Grenzenlose Phantasie "Erst jetzt an meine eigentliche Aufgabe"
Kara Ben Nemsi im Fotostudio: 1896 gab Karl May bei einem Fotografen in Linz Fotos in Auftrag, auf denen er sich als seine Helden verkleidet zeigen wollte. Nachdem sein Schwindel einige Jahre später aufgeflogen war, ließ May die Fotoplatten überstürzt in der Donau versenken. Doch die Fotos waren längst bei seinen Fans im Umlauf.
Karl-May-Gesellschaft
Multiple Persönlichkeit: Karl May war in Wirklichkeit nur 1,66 Meter groß und eher schmal gebaut. In seiner Phantasie aber war er ein furchtloser Held, der es mit jedem Schurken aufnahm und entweder als Old Shatterhand im Wilden Westen oder als Kara Ben Nemsi im Orient unterwegs war. Besuch empfing er in seiner "Villa Shatterhand" gern kostümiert.
Karl-May-Figuren: Lex Barker als Old Shatterhand, Pierre Brice als Winnetou und Ralf Wolter als Sam Hawkens in einer Szene des Films "Der Schatz im Silbersee" (1962). Erst mit diesen Filmen holte Winnetou den Orientreisenden Kara Ben Nemsi als Karl Mays beliebteste Romanfigur ein.
Die Bibel der Träumer: Mit über 200 Millionen Büchern Gesamtauflage stieß Karl May in Dimensionen vor, von denen die allermeisten Autoren nur träumen können. Die Reihe seiner Verehrer reicht von Albert Einstein über Karl Liebknecht bis zu Adolf Hitler. Hier ist die Erstausgabe von Karl Mays Wildwest-Roman "Der Schatz im Silbersee" von 1894 zu sehen.
Ganz liebe Grüße: Im Mai 1900 schickten Karl und Emma May diese Postkarte aus Jerusalem an den Baurat Max Welte. Trotz der lieben Grüße war die Reise selbst ein Desaster und der Orient in Mays Fiktion weitaus schöner. In der Realität vertrug der Dichter weder das Essen noch den Lärm, Gestank und Schmutz. Berichten seiner späteren Ehefrau Klara zufolge hatte er unterwegs zwei Nervenzusammenbrüche.
Der falsche Doktor: Diese Postkarte an "Herrn Stud. Walther Welte" in Leipzig, die am 17. Mai 1899 in Kairo abgestempelt wurde, unterschrieb der Schriftsteller mit "Dr. Karl May". Der Titel, den May angeblich an der Universität Rouen erworben hatte, stellte sich später als ausgedacht heraus.
Ehepaar May: 1903 ließ sich Karl May von seiner Frau Emma scheiden und heiratete noch am 30. März des gleichen Jahres seine zweite Ehefrau Klara (hier 1904)
In Zivil: 1895 posiert Karl May noch ganz unverkleidet nur mit einem Buch auf dem Schoß. Zu dieser Zeit war er allerdings schon ganz in seiner Romanwelt aufgegangen. So ließ er sich die berühmtesten Waffen aus seinen Büchern wie Old Shatterhands "Bärentöter" oder Winnetous "Silberbüchse" von einem Dresdner Büchsenmacher nachbauen.
Papiertiger Kara Ben Nemsi: Karl Mays Phantasie kannte keine Grenzen, wenn es darum ging, seine Lebensgeschichte für seine Fans und Bewunderer auszuschmücken. Angeblich hatte er die ganze Welt bereist, beherrschte 40 Sprachen und verstand mehr als 1200 Sprachen und Dialekte. Den größten Teil seines Wissens hatte er als Schüler gesammelt, als sein Vater ihn zwang, stundenlang aus Lexika abzuschreiben.
Tourist May: 1908 reist Karl May schließlich doch noch nach Nordamerika. Der angebliche Westernheld (hier an den Niagarafällen) war zu dieser Zeit jedoch bereits schwer angeschlagen. Er reiste nach der Vorlage eines Reiseführers, den er im Orient noch so verachtet hatte.
Gute Freunde: 1899 brach Karl May dann tatsächlich zu seiner ersten Orientreise auf. Die erste Zeit reiste er noch allein mit seinem Diener, bis er 1900 seine Frau Emma und das befreundete Ehepaar Plöhn traf und die Reise mit ihnen gemeinsam fortsetzte. Richard Plöhn starb im folgenden Jahr, woraufhin die Freundschaft der Mays mit Plöhns Witwe Klara enger wurde. Nachdem die Mays 1903 geschieden wurden, wurde Klara die zweite Frau May.
Museumsreif: Nach Karl Mays Tod ließ seine Witwe Klara im Garten der "Villa Shatterhand" ein Blockhaus im Wildweststil bauen. In der "Villa Bärenfett" erhielt der Indianerforscher und Mitbegründer des Karl-May-Museums, Patty Frank, ein lebenslanges Wohnrecht. Dafür stellte er dem Museum seine Indianersammlung zur Verfügung. Das Museum ist bis heute in dem Haus zu besichtigen.
Herrscher in seinem Phantasiereich: 1896 streicht Karl May mit seinen Romanen so viel Tantiemen ein, dass er sich eine repräsentative Villa in Radebeul bei Dresden kaufen kann. Er stattet seine "Villa Shatterhand" mit exotischen Möbeln und Souvenirs aus, die er seinen Besuchern ebenso gern vorführt wie seine Narben aus angeblichen Kämpfen mit Grizzlybären. Den ausgestopften Löwen in seinem Arbeitszimmer wollte der Autor ebenfalls selbst geschossen haben.
Am Ende: Karl May starb am 30. März 1912 in Radebeul bei Dresden. Als Todesursache wird heute Lungenkrebs vermutet. Dieses Foto ist die letzte Aufnahme des Schriftstellers während eines Aufenthalts in Wien nur acht Tage vor seinem Tod.