Kinogeschichte - DER SPIEGEL
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Edgar Wallace glupschäugige Mörder und vergifteten Zahnprothesen

Laszive Leichen, schräge Plots: 1959 kam der erste Edgar-Wallace-Krimi ins Kino und fesselte Millionen Deutsche. Blacky Fuchsberger als Inspektor erzielte Traumquoten - nur hier gab es glupschäugige Mörder im Frosch-Kostüm und Hunde mit vergifteten Zahnprothesen als Waffe.
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Ende an dem Strick: Mit der deutsch-italienischen Co-Produktion "Das Rätsel des silbernen Halbmondes" von 1972 endete schließlich die Wallace-Reihe. Doch zur Freude ihrer Fans verstaubten die Filme nicht in den Archiven der Sender, sondern kommen regelmäßig als Wiederholungen ins Programm.

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Maskiert, aber dennoch bekannt: Der glupschäugige Wallace-Frosch avancierte Ende den fünfziger Jahren zur prominentesten deutschen Amphibie nach der Erdal-Kröte und dem Salamander-Lurchi. Hier macht Ella Bennet (Eva Anthes) gerade seine Bekanntschaft.

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Kurzer Auftritt: Ezra Maitland (l.) fällt einem Gas-Attentat des Froschs zum Opfer. Scotland-Yard-Ermittler Elk (Siegfried Lowitz) kann - wie immer - nur wenige Spuren des gerissenen Verbrechers sichern. Einzig eine Warnung an den Verräter und seine typische Signatur, das Froschzeichen, hat er auf dem Schreibtisch seines Opfers hinterlassen. Leichendarsteller Fritz Rasp (1891-1976) feierte trotz seines verhältnismäßig schnellen Endes ein ungewöhnliches Comeback: Er hatte bereits in den dreißiger Jahren in den frühen deutschen Wallace-Verfilmungen "Der Zinker" (1931) und "Der Hexer" (1932) mitgespielt.

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"Der Rote Kreis": Die englische Hauptstadt London war, wie in den Romanvorlagen, Handlungsort der meisten Wallace-Filme. Die tatsächlichen Drehorte befanden sich aufgrund des niedrigen Produktionsbudgets jedoch selten in Großbritannien, sondern vielmehr in Deutschland. Vor allem Straßen in Berlin und Hamburg dienten als Kulisse für London-Szenen. Innenaufnahmen entstanden zumeist im Studio Hamburg und in den Ateliers der Berliner CCC-Film. Für Authentizität sorgten Archivaufnahmen vorzugweise der bekannten Londoner Sehenswürdigkeiten, die geschickt in die Filme eingeflochten wurden.

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"Der Frosch mit der Maske": Schon das Plakat zum ersten Film transportierte den später vielzitierten Erfolgsslogan der langen Reihe: "Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein." 3,2 Millionen Kinobesucher ließen sich mitreißen und verfolgten, wie Joachim Fuchsberger als Richard Gordon (oben) und Siegfried Lowitz als Scotland-Yard-Inspektor Elk (unten) 1959 auf Froschjagd gingen.

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Blockbuster: "Das Gasthaus an der Themse" von 1962 wurde mit 3,6 Millionen Besuchern der erfolgreichste Wallace-Film. Hauptdarsteller war einmal mehr Blacky Fuchsberger, der als Inspector Wade von der Flusspolizei Jagd auf den mörderischen "Hai" macht und bei seinen Ermittlungen in der zwielichtigen Hafenkneipe von Nelly Oaks (Elisabeth Flickenschildt) auf deren bildhübsche Pflegetochter Leila Smith (Brigitte Grothum) stößt. Der Rezensent der Rheinischen Post jubelte: "Edgar Wallace erweist sich wieder einmal als ausgezeichneter Stofflieferant, vielleicht der beste überhaupt der Gattung Krimi."

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Der Meister an seinem Schreibtisch: Richard Horatio Edgar Wallace (1875-1932), Markenzeichen Zigarettenspitze, arbeitete als Schriftsteller, Drehbuchautor, Regisseur, Journalist und Dramatiker. Bis heute gehört er zu den erfolgreichsten englischsprachigen Kriminalschriftstellern. Seine Romane wurden in 44 Sprachen übersetzt und vielfach erfolgreich verfilmt. Die Nachfahren freut das: Noch heute belaufen sich die Tantiemen auf seine Werke auf etwa eine Million Euro im Jahr.

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Wallace in Farbe: "Der Bucklige von Soho" aus dem Jahr 1966 unter der Regie von Alfred Vohrer war der 26. deutschsprachige Edgar-Wallace-Film der Nachkriegszeit und der erste in Farbe. Doch weder die bunten Bilder, noch ein Dutzend Leichen inklusive gruseligem Killer oder die Hauptdarsteller Pinkas Braun und Monika Peitsch konnten die konfus und sehr frei nach Motiven des Autors inszenierte Story retten.

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Grusel und Spannung: "Die Toten Augen von London" versetzten 1961 neben Hauptdarstellerin Karin Baal auch 3,4 Millionen Kinogänger in Angst und Schrecken. Kameramann Karl Löb gelang es nach Meinung der Kritiker, "die düstere Stimmung der Mordnächte, gepfeffert mit gruseligen Überraschungen, gut einzufangen".

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Unheimliche Begegnung: Nervenkitzel war in Edgar-Wallace-Filmen an der Tagesordnung. Alte Schlösser, düstere Irrenanstalten, finstere Kellergewölbe oder Leichenhallen waren die Schauplätze der Handlung und in "Im Banne des Unheimlichen" stieg schon mal ein Gespenst aus einem Sarg.

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Joachim Fuchsberger ermittelt: Die tatsächlichen Drehorte der Edgar-Wallace-Filme waren aufgrund der geringen Produktionskosten selten tatsächlich in Großbritannien. Zumeist mussten die Straßen von Hamburg oder Berlin herhalten. Da sich aber viele Szenen im Halbdunkel einer düsteren Kulisse abspielten, unter die immer wieder Archivaufnahmen von London gemischt wurden, fiel das gar nicht auf.

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Horst Tappert ganz lässig: Auch der spätere Derrick-Hauptdarsteller Horst Tappert tauchte in einigen Edgar-Wallace-Verfilmungen auf, so etwa 1967 in "Der Hund von Blackwood Castle" an der Seite von Mady Rahl.

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Auf der Lauer: Immer wieder wurde das Publikum von der Frage bei Laune gehalten, wie das Opfer dieses mal wohl ins Jenseits befördert werden würde. In dem Film "Im Banne des Unheimlichen" von 1968 waren es beispielsweise Giftringe.

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Abhör-Gadget: Im "Hund von Blackwood Castle" von 1968 probt Heinz Drache den Lauschangriff. Drache (1923-2002) wirkte in insgesamt neun Wallace-Verfilmungen mit, meist als smarter Ermittler. Ab 1985 stand er auch sechs Mal als "Tatort"-Kommissar Bülow aus Berlin vor der Kamera.

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Stammpersonal: Klaus Kinski (1926-1991) zählte zum absoluten Inventar der Wallace-Filme. Allein in 16 Streifen wirkte der auf die Darstellung psychopathischer und getriebener Charaktere spezialisierte Mime mit, wie hier in der Rolle des musikalisch begabten Dieners Edwards in "Neues vom Hexer" von 1965.

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Nackte Tatsachen: Ingrid Steeger zeigte sich in einer Nebenrolle in "Die Tote aus der Themse" von 1971 ganz offenherzig den Wallace-Fans.

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Nachts im Wald: "Crime, Cuties and Curiousity" waren die bewährten Wallace-Zutaten - Trockeneisgeschwängerter Wald, kostümierter Bösewicht mit ausgefallenem Mordinstrument, schutzbedürftige Schönheit. Grit Böttcher trifft 1967 auf den "Mönch mit der Peitsche".

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Der Komiker vom Dienst: Neben reichlich Spannung und Grusel gab es in Wallace-Filmen auch immer viel Humor. So unterhielt Siegfried Schürenberg (r.) das Publikum über 16 Filme in der Rolle des trotteligen Polizeichefs Sir John.

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Überzeugende Darstellung: Es waren nicht nur die Geschichten, die die Zuschauer immer wieder vor den Bildschirmen fesselten, auch die großartigen Darsteller dieser Zeit machten aus den Wallace-Filmen immer wieder ein Erlebnis - allen voran Klaus Kinski, der mit seinem irren Blick (hier in "Das Gesicht im Dunkeln" von 1969) hervorragend Angst und Schrecken verbreiten konnte.

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