Katarina Witt über Frauen in Ostdeutschland: "Ich kann viel freier, viel unabhängiger sein"
Sarajewo 1984, Katarina Witt gewinnt für die DDR die Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen. Sie wolle "um Gottes Willen kein Westfrauen-Bashing machen", betonte die 53-Jährige jetzt in einem Interview mit dem Tagesspiegel, "aber ich merke einfach, dass für mich viele Dinge ganz selbstverständlich sind, weil ich eben anders aufgewachsen, anders erzogen worden bin."
Witt in jungen Jahren, sie war eine der international erfolgreichsten Sportlerinnen der DDR: "Für mich waren Mann und Frau immer auf Augenhöhe."
Katarina Witt als junge Sportlerin vor dem Karl Marx-Denkmal: "Wo manche West-Frau in meiner Generation noch damit kämpft, was ihre Elterngeneration sich erobern musste, merke ich, dass ich viel freier, viel unabhängiger, viel liberaler, viel toleranter sein kann."
Cincinnati, USA, 1987: Wieder eine Goldmedaille für Katarina Witt. Für sie als Frau sei es "mittlerweile eher ein Gütesiegel, geborene Ostdeutsche zu sein", wird Witt in der Zeitung zitiert.
Witt und ihre Trainerin Jutta Müller nach dem Sieg in Cincinnati. Heute sagt Witt im interview mit dem Tagesspiegel: "Man sollte versuchen, all das, was politisch nicht in Ordnung war, kurz einmal beiseite zu nehmen: Dann sieht man, dass wir ganz viel Wertvolles beigebracht bekommen haben."
Siegerehrung 1988 bei den Olympischen Winterspielen in Calgary. Witt wurde von der SED bespitzelt, galt aber auch als Nutznießerin des DDR-Systems. "Es hat mich emotional sehr getroffen, dass man mich komplett ausspioniert hat. Bis zu einem gewissen Grad habe ich es verstanden."
Autogrammstunde in Hamburg, als Witt ihre Schmuckkollektion präsentierte. : Man hatte Angst, dass ich gehe oder dass man mich vielleicht klaut. Aber ich war getroffen, dass man mir misstraut hat. Für mich war immer klar: Ich komme nach Hause. Vorrangig wegen meiner Familie."
Bei Thomas Gottschalk in "Wetten dass...?" auf dem Sofa, 1999: 20 Jahre später ist sie wieder bei ihm zu Gast in einer Achtziger Jahre-Show. "Eine launige Sendung, doch es waren weder unsere DDR-Musik noch unsere Filme, noch unsere Serien vertreten. Wir werden wirklich einfach wegignoriert und vergessen."
Witt bei einer Eislaufshow 2008 in Hannover: Ihre eigene Karriere ging nach der Widervereinigung weiter. Die Wende sieht sie trotz Kritik positiv.
Witt bei einer Fotoprobe für das Theaterstück "Jedermann" im Berliner Dom, 2009. "Zu sagen, wir müssen jetzt ein gemeinsames Deutschland werden, war die richtige Schlussfolgerung. Doch für diesen Weg hat man sich einfach viel zu wenig Zeit genommen."
Bei der Bambi-Verleihung mit Otto Waalkes 2015 in Berlin. Witt sagt: Nach der Wende habe man eine ganze Generation von DDR-Bürgern, die wie ihre Eltern damals zwischen 45 und 55 Jahren alt gewesen sei, aus dem Arbeitsleben gerissen. Ihnen habe man signalisiert: "Ihr seid es nicht wert, dass die Jobs erhalten bleiben."
Dezember 2016 in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina: Witt engagiert sich für Sportler mit Behinderung. Im Tagesspiegel äußert sie sich auch politisch: "Intoleranz, Hass und Hetze gehören nie mehr in unsere Gesellschaft." Doch man dürfe auch nicht jede Unzufriedenheit mit Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus gleichsetzen.
Witt bei der Verleihung der Laureus World Sport Awards in Monaco, 2019. Den Wahlerfolg der AfD in Sachsen (27,5 Prozent) erkläre sich auch damit, dass unter den Wählern viele seien, "die einfach die Nase voll haben." Witt betonte: "Die AfD ist hoffentlich auch nicht das, was sie wollen."