Karneval 1949 Jecken zwischen Schutt und Asche
Die Narrenkappen sind zurück: Zum ersten Mal seit zehn Jahren zieht 1949 wieder ein Rosenmontagszug durch Köln. Es ist die Rückkehr einer geliebten Tradition - obwohl sich der zwei Kilometer lange Zug an vielen Stellen immer noch durch eine Ruinenlandschaft schlängelt.
Aus dem Buch - Der Kölner Rosenmontagszug - 1823-1948 von Michael Euler-Schmidt und Marcus Leifeld.
Zwei Jecken: Lange hatten die Domstädter auf ihren Rosenmontagszug verzichten müssen. Dafür feierten sie 1949 umso mehr.
Einmal den Alltag vergessen: Am Rosenmontag 1949 gehörten die Straßen der Stadt den Clowns und den Cowboys Kölns. Die erst teilweise wieder aufgebauten Häuser im Hintergrund interessierten während des Karnevals keinen der Feierwütigen.
Kaum ein Stein mehr auf dem anderen: Bis zum Kriegsende wurde Köln praktisch ausradiert. Ende Mai 1942 flog die britische Luftwaffe den ersten "1.000-Bomber-Schlag" des Kriegs gegen Köln. 474 Menschen starben. Viele weitere Luftangriffe folgten. Beim Einmarsch der Alliierten wohnten nur noch 40000 Menschen in der Trümmerwüste. Vor dem Krieg waren es noch 750000 gewesen. Der Wiederaufbau dauerte Jahre.
Spuck in die Händ': Die Karnevalsvereine blickten schon bald nach Kriegsende trotzig in die Zukunft - und riefen ihre Mitglieder zum Wiederaufbau von Köln auf.
Aus dem Buch - Der Kölner Rosenmontagszug - 1823-1948 von Michael Euler-Schmidt und Marcus Leifeld.
Der erste Nachkriegsprinz: Holger (I.) Röhrig war 1949 der Kölner Prinz Karneval. Prinz zu sein sei harte Arbeit, gab Röhrig später zu Protokoll. Seinen Prinzenbonus bei den Frauen könne man da gar nicht ausspielen, behauptete er: "Weiber? Nee! Dazu ist ein Prinz viel zu müde und es fehlt auch an der Zeit. Nicht einmal!" Wenigstens machte er seinen Ruhm zu Geld: 12000 Exemplare seiner Karnevalserinnerungen "16 Tage Fürst" verkaufte er allein in den ersten drei Wochen nach dem 11.11.1949.
Aus dem Buch Reinold Louis: "Aufgebaut - Rote Fingernägel krallen nach schwarzer Währung - Kölnische Lieder und Kindheitserinnerungen dokumentieren den Wiederaufbau in Köln ab 1945", 430 Seiten mit rund 360 zumeist farbigen Abbildungen, Format 18x24 cm, gebunden; Marzellen Verlag Köln, ? 29,95.
Rosenmontag: 15 Festwagen und mehr als fünfzig Karnevals- und Musikgruppen zogen am 28. Februar 1949 durch die zerstörten Straßen Kölns. Das Interesse war riesig: Fast eine Million Menschen wollten an der Zugstrecke einen Blick auf die Karnevalsgruppen erhaschen.
Aus dem Buch Reinold Louis: "Aufgebaut - Rote Fingernägel krallen nach schwarzer Währung - Kölnische Lieder und Kindheitserinnerungen dokumentieren den Wiederaufbau in Köln ab 1945", 430 Seiten mit rund 360 zumeist farbigen Abbildungen, Format 18x24 cm, gebunden; Marzellen Verlag Köln, ? 29,95.
Vor dem Krieg: Die Rosenmontagszüge in der Domstadt waren schon immer wahre Publikumsmagneten. Die intakten Fassaden entlang der Straßen zeigen: Das Foto stammt aus der Zeit vor dem Krieg.
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Aufmarsch der Clowns: Der Klassiker unter den Verkleidungen, präsentiert von einer Musikgruppe bei einem Kölner Rosenmontagszug in den dreißiger Jahren.
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Begrüßung unter Jecken: An Rosenmontag waren die Kölner immer schon für einen Scherz oder zwei zu haben - wie zu einer Begrüßung mit dem Hintern. Die Aufnahme stammt aus den dreißiger Jahren
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Tribünenplätze auf den Trümmern: Die Schutthügel am Straßenrand wurden am Rosenmontag 1949 von vielen Zuschauern zu Sitzplätzen umfunktioniert, um eine bessere Sicht auf den Zug zu bekommen - Schilder, die vor Lebensgefahr warnten, wurden an diesem Tag ignoriert.
Wieder auf der Straße: Die Jahre zuvor hatte es nur Karnevalssitzungen in provisorischen Festsälen gegeben. 1949 durften die Kölner Narren wieder draußen feiern.
Zerstörung: Blick über den Rhein auf den Dom und die Reste der Hohenzollernbrücke, 1946.
Ave Uran: Damals wie heute veralberten die Kölner Narren mit den Installationen auf den Festwagen aktuelle Ereignisse.
Aus dem Buch Reinold Louis: "Aufgebaut - Rote Fingernägel krallen nach schwarzer Währung - Kölnische Lieder und Kindheitserinnerungen dokumentieren den Wiederaufbau in Köln ab 1945", 430 Seiten mit rund 360 zumeist farbigen Abbildungen, Format 18x24 cm, gebunden; Marzellen Verlag Köln, ? 29,95.
Der Kanzler und der Prinz: Der Karneval wurde schnell ein wichtiger Bestandteil des Traditionsinventars der Bundesrepublik. Seit Konrad Adenauer empfängt der aktuelle Bundeskanzler jedes Jahr das Bonner Prinzenpaar - bis heute. Dem Lebemann Willy Brandt scheint diese Tradition besonders gut gefallen zu haben. Anderen Kanzlern wie dem distanzierten Hanseaten Helmut Schmidt wird der Frohsinn auf Knopfdruck wahrscheinlich etwas schwerer gefallen sein.
Fasching auf der Firstalm: Auch in Bayern wurde nach Kriegsende wieder Fasching gefeiert. Hier auf der Firstalm am Spitzingsee waren verkleidete Militärpolizisten mit Nachttopf auf der Jagd nach Hitler. Allerdings durften die Amerikaner als Besatzer dieses Treiben nicht sehen.