Kinofilm "Die Männer der Emden" - DER SPIEGEL
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Kino-Drama mit Erinnerungslücke Strahlende Krieger, dunkle Vergangenheit

Das Kino feiert sie als Helden - und unterschlägt eine grausame Episode: Der Film "Die Männer der Emden" zeigt die Besatzung des Kreuzers aus dem Ersten Weltkrieg als sympathische Draufgänger. Doch nur wenige Jahre zuvor führte die "Emden" eine gnadenlose Bestrafungsaktion gegen ein Südsee-Volk an.
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Landgang und neue Feinde: Nach monatelanger Odyssee auf hoher See landen die kaiserlichen Marinesoldaten der "Emden" in der Nähe von al-Hudeida im heutigen Jemen. Wie durch ein Wunder haben sie sich bis dahin durch die feindlichen Linien geschlagen, jetzt müssen sie durch die Wüste.

In dem Kinodrama "Die Männer der 'Emden'" (hier ein Szenenbild) wird allerdings nur der reale Name des Anführers dieser abenteuerlichen Flucht, Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke, verwendet. Der Film orientiert sich an seinen Tagebuchaufzeichnungen. Die Lebensläufe von allen anderen Protagonisten sind stark fiktionalisiert.

Foto: BERENGAR PFAHL FILM
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Immer weiter! Mit viel Pathos peitscht Hellmuth von Mücke (Sebastian Blomberg, links im Bild) nicht nur in dieser Filmszene seine Männer Richtung Heimat - mitunter gegen viel Widerstand und jegliche Vernunft.

Mücke, eine historische Figur, schrieb nach dem Ersten Weltkrieg zwei Bücher über sein Abenteuer mit der "Emden", die zu Bestsellern wurden. Er trat früh in die NSDAP ein, entfremdete sich aber nach und nach von ihr und trat schließlich wieder aus der Partei aus. Er fiel beim Regime in Ungnade und landete kurzfristig in KZ-Haft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich der einstige Kriegsheld sogar zum strikten Kriegsgegner - und protestierte öffentlich gegen eine Wiederbewaffnung der Bundesrepublik.

Foto: BERENGAR PFAHL FILM
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Morscher Schoner: Der Dreimaster "Ayesha", mit dem die einstigen Marinesoldaten der versenkten "Emden" Richtung Sumatra fliehen wollen, ist zwar ziemlich schrottig - aber irgendwie schaffen es die strahlenden Filmhelden dann doch. Szenenbild aus dem aktuellen historischen Kinodrama "Die Männer der 'Emden'".

Foto: BERENGAR PFAHL FILM
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Mythos unter Dampf: Kein deutsches Kriegsschiff war in Übersee so erfolgreich wie die SMS "Emden". Binnen weniger Wochen konnte sie 25 gegnerische Handels- und Kriegsschiffe aufbringen oder versenken. Legendär wurde das Schiff durch Überraschungsangriffe auf feindliche Häfen: Im Hafen von Penang im heutigen Malaysia versenkte sie den russischen Kreuzer "Schemtschug".

Signatur im Bundesarchiv: Bild 134-B0288

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Da ist es passiert: Die "Emden" ist gerade gesunken, 50 deutsche Mariensoldaten kämpfen gegen ihre Tränen an, doch dann hält ihr Kommandeur Hellmuth von Mücke (nicht im Bild) eine zackig-patriotische Rede. Er will sich auf keinen Fall ergeben, sondern irgendwie in die Heimat durchschlagen. Das Kriegsdrama "Die Männer der 'Emden'" wartet mit einer Überdosis Patriotismus auf. Fehlen dürfen natürlich auch nicht zwei bis aufs Blut verfeindete Offiziere, die um die Gunst derselben Frau kämpfen - und in dieser Szene in seltener Eintracht nebeneinander stehen.

Foto: BERENGAR PFAHL FILM
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Sicht der Sieger: Ein australischer Marinesoldat blickt am 9. November 1914 vom Kriegsschiff "Sydney" auf den zerstörten deutschen Kreuzer "Emden". Die "Sydney" hatte das bis dahin so erfolgreiche deutsche Schiff vor den britischen Kokosinseln überrascht und damit eine Schlacht erzwungen.

Schnell war es der "Sydney" gelungen, den Gegner entscheidend zu treffen. Als alle Geschütze der Deutschen versagten, ließ der Kapitän der "Emden" sein Schiff absichtlich auf einem Korallenriff auflaufen, um es vor dem Sinken zu bewahren. 136 Seeleute der "Emden" starben bei der Schlacht, 197 gerieten in Kriegsgefangenschaft.

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Überraschungscoup: Am 22. September 1914 machte die "Emden" Schlagzeilen, als es ihr gelang, in den Hafen der Stadt Madras einzudringen und etliche Öltanks in Brand zu setzen. Madras, das heutige Chennai, war ein wichtiger Wirtschaftsstandort in der britischen Kolonie Indien.

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Letzter Ausweg: Nach der Zerstörung der "Emden" saßen 50 deutsche Marinesoldaten auf dem winzigen Direction Island im Indischen Ozean in der Falle. Sie gehörten zu einem Landungszug der "Emden", der eine britische Telegrafenstation auf der Insel vernichten sollte. Weil sie nicht tatenlos auf ihre Kriegsgefangenschaft warten wollten, kaperten sie den Schoner "Ayesha".

Tatsächlich gelang es ihnen, mit dem morschen und mit kaputten Pumpen ausgestatteten Dreimaster die indonesische Insel Sumatra zu erreichen; hier eine Aufnahme vom Dezember 1914 vor dem Hafen Padang. Das heutige Indonesien war damals eine holländische Kolonie und im Krieg neutral.

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Rückkehr der Helden: Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke wird am 23. Mai 1915 in Konstantinopel mit Blumen begeistert empfangen. Es ist das spektakuläre Ende einer unglaublichen Odyssee um den halben Erdball.

Mücke war Kommandeur eines Landungszugs der "Emden". Als das Schiff im November 1914 überraschend angegriffen und zerstört wurde, saß er mit 49 Seeleuten auf der winzigen Direction Island im Indischen Ozean fest. Doch Mücke ließ einen morschen Schoner kapern und schlug sich damit mit seinen Männern bis nach Sumatra durch. Von dort ging es, versteckt auf einem Handelsschiff, weiter bis zur Arabischen Halbinsel und dann zu Fuß durch die Wüste bis in das Herrschaftsgebiet des mit den Deutschen verbündeten Osmanischen Reichs.

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Suche nach den Rebellen: Eine gemischte Einheit von deutschen Marinesoldaten und verbündeten Hilfstruppen durchkämmt den Busch nach den aufständischen Ponapesen, Aufnahme von etwa 1911. Zweiter von links ist der Kommandant des Zuges, Edgar Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim, der später ein Buch über die Niederschlagung des Aufstands schreiben sollte. Darin bezeichnet er sich selbst und seine Kollegen als "grausame Räuber", da die deutschen Marinesoldaten systematisch die Strategie der verbrannten Erde anwendeten, um ihren Feind zu zermürben.

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Ende des Widerstands: Zwei gefangene Anführer des Aufstands von Ponape im Februar 1911. Im Dezember 1910 war auf der zu den Karolinen gehörenden Südseeinsel Ponape, heute Pohnpei genannt, eine Rebellion gegen die deutschen Kolonialherren ausgebrochen - die größte, die es in der Südseeregion gegen die Deutschen geben sollte.

Eine Ursache war, dass die Kolonialbehörden versuchten, das jahrhundertealte Lehnsystem abzuschaffen, um die Insel effizienter auspressen zu können. Unmittelbarer Anlass war ein umstrittenes Straßenbauprojekt und allgemein die schlechte Behandlung der Einheimischen durch die Deutschen.

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Nach dem Sturmangriff: Deutsche Einheiten bewachen am 13. Januar 1911 die Spitze der Felseninsel Dschokadsch, die sie kurz vorher nach heftigem Beschuss gestürmt und eingenommen hatten. Auf der befestigten Insel hatten sich Kämpfer des Stamms der Sokehs verschanzt, die schon seit Wochen gegen die deutschen Kolonialherren rebellierten.

Der Einsatz endete mit einer Blamage für die Deutschen: Wie durch ein Wunder konnten die Sokehs durch die Linien der Angreifer entkommen und sich auf eine andere Insel zurückziehen. Damit begann ein zäher Guerillakrieg, bei dem die Deutschen - auch Soldaten des Kriegsschiffs "Emden" - auf die Strategie der verbrannten Erde setzten.

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Hilflose Zuschauer: 50 Seeleute der "Emden" konnten nicht rechtzeitig von einem Landgang zu ihrem Schiff zurückkehren, das von einem australischen Kriegsschiff überrascht wurde. Fassungslos müssen sie das Ende ihres Schiffs beobachten. Sie flohen mit einem alten Dreimaster, hier im Hintergrund zu sehen, und gingen im Dezember 1914 in Indonesien an Land.

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Die Rache der Sieger: 15 zum Tode verurteilte Rebellen der Sokehs kurz vor ihrer Hinrichtung am 24. Februar 1911. Ein Standgericht mit Mitgliedern der Kolonialverwaltung hatte die Urteile ausgesprochen. Einige der Aufständischen wurden zur Zwangsarbeit verurteilt.

Zudem wurde das ganze Volk der Sokehs - etwa 450 Frauen, Männer und Kinder - kollektiv bestraft und auf eine ferne Insel deportiert. Von Beginn an hatte die deutsche Operation - geleitet vom Fregattenkapitän des Kriegsschiffs "Emden" - geplant, ein Exempel an den Rebellen zu statuieren. So sollten künftig weitere Aufstände verhindert werden.

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"Kühnes Erobererschiff": Im Ersten Weltkrieg und besonders auch in der NS-Zeit wurden die Männer der "Emden" auf zahlreichen Plakaten, Illustrationen und in Gedichten heroisiert. 1934, zum 20. Jahrestag der Versenkung, wurde in der Stadt Emden ein Ehrenmal eingeweiht. Dieses Plakat des Grafikers E. Doepler ist zwischen 1915 und 1918 entstanden. Es zeigt Kapitän Karl von Müller und sein Schiff in der Schlacht.

Signatur im Bundesarchiv: Plak 001-008-036

Foto: Das Bundesarchiv/E. Doepler
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Ende der Kaperfahrten: Das Wrack der "Emden" 1914 auf einem Riff vor den britischen Kokosinseln. Nach seiner Versenkung wurde der erfolgreiche Kreuzer, der zuvor mehr als 20 Schiffe gekapert oder versenkt hatte, schnell zum Mythos.

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Augenzeugen: Auf Direction Island schauen Mitglieder des Landungstrupps der SMS "Emden" am 9. November 1914 vom Dach der Telegrafenstation der Insel dem Gefecht ihres Schiffs mit der "Sydney" zu. Die "Emden" wurde von dem Angriff der "Sydney" überrascht, und der Trupp auf der Insel saß fest.

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Mannschaft: Ein Teil der Besatzung der SMS "Emden" sorgte als Bordkapelle des Kreuzers für die Unterhaltung der Mannschaft. Die überlebenden Seeleute der "Emden" erhielten später das Recht, den Namen ihres Schiffs als Zusatz ihres eigenen Nachnamens tragen zu dürfen. Dieser Zusatz war sogar vererbbar.

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In der Hitze des Kampfes: Szene aus dem Film "Die Männer der 'Emden'". Die abenteuerliche Odyssee der verschollenen deutschen Seeleute von der Südsee bis nach Berlin beruht auf einer wahren Begebenheit. Marineoffizier Karl Overbeck alias Ken Duken, links, ist allerdings ein fiktionaler Charakter. Er muss sich in der Wüste Arabiens gegen schießwütige Beduinen zu Wehr setzen, unterstützt wird er dabei von einer örtlichen Dolmetscherin (Sibel Kekilli), die ihm in den Kampfpausen glutäugige Blicke zuwirft.

Foto: BERENGAR PFAHL FILM
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