Kinderarbeit in Indien Bidis aus der Freiluftfabrik
Freiluftfabrik: Im indischen Dhuliyan arbeiten Tausende Kinder in der Zigarillo-Produktion. Kinderarbeit ist in Indien offiziell verboten, aber es gibt viele Hintertüren: Minderjährige dürfen in den elterlichen Betrieben helfen. Die Eltern bekommen den Tabak von Zwischenhändlern, die Kinder drehen die "Bidis", dann gehen sie zurück in die Fabrik, wo sie fertig gebacken, verpackt und ausgeliefert werden. Sagira (vorn rechts) ist elf Jahre alt und seit einem Jahr vollwertige Bidi-Dreherin. mehr...
Zigarillos mit Baby: Die Frauen drehen immer und überall. Auf Hausdächern, auf der Straße, an Hauswände gelehnt, sogar beim Stillen ihrer Babys. Von den rund 20.000 Haushalten in Dhuliyan leben schätzungsweise 95 Prozent von der Produktion von "Bidis".
Neues Heim: In dem Backsteinhäuschen wohnt Sagira erst seit ein paar Monaten. Ihr Vater hat einen Kleinkredit aufgenommen, um aus Backsteinen und Reet ein kleines Häuschen mit zwei Zimmern bauen zu können. Vorher hatten sie zwanzig Jahre in einer Bambushütte gehaust.
Hungerlohn: Die Familien bekommen 1,15 Euro für 1000 Bidis. Sagiras Familie schafft 100.000 Zigarillos im Monat und lebt somit von 115 Euro im Monat. Das reicht für drei Mahlzeiten am Tag.
Träumen von der Zukunft: Sagira möchte Lehrerin werden, aber sie kann weder lesen noch schreiben, weil sie fast nie in die Schule geht. Zählen schafft sie bis 25 - so viele Bidis ergeben ein Bündel.
Fliege auf dem Hinterkopf: "Bidis" gehören zu Indien wie Milchtee und Fladenbrot, die Nachfrage ist enorm. Die Zigarillos enthalten nur ein Viertel des Tabaks einer regulären Zigarette, sind aber extrem günstig. Im Handel kostet ein Päckchen mit zehn bis zwölf Bidis umgerechnet zehn Euro-Cent.