Kirgisien Putsch auf dem Spielfeld der Großmächte
Die Regierung ist gestürzt, die Kritiker haben gesiegt: Nach den blutigen Unruhen übernahm die Opposition am 8. April 2010 die Macht in Kirgisien.
Die Oppositionsanhänger versammelten sich vor dem Regierungssitz in der Hauptstadt Bischkek,...
...einen Tag zuvor hatte eine aufgebrachte Menge den Sitz der kirgisischen Regierung gestürmt. Die Wut der Bevölkerung auf die Regierung entlud sich: wegen der katastrophalen sozialen Lage, wegen der Vetternwirtschaft der Elite.
Autos brannten, Explosionen erschütterten die Hauptstadt am 7. April.
Der autoritäre Präsident Kurmanbek Bakijew musste fliehen - ins Exil nach Weißrussland. Inzwischen wird er in der Türkei vermutet.
Seit Bakijews Sturz ist die Lage im Land gespannt. In Bischkek regiert nun Rosa Otunbajewa. Die Chefin der Übergangsregierung wurde am 3. Juli als Präsidentin vereidigt.
Die Rebellion hat eine instabile Region erschüttert. Gleich drei Großmächte ringen dort um Einfluss, Macht und Rohstoffe: die USA, Russland und China. Sowohl Russland als auch die USA unterhalten Militärbasen in Kirgisien. Der Luftwaffenstützpunkt Manas in der Nähe der Hauptstadt Bischkek wird von den Amerikanern seit 2002 genutzt.
Russland möchte seinen Einfluss in Zentralasien stärken - auf dem Bild ist Ministerpräsident Wladimir Putin zu sehen. Moskau mühte sich zuletzt vergeblich, die Amerikaner per Scheckbuch aus der ehemaligen Sowjetrepublik Kirgisien zu drängen. Der Kreml sicherte Bakijew Finanzhilfen in Höhe von zwei Milliarden Dollar zu. Im Gegenzug erwartete er, Bischkek werde Ernst machen mit der Drohung, die Basis Manas für den Rivalen USA zu schließen - ohne Erfolg.
China hat im Westen eine fast 900 Kilometer lange Grenze mit Kirgisien. Für die Supermacht ist das Land wichtig - ist es doch zu einem bedeutenden Umschlagplatz für chinesische Waren nach Russland und Zentralasien geworden. Auf dem Bild laden Arbeiter an der Grenze Waren von einem chinesischen Laster auf einen kirgisischen.
Am 11. Juni flammten die Auseinandersetzungen wieder auf. In der Stadt Osch, einer Hochburg von Ex-Präsident Bakijew, gab es schwere Ausschreitungen. Lokalen Medien zufolge zogen mit Stöcken und Steinen bewaffnete junge Männer durch die Straßen, warfen Fenster ein und setzten Autos in Brand. Hier Fernsehbilder eines russischen Senders.
Der Ausnahmezustand wurde daraufhin über Osch und weitere Regionen verhängt. Schätzungen zufolge kamen bei den Unruhen bis zu 2000 Menschen ums Leben. Zehntausende wurden obdachlos.