Seemanns: Um den Lachs zu fangen, nutzte die Besatzung der "Hoffung" Treibangeln - drei Kilometer lange Angelschnuren mit tausenden Haken. Das Ausbringen der Leine dauerte mitunter drei Stunden und musste bei jedem Wetter erfolgen. Da das Fanggeschirr 1960 noch aus Hanf gefertigt war, sog es sich schnell mit Wasser voll und fror im schlimmsten Fall zu einem einzigen Klumpen aus Eis zusammen.

Das Foto aus dem Jahr 2007 zeigt Helmut Brünings Hand.

Foto: Achim Multhaupt
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Gebratener Lachs zum Frühstück: Während seiner Zeit auf der "Hoffnung" im Jahr 1960 kümmerte sich Helmut Brüning um die Verpflegung an Bord - zum Frühstück gab es frische, gebratene Lachsleber und "sehr schwarzen Kaffee". Das Foto zeigt Ostsee-Wildlachs, der am 2. März 2007 an Bord eines Kutters im Hafen von Möltenort in der Kieler Förde zum Verkauf angeboten wurde.

Foto: AP
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Weit gereist: Als Helmut Brüning im Herbst 1960 aus Amerika zurückkam - wo er als Matrose auf einem Frachter gefahren war - wollte er die Seefahrtsschule in Hamburg besuchen, um Kapitän zu werden. Da zu jener Zeit jedoch kein Platz frei war und er ein Jahr warten musste, heuerte er auf dem Fischkutter "Hoffnung" an und ging mit diesem auf Lachsfang in der Danziger Bucht.

Foto: Achim Multhaupt
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?