Kerber, Rosberg, Ronaldo Das waren Sportmomente des Jahres
Aus dem Schatten von Steffi Graf: In Angelique Keber hat das deutsche Frauen-Tennis wieder eine Spielerin von Weltklasseformat. Kerber erreichte fünf der sechs wichtigsten Endspiele der Saison, gewann bei den Australian Open (Foto) und den US Open, sie wird das Jahr als Nummer eins der Welt beenden.
Gekommen, um zu bleiben: Vor der EM im Januar hatte kaum ein Experte Deutschlands Handballer als möglichen Titelgewinner auf dem Schirm. Doch die Mannschaft siegte sich mit starkem Teamgeist und kluger Taktik zum EM-Erfolg. Beim olympischen Turnier in Rio zeigte sie mit dem Gewinn der Bronzemedaille, dass sie in der Lage ist, dauerhaft eine führende Rolle im Welthandball einzunehmen.
Schiedsrichter verlässt Spielfeld: Was absurd klingt, geschah im Februar bei der Bundesliga-Partie zwischen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund. Der Grund: Bayer-Trainer Roger Schmidt weigerte sich, auf Anordnung des Schiedsrichters den Innenraum der Arena zu verlassen. Daraufhin sorgte der Referee kurzerhand für eine Spielunterbrechung. Es dauerte neun Minuten, bis Schmidt ging und Zwayer wieder anpfiff. Ach ja: Der BVB gewann das Spiel 1:0.
Königin des Biathlon: Laura Dahlmeier war im Jahr 2016 kaum zu schlagen. Der Lohn war der WM-Titel in der Verfolgung im März - und das Ende der ständigen Vergleiche mit Superstar Magdalena Neuner. Oder erst der Anfang.
Hendrik Schmidt/ dpa
Rückkehr in die alte Heimat: Es war ein ungewohnter Anblick, der sich den Zuschauern des Europa-League-Viertelfinalspiels in Dortmund bot. Jürgen Klopp betrat das BVB-Stadion - und setzte sich auf die Trainerbank des Auswärtsteams. Bei der Borussia genießt Klopp nach siebenjähriger Amtszeit Legendenstatus, daran hat auch sein Erfolg als Gegner mit dem FC Liverpool über Thomas Tuchels BVB im April nichts geändert.
Abschied mit Rekord: Nach 20 Jahren war für Kobe Bryant im April Schluss, einer der größten Basketballer der Geschichte beendete seine Karriere. Um das letzte NBA-Spiel der Lakers-Legende in Los Angeles mitzuerleben, zahlten Fans bis zu 25.000 Dollar. Mit dabei waren Stars wie Jack Nicholson, Jay Z oder David Beckham.
Abschied mit Tränen: Drei Jahre war Josep Guardiola beim FC Bayern München, doch trotz sieben Titeln und noch viel mehr Toren blieb die Beziehung zwischen Trainer und Verein stets etwas kühl. Bis zum 21. Mai, dem letzten Spiel unter Guardiola. Im DFB-Pokalfinale bezwang seine Mannschaft Dortmund im Elfmeterschießen, hinterher flossen beim Katalanen die Tränen.
Die Unglaublichen: Die Geschichte des kleinen Fußballklubs Leicester City, der nach Beinahe-Abstieg im Vorjahr plötzlich Englischer Meister wurde, klingt fast zu kitschig, um wahr zu sein. Tatsächlich gelang es dem Team, das bis auf wenige Ausnahmen vor allem Durchschnittskicker beschäftigt, Ligagrößen wie Manchester United, Arsenal und Chelsea zu überflügeln. Die Gegenwart klingt da schon alltäglicher. Aktuell kämpft Leicester in der Premier League gegen den drohenden Abstieg.
Historische Aufholjagd: Nie war es einem NBA-Team gelungen, in einem Finale einen 1:3-Rückstand zu drehen. Bis zum Juni 2016, als Superstar LeBron James (l.) die Cleveland Cavaliers zum Erfolg über Golden State führte. Im entscheidenden Spiel gelang James mit 27 Punkten, elf Assists und elf Rebounds ein Triple-Double, er wurde zum besten Spieler der Finalserie gekürt und stach so mit Stephen Curry den überragenden Profi der NBA-Saison aus.
Huuuuuuuuuuh: Islands Fußballer wurden bei der EM zur Sensation. Die Mannschaft schaffte es völlig überraschend ins Viertelfinale, was vielleicht auch ein bisschen am Support der mitgereisten Fans lag. Im Zeitalter monotoner Ultra-Gesänge setzten sie mit martialisch klingenden Wikinger-Anfeuerungen einen großartigen Kontrapunkt. Und die EM hat noch einen anderen Fangesang berühmt gemacht: Will Grigg, der Nordire, der keine Sekunde spielte, wird auf ewig "on Fire" bleiben.
Weicher Weltstar: Dass das EM-Finale zur Cristiano-Ronaldo-Show werden würde, war vom portugiesischen Ausnahmefußballer sicher eingeplant. Doch gewiss nicht so: Statt mit Toren glänzte der Stürmer nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung als emotionaler Antreiber jenseits der Seitenlinie. Mit Erfolg: Portugal gewann 1:0, bei Ronaldo brachen nach Éders Siegtreffer die Dämme.
Held auf Krücken: Der Kunstturner Andreas Toba hatte sich bei den Olympischen Spielen in Rio bei seiner ersten Übung das Kreuzband gerissen - und turnte trotzdem weiter, um seiner Mannschaft zu helfen. Am Ende qualifizierte sich das deutsche Team fürs Finale - auch weil Toba seine ausstehende Übung am Pferd meisterte. Toba, der "Hero de Janeiro".
Seltsamer Genuss: Er tanzte, suchte die TV-Kameras, pfiff vor sich hin. Dabei hatte Christoph Harting soeben Olympia-Gold im Diskuswerfen gewonnen. Für den eigenwilligen Jubel wurde der jüngere Bruder von Olympiasieger Christoph scharf kritisiert. Hinterher entschuldigte er sich. Er habe den Auftritt nur genießen wollen.
Goldener Abgang: Fabian Hambüchen hat eine der beeindruckendsten deutschen Sportkarrieren des vergangenen Jahrzehnts hingelegt. In Rio gelang ihm der krönende Abschluss - Gold am Reck, Olympiasieg zum Karriereende. Für den 28-Jährigen war es die Erfüllung seines Kindheitstraums.
Der Bastian: Zum Abschied wurde es emotional. Im August beendete Bastian Schweinsteiger seine lange Nationalmannschaftskarriere. Er bestritt 121 Länderspiele, wurde Weltmeister 2014. Seinen letzten Auftritt im DFB-Trikot hatte er bei einem 2:0-Sieg gegen Finnland in Mönchengladbach.
Golden Girls: Kira Walkenhorst (l.) und Laura Ludwig haben geschafft, was noch keinem europäischen Frauen-Team gelungen war - sie gewannen olympisches Gold im Beachvolleyball. Später krönte das Duo ein überragendes Jahr mit dem Sieg des Welttour-Finals.
Ein Besessener am Ziel: Als erster Brite überhaupt schaffte es Andy Murray auf Platz eins der Tennis-Weltrangliste. Der Schotte verdrängte mit seinem Sieg beim Masters in Paris Novak Djokovic von der Spitze. Zuvor gewann er Wimbledon und Olympia-Gold in Rio.
Dreifach historisch: Jan Frodeno ist es als erstem Deutschem gelungen, seinen Ironman-Titel zu verteidigen. "Ich habe noch nie so sehr gelitten. Es war die Hölle", sagte der 35-Jährige hinterher. Hinter ihm kamen mit Sebastian Kienle und Patrick Lange zwei weitere Deutsche ins Ziel.
Der Patriarch ist zurück: Nach fast 1000 Tagen feierte Uli Hoeneß die Rückkehr ins Präsidentenamt beim FC Bayern. Nach abgesessener Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung wählten ihn die Bayern-Mitglieder im November zum Klubchef - mit mehr als 97 Prozent der Stimmen.
Fluch besiegt: Der letzte Titel lag so lange zurück, dass schon von einem Fluch die Rede war. Im November haben die Chicago Cubs dann erstmals seit 1908 die World-Series im Baseball gewonnen. Das Team kämpfte sich in den Finalspielen gegen die Cleveland Indians immer wieder zurück - sehr zur Freude von Schauspieler und Cubs-Fan Bill Murray.
Auf Augenhöhe: Er galt als Favorit, doch Titelverteidiger Magnus Carlsen hatte bei der Schach-WM unerwartet große Mühe mit Kontrahent Sergej Karjakin. Erst im Tiebreak konnte sich der Norweger gegen den Russen durchsetzen.
Bullenjagd: Ein Aufsteiger mischt die Bundesliga auf, zur Weihnachtsmeisterschaft reichte es bei RB Leipzig aber nicht. Das Team von Brausegigant RedBull spielte mit seinem Tempofußball etliche Klubs an die Wand und übernahm zwischenzeitlich Platz eins. Der FC Bayern war für Leipzig aber eine Nummer zu groß, die Münchner gewannen das Duell um die Tabellenführung 3:0.
Gehen, wenn's am schönsten ist: Jahre lang hat er darauf hingearbeitet, Ende November war er dann am Ziel - Nico Rosberg, Formel-1-Weltmeister! Nach dem Triumph über Rivale Lewis Hamilton folgte erst die Party, dann der Kater, Rosberg verkündete auf dem Höhepunkt seiner Karriere seinen Rücktritt vom Rennsport.